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     1325  0 Kommentare Konsequente Inflationsbekämpfung? Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist ziemlich schwach

    Für Sie zusammengefasst
    • Inflation rückläufig, aber durch staatliche Ausgaben droht Wiederanstieg
    • Notenbanken müssen Zinserhöhungen fortsetzen, zeigen sich jedoch pazifistischer
    • Weltweite Verschuldung und Strukturprobleme erschweren konsequente Inflationsbekämpfung

    Konsequente Inflationsbekämpfung? Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist ziemlich schwach

    Die Inflation hat ihren Höhepunkt überschritten und ist im Trend rückläufig. Doch droht sie über massive staatliche Ausgabeprogramme, Energie-, Rohstoff-, Lohn- und Mietpreissteigerungen oder auch staatliche Abgabenerhöhungen wieder Steherqualitäten auszubilden. Daher müssten die Notenbanken eigentlich ihre Zinserhöhungen und ihren Liquiditätsentzug konsequent fortsetzen. Doch im Vergleich zu früheren Stabilitätskämpfen zeigen sie sich heutzutage viel pazifistischer.

    An der schnöden Realität kommt die Geldpolitik nicht vorbei

    Ich der Kapitalmarktanalyse bin ich ein „Dinosaurier“ und werde immer trauriger. Denn in meinen jungen Berufsjahren, also vor dem Aufschlag diverser Krisen, wurde Inflation noch an der Wurzel bekämpft. Bevor Unkraut auch nur die Chance hatte, zu sprießen, hatte unsere „Stabilitäts-Bundesbank“ den Rasenmäher schon gestartet. Unter ihrem Regime lagen die Zinsen meistens über der Inflation.

    Aber wie konsequent kann der tatsächliche Kampf für Preisstabilität - ich meine nicht den verbalen - heutzutage noch geführt werden? Theoretisch kann man die Inflation geldpolitisch auf zwei Prozent oder sogar noch niedriger drücken. Man muss praktisch nur eine konjunkturelle Depression und/oder Systemkrisen zulassen. Das wird keine Notenbank zulassen.

    Mittlerweile ist die staatliche und private Verschuldung der Welt und vor allem der USA ist mit krankhafter Zuckersucht vergleichbar. Einen Zuckerentzug über eine restriktive Zins- und Liquiditätspolitik, der zu depressiver konjunktureller Verstimmung führt, will man nicht riskieren. 

    Und in einem weltweit brutalen Wettbewerb um den produktivsten Standort kann kein Staat mehr die umfangreichen Ausgabenprogramme für Infrastruktur, Digitalisierung, Energiewende oder Verteidigung aus der eigenen Kasse bezahlen. Ebenso schlummern in vielen Bilanzen vieler Banken viele schlechte Gewerbeimmobilien. Will man noch einmal eine Finanzkrise riskieren? Ohne genügend Zucker der Notenbanken wäre das Leben nicht mehr süß, sondern sauer.

    Diese Saure Gurken-Zeit erlebt zurzeit Deutschland. Der scheinbar endlose Traum günstigster Energieimporte aus Russland, grenzenloser Exporte nach China und militärischer Trittbrettfahrerei bei den USA ist ausgeträumt. Zugleich haben wir uns in den Jahren der Niedrigzinsen immer höhere Sozialleistungen erlaubt. Jetzt wird uns die Rechnung präsentiert. Doch wer soll sie bezahlen?

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    Robert Halver
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    Robert Halver verfügt über langjährige Erfahrung als Kapitalmarkt- und Börsenkommentator und ist durch regelmäßige Medienauftritte bei Fernsehsendern und Radiostationen, auf Fachveranstaltungen und Anlegermessen sowie Fachpublikationen und als Kolumnist einem breiten Anlegerpublikum bekannt. Seine Markenzeichen, die unterhaltsame, bildhafte Sprache, kommen bei keinem seiner Auftritte zu kurz.

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    Verfasst von Robert Halver
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