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Gazprom: Umweltschutz bringt Nord Stream 2 nicht zum Scheitern

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
21.01.2018, 14:14  |  592   |   |   

Gazproms (WKN:903276) Großprojekt Nord Stream 2 wurde mittlerweile schon von so vielen Seiten beschossen, dass es schwer fällt, hier den Überblick zu behalten. Von Dänemarks Regierung über die EU bis hin zu den Sanktionen der USA ließen sich Gegner einer zweiten großen Erdgaspipeline direkt nach Europa finden.

Jetzt wird auch noch eine der so ziemlich letzten Karten gezogen, und zwar die Umwelt. Schauen wir einmal, ob das für Nord Stream 2 wirklich zur Gefahr werden könnte.

Umweltschützer fordern den Stopp

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der WWF haben sich kürzlich zusammengetan, um den Bau von Nord Stream 2 unterbinden zu lassen. Sie richten sich in einem Schreiben an die baldige, falls zustande kommende deutsche Regierung. Auf seiner Website fordert der NABU „Stoppt Nord Stream 2!“ und nennt dann eine lange Reihe an vermuteten Umweltschäden, die durch Nord Stream 2 entstehen würden.

Es ist nie schön, wenn die Umwelt für die Energieversorgung strapaziert wird, aber dass ein Projekt, das mehr als ein Zehntel des europäischen Erdgasbedarfs decken kann, an ein paar Stellen die Natur umwühlt, sollte eigentlich selbstverständlich sein.

NABU ist sich sicher, „Nord Stream 2 zerstört die Ostsee“ und macht sich unter anderem Sorgen um die Meeresenten. Man kann aber eigentlich vermuten, dass Nord Stream 2 für seine Größenordnung nur überschaubare Spuren hinterlassen sollte, schließlich wird der neue Strang direkt neben der schon bestehenden Nord Stream-Pipeline verlegt.

Vor allem wird aber natürlich das Klimaargument vorgeschoben, denn Nord Stream 2 kann Europa jahrzehntelang mit Erdgas versorgen. Das passt dem NABU ganz und gar nicht. Nachdem Deutschland schon länger den Atomausstieg plant und auch die schmutzigen Kohlekraftwerke so schnell wie möglich abgeschaltet werden sollen, hätten die Naturschützer am liebsten auch einen Verzicht auf weitere Erdgas-Kapazitäten, die derzeit letzte noch akzeptable herkömmliche Energiequelle.

Das Argument des NABU, dass der Erdgasverbrauch kontinuierlich sinkt, mag langfristig stimmen, übersieht aber komplett, dass gleichzeitig die europäischen Erdgasquellen in der Nordsee und vor Norwegens nördlicheren Gewässern langsam versiegen und es selbst bei sinkendem Bedarf Alternativen benötigt.

Als Alternative wird auf die bestehenden Gasimportkapazitäten verwiesen. Dort könnte man sich theoretisch irgendwann mit amerikanischem Flüssiggas versorgen, das allerdings aufwändig um die halbe Welt transportiert wird, nachdem es mit der ökologisch teils fragwürdigen Fracking-Technologie gewonnen wurde.

Dem Tagesspiegel gegenüber hat der NABU geäußert, dass eine Klage gegen Nord Stream 2 vorbereitet wird.

Eine fragwürdige Litanei

Der NABU und WWF haben insofern recht, dass Nord Stream 2 als gigantisches Infrastrukturprojekt seine Spuren in der Natur hinterlassen wird und dass Erdgas keine erneuerbare Energiequelle ist. Trotzdem sind die Argumente meiner Ansicht nach überzogen.

Erstens ist jedes Projekt einer solchen gigantischen Größenordnung mit dem Bau von Infrastruktur verbunden, die auch an manchen Stellen ihre Spuren hinterlässt. Das würde auch für einen gigantischen Windpark gelten. Zweitens mag es zwar sein, dass Nord Stream 2 Europa wieder ein bisschen mehr an Erdgas und damit einen fossilen Energieträger bindet, aber dass wir den Übergang zu der hundertprozentigen Nutzung von erneuerbaren Energieträgern irgendwie gestalten müssen, ist nicht von der Hand zu weisen. Ein Verzicht auf Nord Stream 2 könnte am Ende bedeuten, dass wir das dringend benötigte Erdgas mit einer noch umweltschädlicheren Bilanz beziehen.

Die Argumente der Umweltschützer scheinen also ziemlich weit davon entfernt zu sein, genug Schlagkraft zu haben, um das Projekt Nord Stream 2 wirklich zu gefährden. Auch Dänemark konnte nicht auf mangelnden Umweltschutz verweisen, als es Nord Stream 2 blockieren wollte. Es wird hier vermutlich nur ein weiteres Mal Staub aufgewirbelt. Am Freitagvormittag hatten gerade einmal 2.025 Personen den Antrag von NABU unterschrieben.

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