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Iran greift US-Basen im Irak an Drohender Nahost-Krieg: Warum es am Ölmarkt bisher ruhig bleibt

08.01.2020, 11:58  |  7133   |   |   

Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran spitzt sich dramatisch zu: Als Vergeltung für die gezielte Tötung des iranischen General Soleimani feuerte das iranische Militär heute Nacht dutzende ballistische Raketen auf US-Stützpunkte im Irak. Die US-Führung will offenbar deeskalieren und stimmt nach dem Angriff überraschend zurückhaltenden Töne an. Der Ölpreis legt unterdessen nur zeitweise stark zu.

US-Präsident Donald Trump twitterte nach dem iranischen Angriff: „Alles ist gut! Raketen wurden aus dem Iran auf zwei Militärbasen im Irak abgefeuert. Die Bewertung von Opfern und Schäden erfolgt jetzt. So weit so gut! Wir haben mit Abstand das mächtigste und am besten ausgestattete Militär der Welt! Ich werde morgen früh eine Erklärung abgeben.“

Richard Grenell, Botschafter der USA in Deutschland, stimmt ebenfalls gemäßigte Töne an. In einem Live-Interview mit der Bild-Zeitung vom Mittwochmorgen erklärte er: „Wir wollen keinen Krieg. Das US-Militär lasse sich jedoch nicht abschrecken“. Und weiter: „US-Präsident Trump wurde gewählt, um Kriege zu beenden. Wir wollen diese Konflikte nicht mehr.“

Daniel Gerlach, Chefredakteur des Nahost-Fachmagazins zenith, sieht trotzdem ein hohes Eskalationspotential in dem Konflikt. Exklusiv gegenüber wallstreet:online erklärte er: „Die Gefahr einer Eskalation ist gleichbleibend hoch. Wir haben es hier auch mit einem Nervenkrieg zu tun, in dem iranische Führung und Trump gleichermaßen zeigen wollen, dass sie zu allem bereit sind, aber nicht der Verursacher eines offenen Krieges sein wollen. Die Amerikaner werden diesen Schlag beantworten und ihrerseits versuchen, die Tötung von Iranern zu vermeiden. Das ist allerdings ein riskantes Spiel. Zugleich spekuliert das routinierte und seit Jahrzehnten im Verteidigungsmodus befindliche iranische Sicherheitsestablishment darauf, dass es die besseren Nerven hat als Trump. Zudem: Die iranische Wirtschaft ist am Boden und hat aus Teherans Sicht nicht mehr viel zu verlieren. Die der USA und ihrer Verbündeten in der Region ist ganz akut in Gefahr.“

CNN berichtet unter Verweis auf US-Militärquellen, dass es bei dem iranischen Angriff keine menschlichen Opfer gegeben habe. Die US-Truppen seien rechtzeitig gewarnt worden und hätten bereits vor dem Einschlag der Raketen Schutzbunker aufgesucht.

Die iranische Nachrichtenagentur ISNA berichtet laut dem Nahost-Experten Daniel Gerlach hingegen, dass bei dem iranischen Angriff 20 US-Amerikaner getötet worden seien. Dies Darstellung decke sich jedoch nicht mit bisherigen amerikanischen Berichten, so Gerlach.

Die Ölpreise legen nach den iranischen Raketenangriffen nur zeitweise stark zu, berichtet die dpa. Am Mittwochmorgen kostet ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 68,58 US-Dollar. Das sind nur 31 Cent mehr als am Vorabend (Stand:07.01.2020, 10:35 Uhr).

Öl (Brent)

Die New York Times (NYT) berichtet heute, dass die globalen Ölpreise nur noch bedingt auf die Spannungen zwischen dem Iran und den USA reagierten. Auf dem globalen Ölmarkt gebe es seit Längerem einen größeren Überschuss. Außerdem hätten sich die USA dank Öl-Fracking unabhängiger von Öl aus der Golfregion gemacht. Die USA seien zudem der weltgrößte Ölproduzent.

Helima Croft, Leiterin der globalen Rohstoffstrategie bei RBC Capital Markets, erklärte gegenüber der NYT: „Öl ist kein gutes Barometer für Konflikte im Nahen Osten mehr. Es reagiert jetzt nur noch, wenn etwas Seismisches passiert.“

Autor: Ferdinand Hammer

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