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Zuckersteuer: Warum wir darüber sprechen müssen

25.01.2018, 16:39  |  3869   |   |   

Lebensmittelhändler wollen den Zuckergehalt in den Eigenmarken reduzieren, so das Versprechen von Rewe, Aldi & Co. In anderen Ländern ist man bereits im Kampf gegen zu süße Lebensmittel ein ganzes Stück weiter. Die Zuckersteuer ist nur eine Möglichkeit.

Bereits im Oktober 2016 sorgte eine Forderung der WHO für Aufsehen, denn sie wollte eine Sondersteuer von mindestens 20 Prozent auf zuckerhaltige Getränke. Ziel ist es, den Konsum von süßen Getränken zu reduzieren, denn die leeren Kalorien liefern eigentlich keine nennenswerte Nährstoffe. Während in Deutschland die Diskussion abebbte, haben Frankreich, Ungarn, Finnland und Mexiko die Zuckersteuer eingeführt. In Mexiko ließ sich nachweisen, dass der Absatz von höher besteuerter Cola, Limo und anderen gezuckerten Getränke um durchschnittlich 7,6 Prozent pro Jahr sank, so GEO.

In anderen Teilen der Welt wird die Zuckersteuer zum Politikum. Die lokale Zuckersteuer in Chicago wurde im Dezember 2017, nach nur einem Jahr, wieder abgeschafft. Die Industrieverbände hatten behauptet, dass die Steuer wichtige Arbeitsplätze gefährde. Und auch in Großbritannien muss die Zuckersteuer verteidigt werden, denn gegen die seit 2018 gültige höhere Besteuerung von Softdrinks laufen die Hersteller Sturm.

Und in Deutschland? Bis 1993 gab es eine Zuckersteuer. Ihr Ende hing mit Wettbewerbsverzerrungen auf dem EU-Binnenmarkt zusammen, so die SZ. Die Mediziner im Land fordern einen stärkeren Kampf gegen Übergewicht. Aus medizinischer Sicht spielen die Ernährung aber auch der Zuckerkonsum eine Rolle. Die Krankenkassen halten wenig von einer Steuer auf Zucker, so die FAZ. Zwangsmaßnahmen oder Verbote werden mehrheitlich abgelehnt. Die Zuckersteuer wird als letztes Mittel im Kampf gegen ungesunde Ernährung betrachtet. Strengere Vorschriften zur Kennzeichnung von Lebensmitteln hätten vermutlich eher Erfolg auf Zustimmung. Laut einer Umfrage von YouGov - aus dem Jahr 2016 - meinen zwei Drittel der Befragten (63 Prozent), dass Lebensmittel nicht ausreichend gekennzeichnet sind. Darüber hinaus lehnte die Mehrheit eine Zuckersteuer ab.  

Die FAZ titelte: Lügt die Zuckerindustrie das Süße gesund?. Darin schrieb Jan Grossarth: "(...) die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt den Regierungen schon lange, Steuern zu erheben, um die Gesundheitskassen vor den Folgekosten zu bewahren – etwa für die Behandlung von Karies, Arteriosklerose oder Herzkrankheiten. Die Zuckerindustrie wehrt sich gegen solche Steuern." Fakt ist, dass die Deutschen mehr Zucker zu sich nehmen, als die WHO empfiehlt. Erstaunlich ist auch, dass beim ältesten Naturprodukt die Wissenschaft keine klare Stellung beziehen kann und Politiker lediglich sehen, dass eine Steuer sozial spaltend wirken könnte, da sich Geringverdiener dann weniger süße Produkte leisten können, so Hermann Gröhe (CDU) gegenüber DAZ Online. Das Bündnis 90/Die Grünen glaubt auch nicht an eine Zuckersteuer, sondern an Prävention durch Information. Am Ende bleibt die Ü-Ei-Werbung im Kopf und wie gutgelaunte Kinder den Eltern den Tag erleichtern.     

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Kommentare

Moin. Warum entwickelt man denn dann nicht einfach einen Fetten roten Aufkleber der auf alle Produkte kommt die mehr als einen bestimmten Prozentsatz X, an Zucker haben. Dann braucht es keine Steuer und der Verbraucher ist schnell informiert und kann selbst entscheiden. Macht es dich nicht so kompliziert.

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