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Die Blockchain und die Internetökonomie

11.12.2017, 14:44  |  1559   |   |   

Ich freue mich, seit neuestem hier auf dieser Plattform von Wallstreet-Online einige Gedanken und Analysen mit Ihnen teilen zu können.  Meine Analysen orientieren sich an den Grundmustern der „Internetökonomie“ und den Beziehungen der Finanzwirtschaft zu diesem Geflecht.

Seit meiner ersten Auflage der „Einführung in die Internetökonomie“ im Jahre 2004 (dem Jahr, in dem der IPO von Google stattfand) fragen mich Freunde und Kollegen, was es mit dem Begriff „Internetökonomie“ auf sich hat. Nun haben die amerikanischen Ökonomen Shapiro und  Varian schon Ende der 90-er Jahre mit ihren Veröffentlichungen  die Netzwerkwirtschaft theoretisch skizziert und viele andere haben diesen Begriff benutzt, aber mit der Internetblase Anfang 2000 und dem darauffolgenden Crash ist den Menschen dieser Begriff etwas suspekt geworden.

Wir sehen heute, dass die sog. „Digitalisierung“ in allen möglichen Wirtschaftsbereichen (teilweise mit Sorge, teilweise mit zu viel Euphorie betrachtet) entscheidende Veränderungen bewirkt (Machine Learning, Künstliche Intelligenz etc.) und das alles hat auch mit der Netzwerkwirtschaft zu tun (die wir Internetökonomie nennen) – wie das Internet der Dinge , die Blockchain etc.

Verglichen mit anderen ökonomischen Ansätzen ist die Internetökonomie keine reine Lehre der Märkte und der Preise – sie ist keine Geldtheorie und viel weniger noch eine Außenhandelstheorie. Sie ist aber der Ausdruck einer technischen Dominanz der Verflechtungen in den Märkten. Sie ist zweifelsohne eine „andere Ökonomie“: Wettbewerb findet häufig in einem veränderten Umfeld von technischen Dominanzen und Entwicklungen statt, Preise werden dynamisch und zuweilen auch erratisch gebildet; bei vielen Produkten werden Grenzkosten von Null unterstellt (siehe Musik- und Presseangebote):  mit erheblichen Auswirkungen auf die Preisbildung und die Angebotsfunktion.  Das Netzwerk ist der eigentliche Kern der Wertschöpfung – alles dezentral (also Peer-to-Peer)  wie bei der Geldschöpfung in der Blockchain.

Geld wird, wie Vieles in der Internetökonomie, errechnet und über Algorithmen – über Codes - abgebildet. Kryptowährungen werden nicht mehr zentral angeboten, sie werden nicht mehr zentral über Banken und Zentralbanken gemanagt: sie sind das Ergebnis eines Rechen- und Abwicklungsprozesses Peer-to-Peer

Die hinter den Kryptowährungen stehende Blockchaintechnologie spiegelt nicht nur eine Dokumentationskette wieder, sie stellt ein neues dezentrales Ordnungsprinzip dar, deren Bedeutung sich allen Akteuren gerade erst erschließt. Dass das Thema „Bitcoins“ dabei herausragt, ist verständlich –geht es hier um eine spektakuläre Ausprägung des Phänomens Blockchain ( knapp gehaltenes virtuelles Geld wird zu einer Art „Rechner-Gold“). Die Blockchaintechnologie ist aber viel mehr: sie ist in der Lage autonome Organisationen zu erschaffen, zu steuern und ganz neue Anreizsysteme zu implementieren.  

Der Anspruch dieser Technologie ist, dass kein Vertrauen mehr in einem Mittler vorhanden sein muss; viele Finanzdienstleister verlieren damit einen wesentlichen Grund für ihre Existenz. In dieser Welt ist Vertrauen nicht notwendig: Vertrauen wird ersetzt durch Algorithmen und Rechnerleistung. Ich werde hier in den nächsten Monaten immer wieder über die Themengebiete Finanzinnovation, Fintechs, Blockchain und ähnliches Beiträge präsentieren und freue mich auf Feed-backs.


Näheres immer wieder unter www.blog.meisnerconsult.de

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