Lebensart & Kapital Mercedes, BMW, VW, Siemens, Infineon und Co. sind schon im "wahren Asien" – Was Malaysia für Auswanderwillige jetzt bietet

27.05.2020, 18:29  |  20628   |   |   

Wem das feuchtwarme Klima und die ganz andersartige Kultur nicht abschreckt, für den bieten sich interessante Perspektiven in Malaysia. Zudem zeigt sich das südostasiatische Land offen gegenüber Einwanderern. In diesem Smart-Investor-Artikel beschriebt Matthias von Hofen das „wahre Asien" aus Sicht eines Einwanderers.

Die Bevölkerung

Lange warb Malaysia Touristen mit dem Slogan „Malaysia, truly Asia“. Mit gewissem Recht kann das Land durchaus für sich in Anspruch nehmen, das „wahre Asien“ zu sein, wird es doch von drei asiatischen Kulturen geprägt: der malaiischen, der chinesischen und der indischen – damit stellt es einen Mikrokosmos des größten Kontinents der Erde dar. Die Malaien sind meist Moslems, die Chinesen Buddhisten oder Christen und die Inder überwiegend Hindus und Moslems; sie stellen je etwa die Hälfte, ein knappes Viertel resp. etwa acht Prozent der Einwohnerzahl.

Ureinwohner, wie die Dayak, machen etwas über ein Zehntel der Bevölkerung aus und leben vor allem im dünn besiedelten Nord-Borneo, dem Teil der Insel Borneo, der zu Malaysia gehört (der andere Teil gehört zu Indonesien). 80 Prozent der 32 Millionen Einwohner leben jedoch auf der Malaiischen Halbinsel. Malaysia lockt mit einer reichhaltigen Natur: So zählt Nord-Borneo mit seinen großen Regenwaldgebieten zu einem der fünf Gebiete mit der höchsten Artenvielfalt der Erde.

Das politische System: Wahlkönigtum und „Neue Ökonomische Politik“
Malaysia ist ein Wahlkönigtum. Der König wird aus den Reihen der regionalen Sultane jeweils für eine Dauer von fünf Jahren gewählt; politische Entscheidungen fällen allerdings der Premierminister und die Regierung. Premierminister war bis Ende Februar 2020 Mahathir bin Mohamad. Dieser hatte einen inoffiziellen Weltrekord aufgestellt: Mit seinen 95 Lebensjahren war er der älteste Regierungschef der Welt. Die westlichen Staaten bezichtigten Mahathir mehrfach des Antisemitismus.

Beispielsweise behauptete er, „die Juden sind für die asiatische Finanzkrise 1997 verantwortlich“. Sein Nachfolger ist der international wenig bekannte Muhyiddin Yassin. Seit dem 19. Jahrhundert war Malaysia englische Kolonie. In dieser Zeit waren die Engländer in Politik und Verwaltung bestimmend, und im Handel bestand eine Dominanz durch die Chinesen, die sich auch nach der malaiischen Unabhängigkeit fortsetzte. Dies erzeugte große Unzufriedenheit bei den Malaien.

Als Reaktion führte die Regierung im Mai 1969 die „Malaysische Neue Ökonomische Politik“ ein – seitdem werden Malaien und Angehörige der indigenen Völker bei der Vergabe von staatlichen Aufträgen, Studienplätzen und Wohneigentum bevorzugt. Dies führt zum Teil dazu, dass Firmen, die sich in der Hand von Chinesen oder Ausländern befinden, ein malaiisches Unternehmen nur auf dem Papier und gegen eine Provision an einem Auftrag beteiligen.

Wirtschaft

Noch vor wenigen Jahrzehnten dachte der Durchschnittsdeutsche bei Malaysia vor allem an endlose Kautschukplantagen und die Holzindustrie. Mittlerweile ist es aber zu einem Industrieland geworden: Beispielsweise zählt Malaysia zu den führenden asiatischen Herstellern von Halbleitern und elektrotechnischen Erzeugnissen. Doch Rohstoffe bleiben wichtig, wie das Beispiel PETRONAS beweist.

Der Öl- und Gaskonzern gehört zu den 500 größten Unternehmen der Welt. Ein vollkommen neues Geschäftsfeld stellt die Produktion von Lebensmitteln dar, die den islamischen Halal-Standards entsprechen. Malaysia ist hier weltweit führend, und die Halal-Zertifikate genießen in der islamischen Welt einen guten Ruf. Es ist kein Zufall, dass MIHAS, die weltgrößte Messe für Halal-Lebensmittel, im September 2020 bereits zum 17. Mal in der malaysischen Hauptstadt stattfindet: in Kuala Lumpur.

