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Die Limonandensteuer zeigt in Großbritannien Wirkung, aber bei uns tut sich nichts

27.03.2018, 11:19  |  2803   |   |   

In Großbritannien tritt ab dem 6. April 2018 eine gestaffelte Steuerabgabe auf Limonaden in Kraft, welche einige Experten bereits jetzt einen Erfolg nennen. Zahlreiche Hersteller haben im Vorfeld den Zuckergehalt in den Erfrischungsgetränken massiv reduziert.

Der Getränkekonzern Coca-Cola hat seine Rezepte für einige Erfrischungsgetränke geändert, so The Washington Post. Für Fanta und Sprite reduziert Coca Cola aufgrund der beschlossenen Steuer die Zuckergehalte von 6,9 auf 4,6 beziehungsweise von 6,6 auf 3,3 Gramm je 100 Milliliter. Die Limonaden von San Pellegrino haben in Großbritannien jetzt sogar 40 Prozent weniger Zucker. Nun hat auch das britische Finanzministerium seine erhoffte Einnahmenprognose durch die neue Limonadensteuer fast halbiert.

"Unsere Zuckersteuer ist noch effektiver als erhofft", tweetet George Osborne, der ehemalige Finanzminister. "Das bedeutet weniger Zucker und bessere Gesundheit", fügte er hinzu. Wie Osborne und andere festgestellt haben, ist das Konzept der britischen Limonadensteuer einzigartig. Es geht nicht darum den Konsum zuckerhaltiger Getränke zu senken, sondern die Steuer sollte die Limonaden-Hersteller ermutigen, den Zucker in ihren Produkten zu reduzieren.

Es gibt zwei getrennte Erhebungssätze auf der Grundlage des Gesamtzuckergehalts. Der niedrigere Satz, der für Getränke mit etwa 12 bis 19 Gramm Zucker pro 225 Milliliter gilt, liegt bei etwa 6 Cent. Der höhere Satz, der für Getränke mit mehr als 19 Gramm Zucker pro 225 Milliliter gilt, liegt bei etwa 8 Cent.

In Großbritannien scheint das funktioniert zu haben: Neben Coca-Cola und Nestle UK, die San Pellegrino herstellen, haben regionale Herrsteller für Irn-Bru (ein koffeinhaltiger Softdrink), Lucozade (Energydrink) und der Hersteller Ribena den Gesamtzuckergehalt auf Werte gesenkt, die direkt unter die niedrigste Steuer fallen. Mehrere Unternehmen wie Nichols, der Hersteller der beliebten Brause Vimto, haben ebenfalls damit begonnen, ihre Produktentwicklung sogar auf zuckerarme und zuckerfreie Getränke zu konzentrieren. Und Restaurantketten, einschließlich Pizza Hut, haben ihr Getränkeangebot eingeschränkt, um die neue Steuer zu vermeiden.

Neben dem Zuckergehalt muss es auch um die Kalorien in Süßgetränken gehen. Nach Angaben der Union of European Soft Drink Associations sank der Kaloriengehalt bei Limonaden durchschnittlich zwischen 2000 und 2015 aufgrund freiwilliger Maßnahmen der Industrie um 12 Prozent. Neben Limonaden gibt es weiterhin auch andere stark gesüßte Lebensmittel, so die Kritiker. Fakt ist, die Steuermaßnahmen sind schnellere und am Beispiel Großbritanniens effizientere Mittel, um den Zuckerkonsum zu reduzieren, als Aufklärungskampagnen und staatliche Hilfsprogramme für Menschen, die ihren Zuckerkonsum reduzieren möchten. Weltweit gilt der hohe Zuckerkonsum als ein Risikofaktor nicht nur für Karies, sondern auch für Übergewicht und Typ-2-Diabetes.

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch fordert bereits seit mehreren Jahren eine vergleichbare Steuer für Deutschland. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, nicht mehr als 25 Gramm Zucker pro Tag aufzunehmen. Am meisten Zucker befindet sich laut einer Studie von Foodwatch in den beliebten Energydrinks. Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) lehnte Gespräch über eine mögliche Zuckersteuer bislang ab.

Quellen:

Bloomberg

The Washington Post

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