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Anlagestrategie Spekulierende Fondsmanager verringern die Rendite

27.06.2014, 13:49  |  1689   |   |   

Die einzigen Methoden, mit denen sich die grundsätzlichen Ziele jeder Vermögensanlage tatsächlich erreichen lassen, sind niedrige Kosten und Diversifikation. Dafür sind ganz bestimmte Fonds das ideale Instrument.

Immer mehr informierte Anleger wenden sich von „aktiv“ verwalteten Investmentfonds ab und bevorzugen stattdessen Indexfonds, die sich darauf beschränken, einen bestimmten Börsenindex „passiv“ abzubilden. Dahinter steht die Einsicht, dass es nur wenigen aktiven Fondsmanagern mit ihrer Spekulation auf einzelne Wertpapiere oder zukünftige Markttrends gelingt, dauerhaft ein besseres Ergebnis als der Markt zu erzielen. Im Gegenteil schneiden die meisten aktiven Verwalter wegen ihrer hohen Kosten sogar schlechter ab als der Marktindex. Da Indexfonds durch ihren Verzicht auf aktive Fondsverwaltung deutlich niedrigere Kosten aufweisen, erzielen sie in der Regel höhere Erträge als die Mehrzahl der aktiv verwalteten Fonds.

Dieser Grund für die zunehmende Beliebtheit von Indexfonds wurde seit Jahrzehnten durch viele Untersuchungen immer wieder bestätigt. Man kann sich aber auch selbst davon überzeugen, da historische Fondsrenditen inzwischen auf vielen Webseiten für jedermann verfügbar sind. Für die Jahre von 2005 bis 2012 haben wir einen solchen Test selbst durchgeführt. Dazu wählten wir alle Publikumsfonds in der Datenbank von Morningstar Deutschland, die zur Morningstar Kategorie „Europa Standardwerte Blend“ (also Aktien europäischer Großunternehmen) gehörten. Wenn es für einen Fonds mehrere Anteilsklassen gab, wählten wir jeweils die erste in der Datenbank aufgeführte Klasse mit thesaurierender Gewinnverwendung (also Gewinneinbehaltung ohne Ausschüttung).

Mit diesen Kriterien erhielten wir eine Stichprobe von insgesamt 75 Aktienfonds, für die es historische Daten für mindestens 10 Jahre gab. Man beachte, dass Fonds, die sich so lange am Markt gehalten haben, schon eine positive Auswahl darstellen, da viele Fonds mit schlechter Performance oft schon nach wenigen Jahren geschlossen oder mit einem anderen Fonds fusioniert werden und deshalb, was genau der Zweck ist, in keiner langfristigen Statistik mehr auftauchen.

Der von Morningstar für diese Fondskategorie verwendete Vergleichsindex ist der MSCI Europe NR, der von 2005 bis 2012 trotz zwischenzeitlicher Finanzkrise eine durchschnittliche jährliche Rendite von 4,0% erzielte. Wie haben die Fonds unserer Stichprobe im Verhältnis zu diesem Index abgeschnitten? Von den 75 untersuchten Fonds erzielten nur 20 (also 27%) eine höhere durchschnittliche jährliche Rendite als der Vergleichsindex, 50 (also 67%) dagegen eine niedrigere. Fünf Fonds, darunter die drei Indexfonds der Stichprobe, erzielten die gleiche Rendite wie der Index. Die Renditen alle anderen Fonds schwankten zwischen +8% und -12% (siehe Schaubild unter http://dii.lu/uploads/charts/de/3A.pdf).

Unser Test bestätigt das Ergebnis vieler anderer langfristiger Ranglisten, dass sich Indexfonds in der Regel im besten Drittel aller Fonds ihrer Vergleichsgruppe befinden. Das bedeutet: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein zufällig ausgesuchter aktiv verwalteter Fonds langfristig schlechter abschneidet als ein vergleichbarer Indexfonds ist ungefähr doppelt so hoch wie die Wahrscheinlichkeit, dass er besser abschneidet. Die meisten aktiven Fondsmanager erhöhen also nicht die Rendite gegenüber dem Marktindex, sondern verringern sie.

Das allein wäre noch kein Problem, wenn die Leistung der besten aktiven Fondsmanager im Vergleich zum Markt wenigstens konstant wäre. Dann könnten Anleger nämlich einfach einen Fondmanager auswählen, der in der Vergangenheit eine höhere Rendite als der Index erzielt hat und darauf vertrauen, dass ihm dies auch in Zukunft gelingen wird. Genau dies tun die meisten Anleger tatsächlich und werden in diesem Verhalten von den Marketingabteilungen der Fondsgesellschaften und von den Finanzmedien mit ihren Ranglisten und Portraits erfolgreicher Fondsmanager kräftig bestärkt. Doch die Anlageergebnisse sind nicht konstant, und deshalb ist die Vorhersagbarkeit zukünftiger überdurchschnittlicher Renditen aktiver Fondsmanager nur eine Illusion.

