Egbert Prior Wirecard: Das Kartenhaus bricht zusammen

Gastautor: Egbert Prior
24.06.2020, 12:06  |  8487   |   |   

Nach Bekanntwerden der Festnahme von Ex-CEO Markus Braun springt die Aktie am Diens-tag um rund 25% auf 17,50 Euro. Am Donnerstag waren es allerdings noch gut 100 Euro. Was ist Wirecard überhaupt noch wert? Das Eingeständnis einer Luftbuchung in Höhe von 1,9 Milliarden offenbart, daß der Zahlungsdienstleister niemals nennenswert Geld verdient hat. Auch weitere Vorstände und der langjährige Aufsichtsratsvorsitzende Wulf Matthias dürften sich im Visier der Strafverfolgungsbehörden befinden. Letzte Woche war der Konzern an der Börse noch 13 Milliarden wert, aktuell sind es nur noch 2 Milliarden. Das 7%-Aktienpaket von Unternehmensgründer Braun büßte von 900 Millionen auf 140 Millionen ein. Wirecard hat gleich mehrere Baustellen. Nachdem es der Gesellschaft nicht gelang, einen testierten Jahresabschluß 2019 vorzu-legen, haben Banken das Recht, ihre an Wirecard ausgereichten Kredite fällig zu stellen. Es dreht sich um rund 2 Milliarden Euro. Möglicherweise machen die Geldinstitute von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch, das Risiko einer Pleite ist groß. Sie möchten den Skandalkonzern möglicherweise erst einmal weiterführen. Herrschende Meinung ist, daß Wirecard in Teilbereichen weiterhin gute Geschäfte macht. Das kann so sein, muß aber nicht. Schon lange bevor die Öffentlichkeit etwas von den verschwundenden Milliarden erfuhr, galt Wirecard als intrans-parent, im Grunde genommen als eine Black Box. Die ganze Angelegenheit erinnert an einen Skandal am Neuen Markt. Dabei ging es beim Telematik-Spezialisten Comroad auch angeblich um Hightech, am Schluß hatte der CEO und Gründer allerdings 95% des Umsatzes erfunden. Möglicherweise sind die neuesten Erkenntnisse bei Wirecard nur die Spitze eines Eisbergs. Die Ungereimtheiten könnten schon seit Jahren andauern. Das Risiko besteht jetzt, daß Kunden wie Handelskonzerne nichts mit den kri-minellen Machenschaften zu tun haben wollen und abspringen. Wett-bewerber wie der wesentlich größere Zahlungsabwickler Adyen aus den Niederlanden dürften sich freuen. Im großen und ganzen ist der Markt für Online-Zahlungsdienste stark fragmentiert. Es ist anzunehmen, daß große Kunden mehrgleisig fahren und so zwischen den Anbietern wechseln können. Zu den Referenzen zählt Wirecard auch BASF, Fedex oder Ikea. Zu allem Überfluß schwebt über den Aschheimern ein gewaltiges Prozeßrisiko. Das Unternehmen hat Anleger möglicherweise über Jahre massiv getäuscht. Die Höhe eventueller Schadenersatzansprüche könnten auch die Existenz gefährden. Zusammenfassend läßt sich sagen: Die Aktie ist nur noch für Zocker interessant. Ungeachtet einer hohen Volatilität zeigt der Trend in das Reich der penny stocks. Fazit: Der Letzte macht das Licht aus!

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