DAX+0,18 % EUR/USD+0,09 % Gold-0,33 % Öl (Brent)-0,32 %

Wohlfahrtsstaat erzieht zur Faulheit Mehr arbeiten und weniger verdienen

Gastautor: Rainer Zitelmann
18.08.2017, 11:11  |  2771   |   |   

Eine aktuelle Bertelsmann-Studie zeigt die Absurdität des Wohlfahrtsstaates: Wer mehr arbeitet, wird im Extremfall sogar dafür durch geringeres Einkommen bestraft.

Das "Handelsblatt" berichtet über eine aktuelle Studie, die das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung durchgeführt hat. Untersucht wurde die sogenannte Grenzbelastung von mehreren Beispielshaushalten. Da ist der Single, der Arbeitslosengeld II bezieht und jährlich bis zu 1200 Euro dazu verdienen darf. Verdient er mehr als 1200 Euro hinzu, dann wird das Arbeitslosengeld für jeden Euro Hinzuverdienst jeweils um 80 Cent reduziert. Es bleiben also nur 20 Prozent von dem, was er darüber hinaus verdient. "Der Wert reduziert sich dann noch weiter mit der zunehmenden Einkommensteuer. Für jährliche Bruttoeinkommen zwischen 14.400 und 17.700 steigt die Grenzbelastung auf 100 Prozent: Jeder hinzuverdiente Euro ist gleich wieder weg."

Wenn Mehrarbeit zu Einbußen von 20 Prozent führt
Ein anderes Beispiel: Eine Familie mit zwei Kindern, bei dem nur ein Ehepartner einen Job hat. Hier gibt es bei einem Einkommen von ca. 28.100 Euro jährlich einen deutlichen Sprung: Ab dieser Grenze entfällt der Kinderzuschlag und die Grenzbelastung steigt sogar auf deutlich über 100 Prozent. Ein höherer Bruttolohn wird zum Minusgeschäft. Im Extremfall kann die Grenzbelastung 120 Prozent betragen, so dass derjenige, der hinzuverdient, am Schluss 20 Prozent weniger in der Tasche hat als wenn er nicht hinzuverdient hätte.

Anreiz für Faulheit oder Schwarzarbeit
Dieses System lädt entweder zur Schwarzarbeit oder zur Faulheit ein. Man kann es doch keinem Menschen verübeln, wenn er es ablehnt, Geld hinzuzuverdienen, dass man ihm ganz oder zum allergrößten Teil wieder wegnimmt. Der Politikerspruch "Leistung muss sich lohnen" wird hier zum Hohn. Ein anderes Problem ist die Schwarzarbeit, gerade bei gering bezahlten Berufen wie etwa Friseuren. Wenn ich als Friseur meinen regulären Job kündige, Sozialleistungen beziehe und nebenher zu Hause einigen Kunden in Schwarzarbeit die Haare schneide, stehe ich wirtschaftlich besser da. Man muss die Ehrlichkeit und den Idealismus von einfachen Menschen bewundern, die nicht so handeln. Aber ein System, dass solche Fehlanreize setzt und zur Faulheit oder Schwarzarbeit erzieht, ist absurd.

Die skandinavische Erfahrung
Untersuchungen in Skandinavien haben gezeigt, dass die Langzeitwirkungen solcher Fehlanreize enorm sind. Diese Wirkungen stellen sich nicht von heute auf morgen ein, sondern oft erst über sehr lange Zeiträume: Kinder sehen bei ihren Eltern, dass sich die Fähigkeit, Sozialleistungen zu erschleichen und den Wohlfahrtsstaat auszunutzen, mehr lohnen als harte Arbeit. In Schweden beispielsweise wurde durch Studien gezeigt, dass sich während der Fußballweltmeisterschaft im Jahre 2002 41 Prozent mehr Menschen krank meldeten als normalerweise! Diese und andere Fakten finden sich in dem ausgezeichneten Buch von Nima Sanandaji, "Debunking Utopia. Exposing the Myth of Nordic Socalism".

Langzeituntersuchungen in Schweden belegten, dass im Laufe von zwei Jahrzehnten die Ansicht, es sei in Ordnung, staatliche Sozialleistungen zu erschleichen, auf die man keinen Anspruch habe, gravierend an Zustimmung gewann. Diese Wandlungen träten, so die skandinavischen Sozialwissenschaftler, langsam ein, oft erst über Generationen. Wenn der Staat die Steuern massiv anhebe und Fehlanreize setze, blieben die Menschen zunächst bei ihrem bisherigen Verhalten, weil sich Normen und Einstellungen nicht so rasch änderten. Aber die Langzeitwirkungen auf das Verhalten der Menschen sind fatal und bleiben sogar bestehen, wenn - wie in Schweden geschehen - der Wohlfahrtsstaat wegen solcher Fehlwirkungen wieder reduziert wird.

Kürzlich erschienen, überall besprochen und beachtet: www.zitelmann-autobiografie.de

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Kommentare

Wie der Autor darauf kommt, dass Schweden 1970 auf Platz 3 der reichsten Länder war wird wohl auch sein Geheimnis bleiben.
Da verbreitet anscheinend wieder jemand Fake News.
Leider kann ich kein schwedisch. Aber die 41% scheinen nur von 2001 auf 2002 zu gelten. Von 2002 auf 2003 gelten die 41% dann aber wohl nicht. Zumindest ist das das einzige sinnvolle Vorkommen der Zahl 41 in dem Paper.
Außerdem bezieht sich das nur auf die Männer und nicht auf Menschen allgemein.
Aber wenn die 41 gemeint sind, dann sollte das eher 4,1% bedeuten. Vielleicht kannst du ja dazu auch mehr sagen.
Es ist immer wieder das gleiche, die Parasiten aus dem Finanzsystem, die in der Gesellschaft
keine Werte erschaffen, wollen noch mehr Regeln erschaffen, für ihre Kleptokratie.
Es ginge ganz einfach: Das Existenzminimun ist frei, man kann vielleicht sogar ein kleines Grundeinkommen zahlen, das zum Überleben aber nicht zum Leben reicht. Und für jedes weitere Einkommen EGAL welcher Art sind z.B. 15% Steuer zu zahlen plus 10% Krankenversicherung. Da weiß der Bürger welche Steuern er zahlen muß und der Staat weiß, wieviel er ausgeben darf! Das Grundeinkommen würde die Arbeitslosenversicherung und die Rentenversicherung abdecken.

Disclaimer

Weitere Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel