Anleihenmarkt Angst und Unsicherheit treiben die Kurse - Seite 2

07.10.2019, 21:42  |  532   |   |   

Politische Unsicherheit

Einer der Auslöser für die Rezessionsängste ist das große Hin und Her in der Politik. Mal geht es um den BREXIT, mal um Handelsstreit zwischen USA und China, der sich immer weiter zuspitzt und auch die Devisenmärkte in Atem hält. US-Präsident Donald Trump droht mit immer noch höheren Strafzöllen auf chinesische Importe. China will im Gegenzug keine Agrarprodukte mehr aus den USA importieren.

Der Freihandel zwischen den beiden Ländern käme damit komplett zum Erliegen. Der Handel zwischen USA und China ist ohnehin bereits schon stärker eingebrochen als während der Finanzkrise. In unserer globalisierten Welt mit ihren Verflechtungen und Lieferketten trifft das die Wirtschaft hart. Falls der gordische Knoten zwischen den beiden Kampfhähnen nicht doch noch gütlich gelöst werden sollte, wird eine Rezession für Europa und wahrscheinlich auch für die USA kaum noch zu vermeiden sein.

Geldpolitik

Die Notenbanken haben auf die sich verschlechternden Wirtschaftsdaten reagiert und die Kehrtwende in ihrer Geldpolitik weg von höheren hin zu niedrigeren Zinsen eingeleitet. Formell berufen sich die US-Notenbank (Fed) und die Europäische Zentralbank (EZB) dabei auf die gesunkene Inflation, die sie zum Handeln zwingt. Die Fed hat Ende Juli zum ersten Mal seit zehn Jahren die Leitzinsen gesenkt. Fed-Chef Jerome Powell hielt sich mit der Ankündigung weiterer Zinssenkungen zwar noch zurück, aber Investoren spekulieren weiter darauf. Im Euro-Raum hat die EZB ihren Basiszins soeben nochmals abgesenkt und das Anleihekaufprogramm wieder aufleben lassen.

Spekulation

Am Anleihemarkt geht es institutionellen Investoren wie zum Beispiel Fonds weniger darum, ihr Kapital zu erhalten. Sie spekulieren vor allem auf Kursgewinne. Die Ängste vor einer Rezession, die verunsichernden Tweet-Attacken von Donald Trump und die Hoffnung auf billiges Geld der Notenbanken - das alles lässt Investoren darauf hoffen, dass die Kurse noch weiter steigen.

Dabei sind die bisherigen Kursgewinne erschreckend hoch - und illustrieren ihrerseits die Blasenbildung. Das gilt besonders dann, wenn man sich lang laufende Anleihen ansieht, bei denen die Kurse stärker schwanken als bei Kurzläufern. Der Kurs der 30-jährigen deutschen Bundesanleihe ist seit Jahresanfang um rund 25 Prozent gestiegen. In den USA stieg der Kurs der 30-jährigen Anleihe um 15 Prozent. Das sind Wertzuwächse, wie man sie sonst nur vom Aktienmarkt kennt. Lang laufende Staatspapiere haben zum Teil mehr zugelegt als zum Beispiel der DAX, dessen Jahresplus auf aktuell immerhin gute 15 Prozent kommt.

Unsere Einschätzung: Kurzfristig ist bei Bundesanleihen nicht zu erkennen, dass der Trend zu negativen Renditen zum Stillstand kommt. Auch bei US-Anleihen scheint es nur eine Frage der Zeit, bis neue historische Tiefs markiert werden. Für Privatanleger macht ein Zins-Investment aktuell keinen Sinn - im Gegenteil: Wer die Staatsanleihen bis Endfälligkeit hält, macht bei Minusrenditen einen garantierten Verlust und nimmt auch noch erhebliche Kursrisiken während der Laufzeit in Kauf.

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Disclaimer

Anleihenmarkt Angst und Unsicherheit treiben die Kurse - Seite 2 Die Angst vor einer Eskalation des internationalen Handelskonflikts hatte die Renditen für lang laufende Staatsanleihen weltweit auf Allzeittiefs gedrückt. Die Renditen fallen immer weiter angesichts eines schwächeren Wirtschaftsausblicks und niedriger Inflation. Eine Rezession ist mittlerweile deutlich wahrscheinlicher als noch vor einigen Jahren.