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Der Fall Steinhoff: Aktionäre warten auf Signale

15.12.2017, 14:43  |  10193   |   |   

Es könnte ein Skandal werden, jedoch wagt niemand den nächsten Schritt. Der Möbel- und Konsumgüterhersteller Steinhoff sorgt in den letzen Wochen 2017 für eine Achterbahnfahrt. Neben möglichen Ungereimtheiten bei den Jahresabschlüssen, fiel die Aktie innerhalb von 24 Stunden um 80 Prozent.   

Diese Woche war für Steinhoff, ebenso wie die Woche davor, eine dunkle. Am Dienstag wurde die Präsentation der Bilanzkennzahlen abgesagt. Im gleichen Atemzug trat der Vorstandschef Markus Jooste zurück. Eine Woche zuvor, am 5. Dezember 2017, fiel die Steinhoff-Aktie innerhalb von 24 Stunden von 3,10 Euro auf unter einen Euro. Seither hat sich der Kurs nicht erholt. Die letzten vorliegenden Kursdaten zeigen 0,566 Euro pro Wertpapier. Die Jahresperformance schneidet mit -88,14 Prozent denkbar schlecht ab.

Steinhoff International Holdings

Nach dem Rücktritt von Jooste führt der 76-jährige Christo Wiese das Unternehmen. Die Firmenzentrale befindet sich im südafrikanischen Stellenbosch, während die Aktie in Frankfurt und Südafrika notiert ist. Laut dem Handelsblatt verweigerten Wirtschaftsprüfer das Testat für den Jahresabschluss des Geschäftsjahres 2016/17. Anschließend kam hinzu, dass der Konzern selbst meint, dass ältere Abschlüsse geprüft und neu aufgestellt werden müssen. In erster Linie geht es um die Werthaltigkeit bestimmter Bilanzpositionen in Europa, so das Handelsblatt. Es geht um sechs Milliarden Euro. 

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt bereits seit Dezember 2015 im Fall Steinhoff. Es geht um den Verdacht, dass Steinhoff die Bücher gefälscht und die Umsätze künstlich aufgebläht hat. Ferner wird geprüft, ob Markenrechte womöglich falsch bilanziert wurden.

Was liegt noch vor? Bekannt ist, dass Steinhoff vor mehreren Gerichten mit dem Möbelkonzern XXXLutz um die Eigentümerschaft an der deutschen Möbelkette Poco und dem französischen Möbelkonzern Conforama streitet, so das Handelsblatt. Bei beiden Unternehmen war Steinhoff mit XXXLutz ein Joint Venture eingegangen. Es heißt, dass Steinhoff die Zahlen der Möbelketten voll in die eigenen Bücher genommen habe.

Während die Aktionäre in Europa auf neue Nachrichten warten - am 19. Dezember 2017 will sich das Unternehmen in London mit Investoren und Gläubigern treffen, sind die Behörden in Südafrika schon einen Schritt weiter. Die Börsenaufsicht in Südafrika prüft mögliche Fälle von Insiderhandel mit Steinhoff-Papieren, so die WirtschaftsWoche. Investoren sprechen vom bislang größten Skandal an der Börse Johannesburg und die Verantwortlichen werden nun auch vor das Südafrikanische Parlament geladen, so berichtet es das Handelsblatt.

Vorerst wurde die Veröffentlichung der Geschäftszahlen auf unbestimmte Zeit verschoben. Am gestrigen Handelstag teilte EZB-Chef Mario Draghi mit, dass die Europäische Zentralbank ihre Käufe von Anleihen des kriselnden Möbelkonzerns Steinhoff bereits gestoppt hätte, als die Probleme des Unternehmens bekannt wurden. Mit welchem Betrag die EZB investiert ist, ist nicht bekannt. Das Volumen der genannten Steinhoff-Anleihe belief sich auf 800 Millionen Euro. Die Regularien der Notenbank sehen vor, dass maximal 70 Prozent einer einzelnen Unternehmensanleihe erworben werden dürfen.

Aus dem einstigen Vorzeigekonzern und Ikea-Angreifer wurde innerhalb weniger Tage ein Krisenunternehmen und Experte im Bereich der Bilanz-Tricksereien. In den vergangenen Jahren war ein Konzern mit 40 verschiedenen Handelsketten mit mehr als 10.000 Geschäften entstanden. Es bleibt abzuwarten, ob das Ruder nochmal rumgerissen werden kann.

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