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Buchtipp Kritik der intellektuellen Konsum-Verächter

Thomas Hecken, Das Versagen der Intellektuellen. Eine Verteidigung des Konsums gegen seine deutschen Verächter, transcript-Verlag Bielefeld, 247 Seiten.

Intellektuelle haben ein Problem mit dem Konsum. Nicht, dass sie selbst nicht gerne konsumieren würden. Aber diejenigen, die nicht so konsumieren wie sie selbst, verachten sie. Das trifft nicht nur für linke, sondern auch für konservative Intellektuelle zu. Selbst bei liberalen Intellektuellen findet man Konsumverachtung, wenn auch deutlich abgeschwächt.

Einer der einflussreichsten konservativen Intellektuellen in der Nachkriegszeit in Deutschland war Karl Korn, der das FAZ-Feuilleton leitete und bis 1973 einer der Herausgeber der Zeitung war. „Glaubt denn jemand im Ernst“, so fragte er, „man könne sich der modernen Autolebensweise angleichen und dabei ein unverändertes kulturelles Subjekt bleiben? Wer Auto fährt, Radio hört, mit der Regelmäßigkeit, wie früher in europäischen Ländern in die Kirche gegangen wurde, sein Stammkino besucht, Sulfonamide oder Hormonpräparate schluckt und die Fortpflanzung kontrolliert, der ist in seinem Bewusstsein und in seinem gesellschaftlichen Sein verändert.“ (S.37)

Während sich die Mehrheit der Deutschen nach den Schrecken der Diktatur, des Weltkrieges und der entbehrungsreichen Nachkriegszeit über ein größeres Warenangebot freute, witterte Korn die „Barbarei“ des Konsums: „In einer Welt, deren oberstes Gesetz die Befriedigung von Konsumbedürfnissen ist, die den Tod und den Schmerz aus dem menschlichen Bewusstsein verdrängt, nimmt, wie wir alle wissen und erfahren haben, die Unsicherheit doch zu, weil Angst und Leere zunehmen. So fallen Hyperzivilisation und Barbarei schließlich zusammen.“ (S.50).

Korn waren alle Menschen suspekt, ausgenommen Gelehrte, religiöse Menschen, Künstler und Dorfbewohner (S. 49), die nicht in den Prozess der „Vermassung“ einbezogen waren.

Selbst die Ordoliberalen, von denen vielleicht am ehesten eine Verteidigung des Konsums zu erwarten gewesen wäre, gaben sich zunächst konsumkritisch und waren in dieser Hinsicht vor allem „Angehörige ihrer professoralen Zunft“ (S. 60), denen der Massenkonsum – obwohl doch eigentlich Konsequenz und Voraussetzung der florierenden Marktwirtschaft – suspekt war. Eine gewisse Ausnahme war Ludwig Erhard, der den Konsumkritikern entgegenhielt: „Wenn die Damen einen Kuckuck auf ihren Hüten haben wollen, dann sollen sie diesen Kuckuck haben. Ich werde jedenfalls die Produktion von Kuckuck-Hüten nicht verbieten.“ (S.113)

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