Sahra Wagenknecht – Meisterin der Selbstvermarktung

Gastautor: Rainer Zitelmann
02.08.2020, 21:56  |  1194   |   |   

© Sahra Wagenknecht / Credit: dpa

Sahra Wagenknecht ist sicherlich die deutsche Politikerin, die sich am besten auf die Kunst der Selbstvermarktung versteht. „Anders sein als die anderen“, also ein USP finden, das sie von anderen deutlich unterscheidet, ist eine Linie, die sich durch die gesamte Biografie zieht. Dazu gehört insbesondere auch die gezielte Provokation.

Provokation – gegen den Strom

Wagenknecht hat schon immer gerne provoziert. In der DDR stand sie zuweilen quer zum System, dürfte deshalb nicht studieren. Erst im Frühsommer 1989 trat sie der SED bei – gewiss kein Zeichen von Opportunismus.

In der später zu PDS und „Die Linke“ umgetauften Partei stand sie als Anführerin der Kommunistischen Plattform zunächst für einen dezidiert kommunistischen Kurs und profilierte sich gegen Reformer wie Lothar Bisky und Gregor Gysi. Noch 1995 schrieb der SPIEGEL unter der Überschrift „Stalins Geist“: „Wagenknecht geißelt die Entspannungspolitik Willy Brandts als ‚Teil des gegen den Sozialismus geführten Kalten Krieges’. Mit Stalins Tod habe der ‚politisch ideologische Verfall’ des Kommunismus begonnen. Die ‚Frau mit den kalten Augen’ (Bisky) plädiert auch heute für das Prinzip der Kaderpartei und bekämpft linke Reformpolitik als ‚opportunistisch’. Ihre Kommunistische Plattform, eine von 24 PDS-Arbeitsgemeinschaften, ist die Keimzelle des Widerstands gegen Biskys Reformpläne.“ Zwischen 1995 und 2000 musste sie für fünf Jahre aus dem Vorstand ihrer Partei ausscheiden, weil Gregor Gysi sie für so untragbar hielt, dass er mit seinem Rückzug gedroht hatte.

Später dann wandelten sich ihre Positionen. Sie distanzierte sich von früheren positiven Äußerungen über den sowjetischen Diktator Josef Stalin und sprach jetzt von „sozialer Marktwirtschaft“. Sie zitiert inzwischen sogar Ludwig Erhard – wenngleich der sich sicherlich im Grabe herumdrehen würde, wenn er hören könnte, was Wagenknecht unter „sozialer Marktwirtschaft“ versteht. Was geblieben ist, ist ihr tiefes Misstrauen gegen den Markt und ein dezidierter Antikapitalismus.

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