Chartanalyse
Finstere Aussichten? Short-Wetten auf Öl nehmen zu!
Trotz zahlreicher Katalysatoren kommt der Ölpreis nicht auf die Beine. Steht hier die nächste Abwärtswelle unmittelbar bevor? Der Blick in den Chart!
- Ölpreis bleibt im Abwärtstrend trotz Katalysatoren.
- Technische Indikatoren deuten auf weitere Verluste hin.
- Trendwende erst bei über 85 US-Dollar wahrscheinlich.
- Report: Goldpreis nicht zu stoppen

Nahost-Konflikt, China-Stimulus und eine robuste Konjunkturentwicklung in den USA. Gründe für steigende oder zumindest anhaltend hohe Energiekosten gibt es viele – auch mit Blick darauf, dass der Energiebedarf in den kommenden Jahren bedingt durch neue Rechenzentren für das Trainieren von KI-Modellen deutlich zunehmen wird.
Am Ölmarkt ist hiervon jedoch nichts zu spüren, das schwarze Gold befindet sich in einem hartnäckigen Abwärtstrend. Derzeit dominieren vor allem die Angebotssorgen, denn die zwischenzeitlichen Produktionskürzungen der OPEC-Staaten könnten noch in diesem Jahr auslaufen. Offenbar ist vor allem Saudi-Arabien an der Erhöhung seines Ausstoßes interessiert.
Steht die Rohölsorte Brent vor einer Verkaufswelle?
Das hat dazu geführt, dass sich Rohstoffhändler inzwischen mehrheitlich short positioniert haben und auf weiter fallende Preise einstellen. Eine solche Preisentwicklung befürwortet auch der Blick in den Chart der Rohölsorte Brent, die vor einer weiteren Abverkaufswelle stehen könnte.
Fallende Kurse bestimmen das Geschehen
Seit dem Erreichen eines Hochs bei rund 135 US-Dollar, das eine unmittelbare Reaktion auf die russische Invasion in der Ukraine war, handelt die Rohölsorte Brent in einem Abwärtstrend. Dieser kann vor allem in den vergangenen 12 Monaten als Trendkanal mit einer Breite von etwa 15 US-Dollar beschrieben werden, in dem ein Großteil der Kursbewegungen stattgefunden hat.
Zwischenzeitliche Ausbrüche nach oben und unten blieben folgenlos. Weder gelang es den Käufern, für eine Trendwende zu sorgen, noch konnten die Bären eine Abwärtstrendverschärfung erzwingen. Zum Verbleib im Trendkanal dürfte aus technischer Perspektive vor allem beigetragen haben, dass sich mit Blick auf die gleitenden Durchschnitte Kauf- und Verkaufssignale in vergleichsweise rascher Folge abgewechselt haben.
Abwärtsdynamik könnte sich bald verschärfen
Seit dem Juli haben innerhalb des Abwärtstrendkanals wieder die Bären das Ruder übernommen und für einen Preis an der Unterkante gesorgt. Hier gelang zwar ein Rebound, der jedoch bereits am Widerstandsbereich um 75 US-Dollar zum Erliegen kam. Bei vorherigen Erholungsversuchen gelang es dem Barrel Brent, zumindest in Richtung der gleitenden Durchschnitte zurückzukehren.
Dass das dieses Mal nicht der Fall gewesen ist, könnte eine Eskalation der Abwärtsdynamik bedeuten. Der Blick auf die technische Indikation zeigt, dass sich die Lage für Rohöl in den vergangenen Wochen und Monaten sukzessive eingetrübt hat. Sowohl der Relative-Stärke-Index (RSI) als auch der Trendstärkeindikator MACD sind immer weiter gesunken.
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Keine Anzeichen für eine Trendwende
Damit haben sie den Abwärtstrend technisch bestätigt. Gleichzeitig fehlt es an bullishen Divergenzen, die auf eine bevorstehende Trendwende hindeuten könnten. Daher wird ein weiterer Ausbruchsversuch zur Unterseite immer wahrscheinlicher, erst recht, wenn der MACD unter seine (rote) Signallinie fallen und damit eine beschleunigte Abwärtsdynamik anzeigen sollte.
Im Chart dürfte das aller Voraussicht nach mit Kursen unterhalb von 70 US-Dollar pro Fass einhergehen. Fällt Öl darunter, dürfte eine dynamische Verkaufswelle in den Bereich von 65 und schließlich sogar 50 US-Dollar einsetzen, wo die nächsten technischen Unterstützungen liegen.
Für einen derart starken Preisverfall spricht, dass 70 US-Dollar in den vergangenen Jahren immer wieder das letzte Aufgebot der Käufer gewesen sind und Preise nachhaltig darunter frische Mehrjahrestiefs und damit ein technisches Verkaufssignal bedeuten würden.
Fazit: Anstiegschancen vorhanden, aber bearishes Szenario zu bevorzugen
Erste Entspannung würde sich hingegen mit einem Anstieg über den Widerstandsbereich zwischen 75 und 77 US-Dollar ergeben. Mit einer nachhaltigen Trendwende ist dagegen erst bei etwa 85/86 US-Dollar pro Fass zu rechnen. Ein derartiger Preisanstieg ist aktuell jedoch nicht in Sicht, daher sollten Anleger das bearishe Szenario favorisieren.
Für einen kurzfristigen Rebound könnte eine weitere Verschärfung des Nahostkonfliktes sorgen. Es bleibt abzuwarten, wie lange das iranische Regime die Tötung von Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah und die am Sonntag erfolgte Bombardierung von Stützpunkten der Huthi-Rebellen durch Israel ohne eine Gegenreaktion hinnehmen kann.
Sollten die von China beschlossenen Stimulusmaßnahmen außerdem Wirkung zeigen und sich die US-Konjunktur als unverändert robust erweisen, könnten sich die aktuellen Nachfrageprognosen als zu pessimistisch erweisen, und die derzeit mehrheitlich short positionierten Rohstoffhändler auf dem falschen Fuß erwischt werden.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion
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