Schon seit vielen Jahren gehört Malaysia mit Wachstumsraten um die sechs Prozent zu den aufstrebenden Ländern Asiens. Das Bruttosozialprodukt liegt bei 11.000 US-Dollar pro Kopf und damit über dem der drei asiatischen Riesen China (9.600), Indonesien (3.900) und Indien (2.100).

Arbeitsmarkt

Die Arbeitslosigkeit beträgt in Malaysia nur drei Prozent. Für ausländische Spezialisten bestehen durchaus Chancen, einen Job zu finden. Zahlreiche deutsche Firmen sind bereits in dem Land tätig: Beispielsweise unterhalten dort Mercedes, BMW und VW ebenso wie Siemens und Infineon Betriebsstätten; aber auch deutsche Mittelständler wie Festo, OSRAM und B. Braun produzieren hier. Das malaysische Arbeitsrecht gilt als recht arbeitnehmerfreundlich, gerade im Hinblick auf den Kündigungsschutz.

Für eine dauerhafte Anstellung braucht ein Arbeitnehmer einen Employment Pass (EP). Dieser hat eine Laufzeit von zwei Jahren, kann aber bei Bedarf verlängert werden. Der Pass muss in einem Onlineverfahren beantragt werden. Darüber hinaus besteht im Zusammenhang mit dem EP die Möglichkeit, eine Aufenthaltserlaubnis für den Ehepartner und Kinder bis zum 18. Lebensjahr zu erlangen.

Steuern

Das Einkommen aus selbstständiger wie auch angestellter Tätigkeit wird in Malaysia mit einem progressiven Steuersatz zwischen null und 28 Prozent besteuert. Ausgaben abzusetzen ist allerdings nur eher beschränkt möglich. Einkommen von Unternehmen mit Betriebsstätte in Malaysia unterliegen der Körperschaftsteuer von derzeit 24 Prozent. Wer in Malaysia investieren will, findet einen interessanten Markt vor.

Khaidir Hairuddin, Direktor für Mittel- und Osteuropa der Malaysian Investment Development Authority, betont: „Malaysia ist Mitglied der ASEAN, der größten Freihandelszone der Welt. Das gut entwickelte Rechtssystem garantiert einen wirksamen Investitionsschutz. Und Investoren in Technologiebranchen profitieren von einer steuerlichen Förderung dieses Sektors.“

Preise

Essen gehen ist in Malaysia relativ günstig – jedoch schwanken die Preise zwischen den Regionen stark. Selbst in den großen Städten ist es allerdings meist kein Problem, ein gutes Essen für unter zehn Euro zu erhalten. Die Mieten sind in Malaysia nicht sehr hoch: So kostet eine Wohnung zwischen 80 und 100 Quadratmeter im Durchschnitt umgerechnet nur etwa 300 bis 400 Euro im Monat. Hairuddin: „Selbst für eine Wohnung mit hohem Standard und zentraler Lage zahlt man nur etwa 800 bis 1.000 Euro.“ Auch die Lebensmittelpreise unterschreiten ihre deutschen Pendants meist etwas. Malaysia ist also ein Land, in dem es sich noch relativ günstig leben lässt – auch in den Städten. Und wer sich mit einer Hütte im Regenwald von Borneo zufriedengibt, lebt natürlich noch etwas günstiger.

Regionen

Das Wirtschaftszentrum Malaysias liegt im Bundesstaat Selangor. Dort befindet sich mit Port Klang auch der größte Seehafen des Landes; die zweitgrößte Stadt, nämlich Subang Jaya, liegt ebenfalls in Selangor. Kuala Lumpur ist Bundesterritorium und hat eine unabhängige Verwaltung. Ein wei-teres wichtiges Wirtschaftszentrum des Landes ist der Bundesstaat Penang mit Schwerpunkt in der elektrotechnischen Industrie, aber auch dem Tourismus. Seit einigen Jahren existiert ein neues Programm unter dem Namen „Malaysia My Second Home“, mit dem Ausländer angelockt werden sollen.

Voraussetzungen sind allerdings ein regelmäßiges Einkommen und ein ausreichendes Vermögen. Sind diese erfüllt, kann ein Aufenthalt von bis zu zehn Jahren bewilligt werden. Sehr vorteilhaft ist es, dass für einen Aufenthalt von bis zu drei Monaten keine Visumspflicht besteht. So können sich Auswanderungswillige in Ruhe das Land ansehen, bevor sie die Entscheidung treffen, ob „Malaysia, truly Asia“ ihr zukünftiger Lebensmittelpunkt werden soll.

Autor: Matthias von Hofen

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(Dieser Artikel aus der Smart Investor-Ausgabe 05/20 bezieht sich auf Daten, die bis zum 17.04.2020 erfasst wurden.)



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