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Marktkommentar: Christian Kopf (Union Investment): Zwei Irrtümer über den Rentenmarkt
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Marktkommentar Christian Kopf (Union Investment): Zwei Irrtümer über den Rentenmarkt

Nachrichtenquelle: Asset Standard
06.11.2019, 16:00  |  626   |   |   

Die Renditen am Anleihemarkt sind niedrig, bei vielen Papieren gar negativ. Die geldpolitische Ausrichtung der wichtigsten Notenbanken macht wenig Hoffnung, dass sich daran demnächst etwas ändern könnte.

Die Renditen am Anleihemarkt sind niedrig, bei vielen Papieren gar negativ. Die geldpolitische Ausrichtung der wichtigsten Notenbanken macht wenig Hoffnung, dass sich daran demnächst etwas ändern könnte. Nichtsdestotrotz haben sich zwei Irrtümer über den Rentenmarkt festgesetzt, mit denen es aufzuräumen gilt.

Irrtum Nummer eins lautet: Negative Zinsen gab es noch nie, und deshalb sei das aktuelle Umfeld für alle Marktakteure ein unbekanntes Terrain. Zugegebenermaßen ist es historisch betrachtet selten, dass Sparer für die Verwahrung ihres Geldes draufzahlen müssen. Aber es gibt ein Beispiel: Ende 1931, inmitten von Wirtschaftskrise und Deflation, führte Michael Unterguggenberger, Bürgermeister der Gemeinde Wörgl in Tirol, eine Parallelwährung ein, den Wörgler Schilling. Das Prinzip ist bestechend: Die Geldscheine mussten jeden Monat gestempelt werden, damit sie gültig blieben. Dieses Stempeln kostete für einen Fünf-Schilling-Schein eine Gebühr von fünf Groschen – der Geldwert schrumpfte also jeden Monat um ein Prozent. Deshalb haben die Bürger das Geld nicht mehr gehortet, sondern waren bemüht, es so schnell wie möglich auszugeben, um den Stempelgebühren zu entgehen. Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes stieg und durch die gesteigerten Umsätze kam die Wirtschaft in Schwung. Die Deflation wurde überwunden und die Arbeitslosigkeit ging zurück – das nannte man das „Wunder von Wörgl“.

Dabei setzte der Bürgermeister ein Konzept des Volkswirts Silvio Gesell um, der heute von führenden Geldpolitikern als geistiger Vater der Negativzinsen genannt wird. Allerdings gibt es gravierende Unterschiede zur heutigen Situation, die hier nicht verschwiegen werden sollen. 1931 ging es darum, in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit, einer sehr geringen Kapazitätsauslastung der Volkswirtschaft und fehlender Kreditwürdigkeit des Staates die Wirtschaft kurzfristig wieder anzukurbeln und so eine anhaltende Depression und Deflation zu verhindern. Heute haben wir annähernde Vollbeschäftigung im Euroraum und die Wirtschaftsleistung übersteigt das langfristige Produktionspotenzial. Deshalb gibt es auch keine Deflation, und zudem kann der Staat zu sehr günstigen Konditionen Schulden aufnehmen. Daher scheinen Negativzinsen nicht angemessen. Anstatt die Finanzstabilität wieder herzustellen, könnten die Negativzinsen zu einer Gefahr für die Finanzstabilität werden, unter anderem weil der Bankensektor seiner Funktion nicht mehr nachkommen kann.

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