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Aktien Frankfurt: Anleger ziehen wegen Politkrise in Italien die Reißleine
Foto: Boris Roessler - dpa

Aktien Frankfurt Anleger ziehen wegen Politkrise in Italien die Reißleine

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
29.05.2018, 14:50  |  1021   |   |   

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Sorgen um ein möglicherweise zunehmend EU- und Euro-feindliches Italien haben am Dienstag erheblich zugenommen und die Aktienmärkte belastet. Nach Verlusten bereits zum Wochenauftakt büßte der Dax am Nachmittag weitere 1,11 Prozent auf 12720,51 Punkte ein. Damit verliert der Leitindex immer mehr den Kontakt zur 13 000er-Marke.

Bei Neuwahlen in Italien im Herbst könne der Stimmenanteil der rechtspopulistischen Lega und der Fünf-Sterne-Bewegung zu Lasten der etablierten Kräfte weiter steigen, vermutete Johannes Mayr von der BayernLB. "Zudem könnte ein Wahlkampf noch stärker in Richtung einer kritischen Haltung zu EU und Euro geführt werden", sagte der Anleihenexperte.

"Das Gespenst einer nächsten Euro-Krise macht die Runde", schrieb Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets in einem Kommentar. Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners sprach gar von "ersten Spuren von Panik", vor allem am Anleihenmarkt. Dort setzte sich der Ausverkauf italienischer Staatspapiere fort. Die Rendite zehnjähriger Anleihen stieg auf den höchsten Stand seit fast vier Jahren.

In der zweiten deutschen Börsenreihe ging es ebenfalls abwärts: Der MDax als Index der 50 mittelgroßen Werte verlor 0,92 Prozent auf 26 378,59 Punkte. Das Technologiewerte-Barometer TecDax rutschte um 1,60 Prozent auf 2787,29 Punkte ab. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gab ähnlich stark nach.

Wie so oft bei schlechten Nachrichten aus der Peripherie der Eurozone gaben Bankaktien besonders stark nach. Die Papiere der Deutschen Bank verloren 3,09 Prozent und die der Commerzbank 2,77 Prozent. Beobachtern zufolge drohen hier Verluste der Geldhäuser im Geschäft mit den Anleihen dieser Länder.

Zudem könnte die EZB angesichts der stark steigenden Renditen in der Peripherie der Eurozone Beobachtern zufolge die Normalisierung ihrer Geldpolitik hinauszögern. Damit würde sich die Perspektive steigender Zinsen - von der die Geldhäuser profitieren - ebenfalls zeitlich verschieben. "Das mindert den Anreiz, überhaupt Bankenaktien zu besitzen", sagte Analyst Arnaud Girod vom Investmenthaus Kepler Cheuvreux.

Für Aufsehen sorgten die Papiere von Grammer , die um mehr als 20 Prozent auf 61,70 Euro nach oben schossen. Sie erreichten bei 62,40 Euro ein Rekordhoch. Der chinesische Großaktionär Ningbo Jifeng übernimmt Grammer möglicherweise komplett und bietet insgesamt 61,25 Euro je Aktie. Bislang hält der Investor gut ein Viertel der Aktien. Analyst Peter Rothenaicher von der Baader Bank stufte Grammer daraufhin von "Hold" auf "Buy" hoch und bezeichnete den Übernahmepreis als "ziemlich niedrig". Es gebe "Potenzial für einen deutlich höheren Übernahmepreis".

Papiere der Deutschen Börse lagen mit einem Plus von 0,18 Prozent auf Platz zwei im Dax hinter denen von Vonovia. Die Commerzbank hat Deutsche-Börse-Aktien von "Hold" auf "Buy" erhöht.

Aktien des IT-Dienstleisters Cancom litten unter einer Abstufung auf "Hold" durch die Berenberg Bank und büßten 1,67 Prozent ein. Eine Verkaufsempfehlung der Bank Hauck & Aufhäuser drückte den Kurs des Software-Entwicklers Compugroup um 4,72 Prozent.

Quartalszahlen veröffentlichten der Autovermieter Sixt , die Immobiliengesellschaft Aroundtown Properties und die Beteiligungsgesellschaft Rocket Internet . Während der Kurs von Sixt deutlich nachgab, legten Rocket Internet und von Aroundtown Properties zu.

Am Rentenmarkt brach die Umlaufrendite von 0,24 Prozent am Montag auf 0,06 Prozent regelrecht ein. Der Rentenindex Rex stieg um 0,88 Prozent auf 142,26 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,17 Prozent auf 162,25 Punkte.

Der Eurokurs geriet angesichts der ungewissen politischen lage in Italien erneut unter Druck und notierte zuletzt bei 1,1565 US-Dollar. Das ist der niedrigste Stand seit Juli vergangenen Jahres. Der Dollar kostete damit 0,8647 Euro. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Montag auf 1,1644 Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,8588 Euro gekostet./bek/fba

--- Von Benjamin Krieger, dpa-AFX ---

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