Dies können wir mit einer Erweiterung unseres einfachen Tests bestätigen. Dazu teilten wir einfach den untersuchten Zeitraum in zwei Vierjahresperioden und erstellten zunächst nur eine Rangliste für die erste Periode von 2005 bis 2008. Auch für diese Teilperiode war die Anzahl der Fonds, die schlechter als der Index abschnitten (46), doppelt so hoch wie die Anzahl der Fonds, die ein besseres Ergebnis als der Index erzielten (23). Sechs Fonds, darunter die drei Indexfonds, erzielten die gleiche Rendite wie der Index. Anschließend untersuchten wir die Rendite aller Fonds in der zweiten Periode von 2009 bis 2012. Von den 23 „guten“ Fonds der ersten Periode erzielten nur 11 auch in der zweiten Periode eine Rendite über dem Index, ebenfalls 11 aber eine Rendite unter dem Index. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein in der Vergangenheit überdurchschnittlicher Fonds auch in der Zukunft eine überdurchschnittliche Rendite liefern würde, war also 50%, genau wie bei einem Münzwurf. Von den 46 „schlechten“ Fonds der ersten Periode erzielten nur 22 auch in der zweiten Periode eine Rendite unter dem Index, aber immerhin 20 eine Rendite über dem Index. Auch hier lag die Wahrscheinlichkeit einer überdurchschnittlichen Rendite also ungefähr bei 50% (siehe Schaubild unter http://dii.lu/uploads/charts/de/3B.pdf).

Das ist eine sehr eindrucksvolle Bestätigung der Einsicht, dass überdurchschnittliche Renditen aktiver Fondsmanager in der Vergangenheit nicht die geringste Aussagekraft für die Zukunft haben. Dieser Hinweis steht zwar aus rechtlichen Gründen im Kleingedruckten aller Marketingmaterialien für Investmentfonds, aber dennoch suggerieren Fondsgesellschaften und Finanzmedien dem Anleger bewusst das Gegenteil, indem sie in der Vergangenheit besonders erfolgreiche Fonds bei der Vermarktung und Berichterstattung in den Vordergrund stellen.

Unser einfacher Test, den im Prinzip jeder Anleger mit Internetanschluss nachvollziehen kann, bestätigt die beiden wesentlichen Einsichten, auf die sich die zunehmende Nachfrage nach Indexfonds stützt:

1.     Die Wahrscheinlichkeit, dass ein aktiv verwalteter Fonds langfristig eine höhere Rendite als ein vergleichbarer Indexfonds erzielt, ist geringer als die Wahrscheinlichkeit, dass er eine niedrigere Rendite erzielt. Indexfonds belegen deshalb in langfristigen Ranglisten meistens einen Platz im obersten Drittel.

2.     Für die verhältnismäßig wenigen aktiv verwalteten Fonds, die in der Vergangenheit eine höhere Rendite als vergleichbare Indexfonds erzielt haben, besteht im Vergleich zu allen anderen Fonds keine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass ihnen dies auch in Zukunft gelingen wird.

Nur unternehmens- oder politiknahe Insider können mit Spekulation auf einzelne Wertpapiere oder kurzfristige Marktentwicklungen systematisch höhere Renditen erzielen als der Markt. Dagegen können normale Anleger mit Spekulation dauerhaft weder ihre Rendite erhöhen noch ihr Risiko verringern. Die einzigen Methoden, mit denen sich diese grundsätzlichen Ziele jeder Vermögensanlage tatsächlich erreichen lassen, sind niedrige Kosten und Diversifikation, und dafür sind Indexfonds das ideale Instrument.

Anleger sollten sich also von der vergeblichen Hoffnung, dass ein aktiver Fondsmanager oder gar sie selbst dauerhaft den Markt schlagen können, endgültig verabschieden und statt dessen nur noch in Indexfonds investieren. Vermögensanlage bedeutet dann nicht mehr, einzelne Wertpapiere oder „gute“ Fonds auszusuchen, oft aufgrund von Tips sogenannter Experten. Die eigentliche Arbeit einer soliden Vermögensverwaltung besteht vielmehr darin, das gesamte Vermögen auf möglichst viele verschiedene Anlageklassen aufzuteilen, für jede Klasse einen geeigneten Indexfonds auzuwählen, und diese einmal festgesetzte Allokation dann eisern durchzuhalten. Fast alle Anleger brauchen für diese drei Schritte die Unterstützung eines Portfolio- oder Fondsmanagers, der genau diesen realistischen Investmentansatz vertritt. In der traditionellen Finanzindustrie werden sie solche Hilfe allerdings kaum finden, sondern eher unter unabhängigen Vermögensverwaltern.

 

 

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