So tickt die Börse Trump startet Enteignungen

Gastautor: Stephan Heibel
10.08.2020, 13:13  |  2094   |   |   



Nach Huawei zielt US-Präsident Donald Trump nun auf ByteDance, die chinesische Mutter von TikTok, und Tencent, den chinesischen Betreiber von WeChat. Beide Aktien sind gestern eingebrochen. Ich fühle mich in meiner Warnung vor den chinesischen Aktien bestätigt und wiederhole gerne, dass ich die Börsenweisheit "politische Börsen haben kurze Beine" seit langem für obsolet erklärt habe. Wer beim Investieren nur auf wirtschaftliche Kennzahlen schaut, gerät in der neuen Welt der politischen Allmacht unter die Räder.

WeChat ist in China so ziemlich alles, was das Internet bietet: Nicht nur Chatten wie über WhatsApp, sondern auch suchen wie über Google, bezahlen wie über Paypal oder Tickets buchen wie über Ticketmaster bis hin zur Vertragsverwaltung ihres Strom- und Wasserlieferanten. Tencent zeigt offen die gute Beziehung der Unternehmensleitung zur Kommunistischen Partei Chinas. Die politisch verfügte Zensur wird treu umgesetzt. TikTok ist eine ziemlich sinnfreie App, mit der Kinder ohne besondere Interessen ad hoc minuten- bis stundenlang am smartphone gefesselt werden. Wenige Sekunden dauernde Videos mit vermeintlich unglaublichen oder lustigen Inhalten werden abgespielt. Vielleicht bin ich zu alt dafür, um zu verstehen, wie diese App zu den weltweit größten Apps werden konnte.

Google hat aus Protest über die scharfen Zensurvorgaben Chinas das Geschäft im bevölkerungsstärksten Land der Erde eingestellt. Facebook ist in China gesperrt. Amazon hat sein China-Geschäft zusammengestutzt und den Marktplatz für Drittanbieter geschlossen, JD.com und Alibaba dominieren nun den Online-Einzelhandel.

Soweit die Situation. Können wir China vorwerfen, den globalen Tech-Monopolisten auf ihrem Eroberungszug Steine in den Weg zu rollen? Nein, ich hätte mir gewünscht, dass Europa da ebenfalls etwas kreativer ist. Können wir den USA vorwerfen, nun im Gegenzug chinesischen Unternehmen Steine in den Weg zu rollen? Ehrlich gesagt: Nein. Die Methoden sind jedoch sehr fragwürdig: In China bedient man sich gerne der Zensur. Die Freie Meinungsäußerung, die wir im Rest der Welt als Grundrecht verankern, gibt es in China nicht. Somit handelt China konsistent zu den eigenen Regeln. Juristen können China keinen Vorwurf machen. 

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So tickt die Börse Trump startet Enteignungen Von wegen Sommerloch: Es geht rund an den Aktienmärkten. Trump sorgt für Zwangsenteignung chinesischer Firmen, der Konflikt spitzt sich weiter zu. Am Aktienmarkt sieht man das noch gelassen. Die Einzelheiten dazu lesen Sie nachfolgend.

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