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Interview mit Corinna Bäthge "Leadership und Bewusstsein", motivierende Wertschätzung im Vordergrund aller Gespräche

Corinna Bäthge ist seit 10 Jahren Coach für Leadership & Bewusstsein, begleitet Führungspersönlichkeiten in deren Alltag.

Mit Gelassenheit und Klarheit bringt Sie Ihre Klient:innen dazu, Ihre Masken fallen zu lassen und Wertschätzung im Vordergrund aller Gespräche zu bringen.

In Ihrem Podcast erwähnen Sie viele Herausforderungen von Führungskräften - von Überforderung, Schwierigkeiten beim Delegieren und sogar Einsamkeit. Was ist Ihrer Meinung nach aktuell die größte Herausforderung für das Führungspersonal?

Alle Führungspersönlichkeiten müssen mit so vielen Aufgaben jonglieren, dass man das nicht pauschalisieren kann. Besonders auffällig sind Schnelllebigkeit, der eigene und äußere Anspruch und der Wunsch die richtige Balance zu erreichen zwischen Authentizität – Rolle, Entspannung - Effektivität und Familie - Erfolg.

Was ich persönlich bemerke: viele tragen eine Maske, spielen gewisse Rollen und realisieren selbst nicht, wie viel Kraft das kostet. Ihnen fehlt das Bewusstsein der eigenen Gedanken und Gefühle.

Gerade vielen Männern fällt es schwer, Gefühle wahrzunehmen und noch schwerer ist es für sie, diese in Worte zu fassen. Umso wichtiger dieser Problematik Raum zu bieten.

Allerdings fallen auch vielen Führungskräften gerade die empathische Kommunikation und der Ausdruck echter Wertschätzung schwer. Im alltäglichen Strudel aus Tabellen, To-do-Listen und Zielformulierungen schauen viele Personen in Führungspositionen vor allem auf das, was noch nicht erreicht wurde, und vergessen die Menschen hinter der Arbeit. Jeder Mitarbeiter tickt jedoch anders und kommt mit unterschiedlichen Verhaltens- und Kommunikationsweisen besser oder schlechter zurecht. Führung ist daher sehr individuell. Doch um das überhaupt zu erkennen, sind Einfühlungsvermögen, Offenheit und Bewusstsein gefragt.

Sie widmen sich diesen Problemen und wollen somit einen Wandel im Unternehmen erzeugen. Was gibt es dabei zu beobachten und wie gelingt der erfolgreiche Wechsel?

Meine Vision ist es, Menschlichkeit in die Unternehmen zu bringen. Und da ist die Führungsebenn ein großer Hebel. Aus meiner Sicht werden zu viele Entscheidungen mit dem Kopf getroffen und zu wenig mit dem Herzen. Hier ist ein Wertewandel notwendig, denn Menschen können über Nähe und Wertschätzung motiviert werden, was automatisch zu Erfolg führt.

Den Wandel sehe ich selbst bei meinen Klient:innen. Schon allein der Unterschied ihres Verhaltens und Bewusstseins beim 1. Treffen bis zur letzten Coachingsitzung sind enorm. Auch sie selbst berichten, wie sie durch kleine Verhaltensänderungen große Wirkung erzielen. Das kann das Lächeln im Gesicht sein, das Berichten vom Urlaub, die Krankheit des Kindes oder das Umsetzen von kleinen Tools für ihr eigenes Zeitmanagement.

Die Augen strahlen, wenn meine “Coachees” davon berichten. Oft fließen auch Tränen, die dann der Ausdruck von Emotionen sind. Ein Klient sagte mir, dass er erst jetzt durch das Coaching wieder sein Bauchgefühl wahrnehmen kann, was er als Kind konnte und jahrelang verdrängt hat. Sein Glaubenssatz war, dass Männer keine Gefühle zeigen dürfen und stark sein sollen.

Da setze ich oft an und erlebe gestandene Manager, die mit leuchtenden Augen wieder zu sich selbst und ihrem Körper und Gefühlen gelangen. Undmit dieser Erkenntnis gehen sie nach Hause und ins Unternehmen und handeln anders als zuvor. Sie sind „menschlicher“. Die Offenheit, die ihnen dann von ihrer Familie, Freund:innen und Mitarbeiter:innen entgegengebracht wird, führt zu weiterer Freude und Erfolg.

Wie wirkt sich solch eine Entwicklung für das restliche Personal aus?

Lernen die Personen, die Führungsverantwortung haben sich selbst besser kennen, dann können sie auch ihre Teams besser verstehen. Sie sind reflektierter und gehen auf jede Persönlichkeit besser ein. Viele geben Fehler zu, zeigen ihre Gefühle und öffnen damit Türen. Sie vertrauen sich selbst und geben damit Vertrauen. Denn Vertrauen ist ein Vorschuss, den jede Führungsperson zuerst geben sollte. Einer macht den Anfang und das ist aus meiner Sicht die Person, die führt und die, die es kann.

