Drohende Parität
Ist der Euro am Ende? Warum die EZB dazu beigetragen hat
Einen Dollar für einen Euro? Es zeichnet sich derzeit wieder ab, dass der Euro die Parität zum Dollar testet. Das hat verschiedene Ursachen.
- Euro testet Parität zum Dollar, Inflation bleibt hoch.
- EZB reagiert zurückhaltend, Zinsen langsamer erhöht.
- Schwacher Euro steigert Importkosten, Inflation droht.
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Während die USA vor allem durch hohe Inlandsnachfrage, Lohndruck und expansive Geldpolitik Inflationsprobleme haben, ist Europa stärker von Energiepreisen, importierter Inflation und einem strukturell schwachen Euro betroffen. Die Abwertung des Euros gegenüber dem Dollar hatte bis jetzt keine bis geringe Auswirkung auf die Inflation im Euroraum.
Daher antwortete die EZB auf die Inflation im Vergleich zur Fed auch eher zurückhaltend mit der Erhöhung der Leitzinsen, um ihr zu begegnen: Da grundsätzlich ein schwacher Euro zunächst für einen mittelfristigen Exportschupp sorgen kann; denn europäische Waren werden in den USA vergleichsweise günstiger.
Das sollte den Export aus Europa ankurbeln, insbesondere in Branchen wie Maschinenbau, Automobilindustrie oder Luxusgüter. Das Problem dabei: der Euro ist im Sinkflug und nähert sich immer mehr dem Dollarkurs.









Eine sich derzeit abzeichnende Parität verstärkt aber langfristig das Problem gestiegener Importkosten für Europa, die ihrerseits wieder die Inflation anfeuern. Denn die europäische Energiekrise, besonders die Deutschlands, ist von Energieimporten abhängig.
Das Problem ist wie folgt: Weil die EZB die Zinsen schneller als in den USA gesenkt hat, hat der Euro an Wert verloren, da Anleger weniger geneigt waren, Kapital in den Euro-Raum zu investieren. Gleichzeitig bleibt der US-Dollar stark, weil die FED die Zinsen hoch hält, was den Dollar für Investoren attraktiver macht.
Und da Europa von Energieleferungen abhängig ist, unterstützt die EZB den strukturell eher schwachen Euro durch das schnellere Absenken des Leitzinses und heizt damit das Problem der importierten Inflation weiter an. Ein Teufelkreis.
Parität ist auch Folge der EZB-Politik
Die Europäische Zentralbank (EZB) reagierte auf die Inflation weniger aggressiv als die US-Notenbank (FED). Sie hob die Leitzinsen zurückhaltender an, um die Konjunktur nicht abzuwürgen, da ein schwacher Euro kurzfristig den Export stützt.
Doch langfristig birgt eine schwache Währung Risiken. Eine Parität zwischen Euro und US-Dollar wird die Importkosten weiter erhöhen, da viele Güter, insbesondere Energie und Rohstoffe, in US-Dollar abgerechnet werden. Diese gestiegenen Kosten könnten die Inflation in Europa erneut antreiben.
Es ist daher verständlich, dass die EZB die Zinsen langsamer senkt. Es führt aber langfristig in eine Dollar-Euro-Parität. Das ist nicht das Ende des Euro, könnte aber eine längerfristige Krise der Währung bedeuten.
Autor: Krischan Orth, wallstreetONLINE Redaktion
Die Währung EUR/USD wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Plus von +0,50 % und einem Kurs von 1,047USD auf Forex (25. November 2024, 17:49 Uhr) gehandelt.

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