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Geldpolitik Die weißen Tauben fliegen wieder

Gastautor: Markus Richert
18.03.2019, 19:55  |  967   |   |   

„Die weißen Tauben fliegen wieder, der böse Traum kehrt immer wieder…“, als der deutsche Liedermacher Hans Hartz 2010 mit diesem Lied sein Comeback versuchte, hatte er vermutlich nicht die Geldpolitik im Hinterkopf. Allerdings beschreibt diese Liedzeile eine Entwicklung, die kurze Zeit später für viele deutsche Sparer teure Realität werden würde. Denn nach der Finanzkrise übernahmen „Tauben“ die Führung der wichtigsten westlichen Notenbanken.

Seit dem 1. November 2011 ist der Italiener Mario Draghi Präsident der Europäischen Zentralbank. Im Jahr 2014 übernahm die „Taube“ Janet Yellen die Führung der amerikanischen Notenbank. Unter „Tauben“ subsumiert man die Anhänger einer eher expansiven Geldpolitik, das heiß sie agieren eher nachgiebig und befürworten niedrige Zinsen. In der Inflation sehen die Tauben grundsätzlich nichts Negatives und halten sie in gewissen Marktphasen für nützlich. Ihnen gegenüber stehen die „Falken“. Diese stehen für eine restriktive, straffe und energische Geldpolitik, die höhere Zinssätze beibehält, um Inflation zu drosseln. Geldwertstabilität ist eines der wesentlichen Ziele dieser Ausrichtung.

Deutschland war immer Falkenland

Deutschland war geldmarktpolitisch in den letzten Jahrzehnten immer Falkenland. Die Sympathien der Deutschen konnte der Italiener daher nie für sich gewinnen. Gleich in der ersten Sitzung seiner Amtszeit im November 2011 senkte er den Leitzins von 1,5 auf 1,25 Prozent und setzte den Lockerungskurs unbeirrt fort. Seit März 2016 liegt der Satz bei Null. Draghi wird als der „zinslose Präsident“ in die Geschichte eingehen. Er ist der erste EZB-Präsident, der in seiner Amtszeit nie die Zinsen angehoben hat. In diesem Oktober endet turnusgemäß seine Amtszeit. Noch im September letzten Jahres hielt sich die Hoffnung im Markt, dass Draghi auf seiner letzten Sitzung die Leitzinsen anheben würde. Doch nachdem sich wichtige Konjunkturindikatoren deutlich eingetrübt haben, hat sich diese Erwartung längst wieder verflüchtigt. Mittlerweile haben sich jegliche Zinserhöhungsfantasien für das laufende Jahr erledigt. Frühestens für Mitte 2020 rechnen die Investoren erst wieder mit der ersten Zinsanhebung.

Seine Amtszeit wird für die deutschen Sparer teuer

Für die deutschen Sparer wird die Amtszeit von Mario Draghi damit immer mehr zu einem teuren Trauma. Schätzungen gehen davon aus, dass die Deutschen 3,7 Billionen Euro in Form von Bankeinlagen halten. Diese Einlagen werfen kaum noch einen nennenswerten Zins ab. Gleichzeitig steigen die Verbraucherpreise stärker an. Im Februar lag die Jahresteuerungsrate in Deutschland bei 1,6 Prozent. Damit verlieren die Sparer, die ihre Anlagestrategie nicht ändern, unter dem Strich Monat für Monat Geld. Der bevorstehende Führungswechsel bei der EZB wird vermutlich kein Ende der ultralockeren Geldpolitik mit sich bringen. Lange Zeit galt der Bundesbank-Präsident und ausgewiesener „Falke“ Jens Weidmann als potentieller Nachfolger. Mittlerweile gehen Beobachter jedoch davon aus, dass Weidmann als Nachfolger aus dem Rennen ist. Die zweitwichtigste Position innerhalb der EZB ist der Chefvolkswirt. Auch hier steht in diesem Jahr ein Wechsel an. Einziger offizieller Bewerber und damit quasi gesetzt ist der irische Notenbankchef Philip Lane. Er gilt als herausragender Ökonom und wird ebenfalls dem Lager der „Tauben“ zugerechnet. Damit rückt ein Kurswechsel in der Politik der EZB in weite Ferne.

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