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finanzmarktwelt.de Draghi plant die Revolution

Gastautor: Markus Fugmann
11.03.2015, 11:52  |  2156   |   |   

Von Markus Fugmann, www.finanzmarktwelt.de

 

Das Dogma

EZB Chef Mario Draghi beim World Economic Forum
EZB-Chef Mario Draghi beim World Economic Forum
Foto: World Economic Forum / Wikipedia (CC BY-SA 2.0)

Es gibt Dogmen in der Wirtschaftswissenschaft, die fast älter sind als die Dogmen des Christentums. Dazu zählt der wissenschaftlich nicht fundierte Glaube, dass Staaten nicht pleite gehen können – weil sie ja jederzeit Geld drucken könnten. Übersehen wird dabei, dass das gedruckte Geld nicht glaubwürdig ist, faktisch sich in einem dynamischen Prozess entwertet, wenn der dahinter stehende Staat wirtschaftlich nicht glaubwürdig ist.

Das Dogma, dass Staaaten nicht pleite gehen können, war bisher ein sehr einträgliches Geschäft für die Mächtigen. Warum? Banken kauften Staatsanleihen, müssen dafür kein oder nur sehr wenig Eigenkapital hinterlegen – und können diese Staatsanleihen wiederum für Kredite der Notenbanken hinterlegen. Für die Staaten wiederum bedeutet das, dass es ein Anreizsystem für Banken gibt, Staatsanleihen zu kaufen – was das Schulden-machen erheblich erleichtert und in der Regel auch vergünstigt.

Hinzu kommt, dass der Besitz von Staatsanleihen nicht den sogenannten “Grosskreditregeln” unterworfen ist – sprich die Banken können Staatsanleihen unbegrenzt kaufen, anders als bei allen anderen Assets, deren zu starke Akkumulation als gefährlich gilt, weil sie eine Ballung von Risiken darstellen. Nicht so bei Staatsanleihen. Im Gegenteil: Staatsanleihen gelten als hoch liquide, daher sind Banken nach Basel III sogar verpflichtet einen Anteil davon zu halten, weil die hohe Liquidität – so die Theorie – den Verkauf der Staatsanleihen im Krisen-Fall erleichtert. Das ist eine Lehre aus der Finanzkrise, als durch weitgehend illiquide, daher unverkäufliche Papiere eine Kettenreaktion einsetzte, die nicht mehr zu kontrollieren war.

Draghi läßt untersuchen

Das schöne System, wonach Banken durch den Kauf von vermeintlich risikolosen Staaten finanzieren und die Staaten im Gegenzug faktisch die Banken garantieren, könnte aber nun ins Wanken kommen. Denn gestern hat der Systemrisikorat ESRB, der bei der EZB angesiedelt ist, eine Studie veröffentlicht, die das bisherige System in Frage stellt. Auf 220 Seiten werden die Konsequenzen diskutiert, die entstehen würden, wenn Staatsanleihen nicht mehr als risikolos eingestuft werden würden. Die Studie legt nahe, dass eine Abschaffuung Sinn machen würde, weil die Banken bereits zu viele Staatsanleihen gehortet hätten – und daraus Risiken für das Finanzsystem entstünden. Das Vorwort zu der Studie schrieb Mario Draghi – und der Kernsatz lautet:

“I trust that the report will help to foster a discussion which, in my view, is long overdue”.

Also eine überfällige Diskussion, laut Draghi. Nun muss man wissen, dass Bundesbankchef Weidmann schon lange fordert, die Einstufung “risikolos” bei Staatsanleihen endlich aufzugeben. Und immer wieder am Widerstand Mario Draghis scheiterte (siehe dazu unseren Artikel “Die Wohlstandsillusion: Schneeballsystem Eurozone“).

Warum also soll das etzt plötzlich anders sein? Der Grund liegt auf der Hand: die EZB will Staatsanleihen kaufen im Rahmen ihres QE – und die Märkte treiben die Renditen für Staatsanleihen immer weiter nach unten. Das bedeutet, dass der Kauf für die EZB immer teurer wird – die Banken haben sich massiv eingedeckt in Erwartung eines gigantische großen Käufers, der händeringend Verkäufer sucht. Aber warum sollten die Banken verkaufen? Der Besitz von Staatsanleihen bringt ihnen nur Vorteile – die EZB müssten schon Mondpreise bieten, um die Bnaken zum Verkauf anzuregen. Und genau das fürchtet Mario Draghi und die EZB.

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Kommentare

Haha,nein,nein,wenn mann die Erfolge der Zentralbanken so betrachtet,sind sie allerdings genauso weit entfernt von der "Weltherrschaft",wie der Pinky und der Brain,ich habe aber keinen Zweifel,daß sie es schon morgen früh wieder versuchen werden,wie die beiden putzigen Comicfiguren !
Im Moment gibt mann zwar vor,gut im Futter zu sein,aber währe mann gut im Futter gewesen,warum mutete mann deutschen Rentnern die vermurkste Reform zu,...na weil mann wieder einmal pleite gebonzt hatte,sicher kann mann die Anleihen unlukrativ machen,aber wenn mann Geld braucht,was selbst in der Geschichte Italiens des öfteren vorkam,dann steht mann plötzlich vor dem Problem,daß einem die Gebote fehlen und um es klassisch zu lösen,wird mann dann wohl zähneknirschend bereit sein,einen höheren Zins zu zahlen,um die papierchen loszuwerden,verlassen wir uns ruhig getrost darauf,daß der Plan genauso gut funzt,wie etwa die Schuldenbremse,der Stabilitätspackt,der Euro,das,was vom deutschen Bankwesen noch übrig blieb und wenn da einer behauptet,es ginge auch ganz ohne Zinsen,na klar,einen Blick,auf die letzten Decaden italienischer Politik,...speziell die Aera "Berlusconi",so wird klar,desto schwerer die Zeiten,desto einfallsreicher unsere impulsiven Freunde,da brauchen wir keine neuen Studien,wir wissen sehr gut,was dann immer passiert,wir landen noch! Wird Zeit sich mal mit einem kopfkissen den Allerwertesten zu polstern nur für den Fall,daß wir wieder gewohnt hart aufschlagen.
Das wäre völlig absurd, da es auch Versicherungen, Pensionsfonds treffen würde !!!!


Das wäre tatsächlich die Weltherrschaft der Zentralbanken !!!!



Wo sind wir nur gelandet !!!!!

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