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Marktkommentar: Matthias Hoppe (Franklin Templeton): Wahlsieg Merkels hat langfristige Konsequenzen für Anleger
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Marktkommentar Matthias Hoppe (Franklin Templeton): Wahlsieg Merkels hat langfristige Konsequenzen für Anleger

Nachrichtenquelle: Asset Standard
25.09.2017, 00:00  |  760   |   |   

Matthias Hoppe erklärt warum die politische und wirtschaftliche Landschaft in der Europäischen Union nach der Wahl vor einem Umbruch stehen könnte.

Wie weithin erwartet worden war, haben die deutschen Wähler Angela Merkel für eine weitere Amtszeit zur Kanzlerin gewählt. Ein starke kurzfristige Reaktion der Finanzmärkte auf dieses Wahlergebnis ist zwar unwahrscheinlich, aus längerfristiger Sicht gibt es jedoch Anzeichen, dass die politische und wirtschaftliche Landschaft in der Europäischen Union vor einem Umbruch stehen könnte. Matthias Hoppe, Senior Vice President und Portfolio Manager, Franklin Templeton Multi-Asset Solutions, erklärt warum.

Anleger haben sich im Vorfeld der deutschen Bundestagswahlen ausgesprochen desinteressiert gezeigt. Und das aus gutem Grund. Nur wenige Kommentatoren erwarten etwas anderes als eine Rückkehr Angela Merkels an die Macht, allerdings ohne dabei eine absolute Mehrheit im Bundestag zu erringen.

Kurzfristig rechnen wir nicht damit, dass die Bestätigung dieses Ergebnisses erhebliche Auswirkungen auf das aktuelle konjunkturelle Umfeld in Europa haben wird. Für viele Anleger könnte der Wahlsieg Merkels als weiterer Grund erscheinen, europäische Vermögenswerte zu halten, um vom bereits starken Wachstum Europas zu profitieren.

Aus längerfristiger Sicht könnte das Wahlergebnis das Tempo europäischer Reformen bestimmen – bis dato ein Faktor, der den Spreads von Staatsanleihen Unterstützung gebot hat.

Dringend erforderliche Reform der Eurozone

Nachdem Emmanuel Macron im Frühjahr bei den französischen Wahlen den Sieg davongetragen hatte, hatte sich der Optimismus bezüglich des Engagements von sowohl Frankreich als auch Deutschland für Reformen der Eurozone verstärkt. Dieser Optimismus spiegelte sich teilweise in einer starken Verengung der Spreads von Staatsanleihen wider, insbesondere beim Spread zwischen französischen Anleihen und den als Referenz dienenden deutschen Bundesanleihen.

Gleichzeitig spiegelten die Kurse ein sehr viel geringeres Risiko eines Auseinanderbrechens des Euroraums wider.

Es wird weitläufig angenommen, dass Merkel nun gemeinsam mit Macron versuchen könnte, eine Fiskalpolitik umzusetzen, die darauf ausgelegt ist, nicht nur die Wirtschaft der Europäischen Union (EU) anzukurbeln, sondern auch die Integration Europas zu verstärken.

Und besteht ein gewisses Maß an Hoffnung, dass eine Partnerschaft zwischen Deutschland und Frankreich die erforderlichen strukturellen Reformen der EU sowie des Euroraums vorantreiben könnte.

Unserer Einschätzung nach könnte dies erhebliche Auswirkungen auf die Kapitalströme hin zu den Aktien und Anleihen der Region haben.

Allerdings gehen wir davon aus, dass sich eine Umsetzung dieser Reformen als schwierig erweisen dürfte. Zudem hat Merkel bislang einen eher reaktiven und weniger proaktiven Regierungsstil verfolgt. Sie ist nicht dafür bekannt, sich für Veränderungen stark zu machen und diese voranzutreiben. Je nachdem, mit wem sie eine Koalition bilden muss, könnte es sich zudem als schwieriger erweisen, Reformen umzusetzen.

Bezüglich ihrer Vision für Europa hat sich Merkel bislang eher bedeckt gehalten. Das Programm ihrer Partei, der Christlich Demokratischen Union (CDU), enthüllt nicht sonderlich viele Details.

Die CDU hat erklärt, hinsichtlich einer allmählichen Weiterentwicklung des Euroraums allgemein offen für eine Zusammenarbeit mit der neuen französischen Regierung zu sein. Zudem hat sie sich Spielraum für ein gewisses Maß an regionaler Solidarität gesichert. Allerdings beharrt sie auch darauf, dass zunächst einmal die Vorschriften eingehalten werden müssen.

Die Agenda der CDU ist allerdings dahingehend sehr deutlich, dass für sie eine Mutualisierung der Schulden der Länder der Eurozone – eine Idee, die von anderen europäischen Regierungen vorgeschlagen und auch schon von Macron diskutiert wurde – nicht in Frage kommt.

Mehrere Bereiche für mögliche Fortschritte

Es gibt mehrere Bereiche, in denen wir gewisse Fortschritte erwarten könnten. Allerdings steckt der Teufel – wie immer – im Detail.

Sowohl Deutschland als auch Frankreich scheinen sehr daran interessiert zu sein, einen Finanzminister als Vertreter des Euroraums zu ernennen. Der entsprechende Prozess und die letztendliche Ausgestaltung einer solchen Position müssen jedoch noch definiert werden.

Beide Länder haben einen dedizierten Haushalt für den Euroraum vorgelegt, hinsichtlich des Umfangs und der Finanzierung gehen die Meinungen jedoch auseinander.

Andererseits scheint Einigkeit zu herrschen, dass der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) in einen Europäischen Währungsfonds umgewandelt werden sollte, um Unabhängigkeit gegenüber dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zu erlangen.

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