Finanzexperte Thomas Mayer zur IWH-Studie Banken drohen Kreditausfälle in Milliardenhöhe – „Der Preis dürfte die Zombifizierung sein“

15.07.2020, 14:26  |  17216   |   |   

Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) warnt in einer Studie vor einer neuen Bankenkrise. Die Forscher sehen vor allem viele Sparkassen und Genossenschaftsbanken gefährdet. Die Politik wird das zu verhindern wissen, indem sie viel neues Geld bereitstellt, vermutet Prof. Thomas Mayer, der Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institute.

Für den Ökonom Thomas Mayer kommt es darauf an, wie die Politik auf die Gefahr von Kreditausfällen reagieren wird. „Vermutlich wird sie Unternehmen und Banken mit so viel neuem Geld fluten, wie nötig ist, um eine Bankenkrise zu verhindern. Der Preis dafür dürfte dann die Zombifizierung von aus eigener Kraft nicht lebensfähiger Unternehmen und Banken sein“, sagte er exklusiv gegenüber wallstreet:online. Wie schon nach der Finanzkrise werde die Verhinderung des Strukturwandels das Wachstum noch weiter verringern, fügt Mayer hinzu.

Zuvor sagte IWH-Präsident Reint Gropp in einer Pressemitteilung: „Selbst, wenn es für die deutsche Wirtschaft sehr gut läuft, halten wir eine neue Bankenkrise für wahrscheinlich.“ Die Wissenschaftler gehen in der Studie davon aus, dass voraussichtlich tausende Firmen aufgrund der Corona-Krise ihre Kredite an Deutschlands Banken nicht zurückzahlen können und diese somit schwer belasten. Vor allem Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die meist Geld an kleinere Unternehmen aus krisenanfälligeren Branchen wie Einzelhandel und Gastgewerbe verleihen, sehen sie in der Bredouille.

Gropp warnte gar vor einer zweiten Rezession. Wenn viele Kredite im dreistelligen Milliardenbereich ausfielen und dadurch die Kernkapitalquote der betroffenen Banken unter sechs Prozent falle, würden sie umstrukturiert, mit anderen Instituten verschmolzen oder ganz geschlossen. Er ging in seinen Überlegungen noch einen Schritt weiter: „Wir denken, dass eine Konsolidierung des deutschen Bankenmarktes, auf dem derzeit zu viele Institute um zu geringe Erträge buhlen, mittelfristig die Produktivität steigern und damit die Wirtschaft beleben wird.“

Zur Studie: Für ihre Analyse verknüpften die IWH-Forscher die Kennzahlen von mehr als einer halben Million deutscher Unternehmen mit den Bilanzdaten von über 1.000 hiesigen Banken. Die Stichprobe umfasst unter anderem 89 Prozent der Sparkassen, 81 Prozent der Genossenschaftsbanken und 15 Geschäftsbanken, darunter alle großen systemrelevanten Geldhäuser.

Autor: Nicolas Ebert, wallstreet:online Zentralredaktion



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