Lebe es vor und sei dir deiner Vorbildfunktion bewusst. Werden Menschen mit Wertschätzung und Achtung behandelt, fühlen sie sich geschätzt. Mit einer positiven Absicht, mit mehr Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen können Ziele leichter erreicht werden.

Traust du deinem Team und strahlst es auch aus? Dann spürt es dein Team.

Vertraust du nicht und lebst mit Zweifeln, dann spielst du ihnen was vor. Die Haltung, die inneren Werte und positives Denken und an sich Glauben sprechen Bände und andere können sie lesen. Also: steuere deine Gedanken, drehe sie in positive Sätze um. Es funktioniert!

Sie arbeiten sehr eng mit Ihren Klient:innen zusammen und berichten auch von eigenen Erfahrungen. Welchen persönlichen Bezug pflegen Sie mit dem Thema Leadership & Bewusstsein?

Aus meiner Sicht führt jeder Mensch, er ist in verschiedenen Rollen und hat auch Vorbildfunktionen. Ob als Mutter, Vater, Vereinsvorstand, Klassensprecher, Nachbar oder Bereichsleitung. Wir können auch Menschen führen, ohne offiziell diese Rolle innezuhaben.

Ich war jahrelang selbst Führungskraft im Personalmanagement und kenne den Alltag sehr gut. Dadurch kann ich mich noch besser in die jeweiligen Rollen meiner Klient:innen reinversetzen.

Das Thema Bewusstsein habe ich selbst vor meiner Selbständigkeit am eigenen Körper zu spüren bekommen. Ich habe zu viel Zeit bei und für die Arbeit verbracht, habe zu wenig Ausgleich gehabt und kannte nicht meine „Energietankstellen“, um wieder vollzutanken. Mein Kopf hat immer weiter gemacht und noch mehr Termine, Projekte und Zeit verplant und mein Körper meldete immer mehr Anzeichen, dass eine Pause notwendig sei.

Darauf gehört habe ich nicht und konnte dann eines Tages nicht mehr. Ich habe nicht mehr funktioniert und wollte einfach nicht mehr aufstehen. Gedanklich wusste ich genau, was in mir vorging, doch in die Umsetzung – den STOP Knopf zu drücken - bin ich alleine nicht gekommen. Auch private Themen, die mich belastet haben, kamen hinzu und machten die völlige Erschöpfung dann komplett.

Durch Hilfe von Freunden, Ärzten und Heilpraktikern habe ich schnell den Weg in die gesunde Balance von Arbeit und Freizeit gelernt und höre daher umso genauer auf meinen Körper. Denn mein Körperbewusstsein und meine hohe Feinfühligkeit sehe ich jetzt als Gabe und Geschenk und achte es umso mehr. Nein sagen und mich abgrenzen habe ich gelernt, genauso wie Dinge zu fokussieren, die mir Spaß machen und andere Dinge und auch Menschen loslassen, die Kraft ziehen.

Dadurch habe ich Fähigkeiten, die Andere in meiner Branche nicht haben: Eigene schmerzliche Erfahrungen und Erfolge!

Diese Offenheit und meine lebensfrohe positive Art und Gelassenheit öffnen die Türen bei den Menschen und das ist mein Erfolg.

Wie weit ist der deutsche Mittelstand davon entfernt bewusste Führung in das klassische Unternehmertum zu integrieren? Ist das überhaupt zu schaffen?

Die Führungspersonen, die in meinen Coachings waren und sein werden, führen auf jeden Fall bewusster. Doch da habe ich noch einiges vor mir.

Wir sind mitten im Wandel und die Tendenz, bewusster und wertschätzender zu führen, setzt sich seit Jahren durch. Schon alleine des Erfolges wegen und weil die Belegschaft, die Menschen, es fordern. Im Zuge des Fachkräftemangels werden Unternehmen genau mit diesen Eigenschaften konfrontiert und bringen die Soft Skills in den Vordergrund. Für die Nachfolgegenerationen ist mehr die Kultur, das Mindset und die Flexibilität und das Vorankommen in den Unternehmen wichtig. Sinnhaftigkeit und Bewusstsein erhalten einen viel höheren Stellenwert, was mich sehr glücklich macht.

Der Wandel sollte in den Kindergärten und Schulen beginnen, denn da wird die Basis gelegt für die Zukunft. Die Themen Achtsamkeit, Mindset, Umgang mit Geld, Bewusstsein und Kommunikation werden zunehmend in den Vordergrund rücken.

Denn Gesundheit und die Einheit von Körper – Seele – Geist haben einen Platz in der Wirtschaft und Politik verdient.

 



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Gastautor: Seyit Binbir
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