Dual Listing; Zweitlisting Zweitlisting an einer US-Börse: Fluch oder Segen?

Gastautor: Callum Laing
04.12.2020, 11:39  |  108395   |   |   

Börsennotierte Firmen können ihre Aktien über ein Dual Listing neben der Notierung an ihrer Heimatbörse zusätzlich an einer ausländischen Börse listen lassen. Der entscheidende Vorteil ist der Zugang zu neuen Investoren.

Trotz des globalen Charakters der Finanzmärkte ist es für Unternehmen schwierig, den Handel ihrer Aktien weltweit – also rund um die Uhr – zu gewährleisten. Börsennotierte Firmen können ihre Aktien über ein Dual Listing neben der Notierung an ihrer Heimatbörse zusätzlich an einer ausländischen Börse listen lassen. Für Unternehmen, die primär in Frankfurt notiert sind, bietet sich dafür die USA an – gemessen an der Marktkapitalisierung der größte Kapitalmarkt der Welt. Aufgrund der Zeitverschiebung sind die Aktien deutlich länger handelbar. Der entscheidende Vorteil ist der Zugang zu zahlreichen neuen Investoren im Rahmen des Einwerbens von Kapital oder zur Verbreiterung der Aktionärsbasis.

Zugang zu neuen Investoren

Das Zweitlisting an einer US-Börse erlaubt amerikanischen Investoren den Handel mit Unternehmensaktien ohne hohe Kosten einer Auslandstransaktion und ohne Währungsrisiken. Auch Privatinvestoren können die Aktien nun ohne Barrieren direkt erwerben.

Mit der US-Notierung werden Investoren und Analysten vor Ort auf das Unternehmen aufmerksam. Zudem gerät das Unternehmen bei Investmentfonds mit Inlandsfokus auf den Radar. Kulturunterschiede an den verschiedenen Kapitalmärkten spielen ebenfalls eine Rolle. Ist zum Beispiel in einem ausländischen Markt das Branchen-Knowhow der Anleger höher, könnte dies zu einer höheren Bewertung des Unternehmens führen. Ein weiterer wichtiger Grund für ein Dual Listing ist die Erhöhung des Bekanntheitsgrads in diesem Markt.

Höhere Kosten um Liquidität zu sichern

Mit der zusätzlichen Börsennotierung sind natürlich auch höhere Kosten verbunden, insbesondere in den USA, sofern man den SEC-Regularien unterliegt. Auch die Kosten für die Investor-Relations-Aktivitäten steigen deutlich, vor allem um sicherzustellen, dass an beiden Handelsplätzen eine ausreichende Liquidität sichergestellt ist. Nicht selten entsteht nach einer anfangs erhöhten Handelsaktivität an der Zweitbörse ein ausgeprägter Rückfluss-Effekt in Richtung Heimatbörse. Da Anleger Märkte einer hohen Liquidität bevorzugen, verstärkt sich dieser Effekt.

Aktien als Akquisitionswährung

Jüngst haben sich mit CureVac und BioNTech – zwei aufgrund von Corona inzwischen sehr bekannte Unternehmen – für ein Listing an der amerikanischen NASDAQ entschieden, aber gegen ein Dual Listing.

Auch für Small Caps kann ein Dual Listing sehr lohnenswert sein. Besonders bei Unternehmen, die ihre Aktien als Währung für Akquisitionen im entsprechenden Auslandsmarkt einsetzen wollen. Im Rahmen von M&A-Transaktionen, die mit Aktien bezahlt werden, bevorzugen die Verkäufer Aktien, die an einem lokalen Börsenplatz notieren. So plant beispielsweise die Beteiligungsgesellschaft MBH Corporation ein Dual Listing zur Erleichterung von internationalen Akquisitionen. Das Unternehmen lässt die Aktien neben der Heimatbörse, der Frankfurter Wertpapierbörse, auch an einer US-Börse zum Handel zu. Damit wäre der Aktienhandel in der lokalen Währung gewährleistet. Das Geschäftsmodell von MBH ist der Erwerb von kleinen Unternehmen im Rahmen eines dafür entwickelten Agglomerationsmodells insbesondere durch die Ausgabe neuer Aktien. Die Zielmärkte sind international. Das US-Listing erfolgt nach dem Erwerb der ersten beiden amerikanischen Unternehmen und bietet dann eine gute Basis für weitere Zukäufe in den USA.

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Dual Listing; Zweitlisting Zweitlisting an einer US-Börse: Fluch oder Segen? Trotz des globalen Charakters der Finanzmärkte ist es für Unternehmen schwierig, den Handel ihrer Aktien weltweit – also rund um die Uhr – zu gewährleisten. Börsennotierte Firmen können ihre Aktien über ein Dual Listing neben der Notierung an ihrer Heimatbörse zusätzlich an einer ausländischen Börse listen lassen. Für Unternehmen, die primär in Frankfurt notiert sind, bietet sich dafür die USA an – gemessen an der Marktkapitalisierung der größte Kapitalmarkt der Welt. Aufgrund der Zeitverschiebung sind die Aktien deutlich länger handelbar. Der entscheidende Vorteil ist der Zugang zu zahlreichen neuen Investoren im Rahmen des Einwerbens von Kapital oder zur Verbreiterung der Aktionärsbasis.