Am 19.05. fand die PNE HV, in virtueller Form statt. Wie
unbeliebt so eine HV bei Kleinanlegern, wie anscheinend auch bei
Großanlegern ist, kann man an der Teilnahme erkennen. Zu Beginn
der Vorstandsrede nahmen gerade einmal 26 Aktionäre teil. Zum
Vergleich: eine Woche später fanden sich etwas weiter südlich, in
Ritterhude, 95 Aktionäre zusammen, um an der Energiekontor HV
teilnehmen zu können.
Das Argument, dass man es besonders den auswärtigen Aktionären
ermöglichen möchte, zieht mit Blick auf der Teilnehmerliste
nicht. Von den Großaktionären, waren lediglich die Photon (Morgan
Stanley) und AOC selbst angemeldet. Der Rest über
Stimmrechtsvertreter oder gar nicht anwesend. Sehr geehrter Herr
Wuttke. Die virtuelle HV war und ist ein Farce. Aber wenn man das
Gespräch mit den Aktionären vermeiden möchte, dann veranstaltet
man eine virtuelle HV. Oder ist PNE mittlerweile so klamm, dass
sie sich eine Präsenz HV nicht mehr erlauben kann?
Wie dem auch sei. Das Interesse der Aktionäre war jedenfalls
gering. Dies konnte man auch daran erkennen, dass es neben den
Aktionärsvertretern, SDK und DSW, nur einen Redebeitrag gab. Herr
Wuttke sprach in seinen Vortrag von einem sehr erfolgreichen
Jahr, wenn auch die Betonung auf operativ lag, so frage ich mich,
wie man ein Geschäftsjahr mit einem Ergebnis von -47,4 Mio. € als
sehr erfolgreich bezeichnen kann.
3 solcher sehr erfolgreichen Jahre dürfte die PNE sich wohl nicht
mehr leisten können. Aber vielleicht sehe nur ich das so
kritisch. Kommen wir lieber mal zu den Perspektiven von PNE. Da
man sich aus weiteren Märkten (Kanada und Türkei) zurückziehen
will, bleiben nicht mehr viele Ländermärkte übrig, was aber nicht
unbedingt ein Nachteil sein muss. Von den restlichen
Ländermärkten bezeichnet PNE selbst die Märkte Deutschland, Polen
und Frankreich als die Kernmärkte. Da man offshore komplett
einstellt, nachdem man in Vietnam nicht berücksichtigt wurde und
die Aktivität im Baltikum schon im letzten Jahr eingestampft hat,
verbleiben diese drei vormals genannten Ländermärkte als die, für
den wirtschaftlichen Erfolg, entscheidenden Märkte. Hier
entwickelt sich mittlerweile Polen als zweitwichtigster Markt,
neben Deutschland. PNE erwartet hier in den Jahren 2027 und 2028
jeweils mehr als 100 MW an baureifen Projekten. Da die
restriktiven Abstandsregeln gefallen sind, dürfte es auch
wahrscheinlich sein, dass es so kommt. Mit dem Projekt Legnica
hat man ja schon gezeigt, was in Polen möglich ist (72 MW). Es
ist ein ready to build Projekt und die Erträge daraus fließen in
2026-2028. Frankreich ist aufgrund seiner Auktionsstruktur
interessant, aber sehr schwierig. Hier hat PNE in letzter Zeit
aber einige Erfolge verzeichnen können. Weitere dürften folgen,
wenn auch das Volumen überschaubar bleibt. Trotzdem ist das schon
sehr respektabel, was PNE in Frankreich bisher erzielt hat.
In Deutschland hat man, in diesem Jahr, 179,4 MW an Genehmigungen
(Wind) erzielt. Das ist ein sehr guter Wert. Hier sticht die WKN
besonders hervor.
Diese Projekte dürften in den Jahren 2028 und 2029 in den Betrieb
gehen und je nach Marge zu einem guten Ertrag führen. Im
Solarbereich schwächelt PNE etwas. Hier hat man zeitlich etwas
verschlafen. Dies versucht man durch Realisierung von Speichern
etwas auszugleichen. Neben der Kombination aus Speicher und Solar
(Co – Location) sieht man den Einsatz von Speichern in den
eigenen Umspannwerken als gute Möglichkeit netzdienliche Speicher
zu realisieren. Bei Grauspeicher gibt es aber Probleme mit den
Netzbetreibern. Da PNE gut 30 eigene Umspannwerke besitzt,
dürften hier einige Möglichkeiten vorhanden sein. Hierin sieht
man auch einen Wettbewerbsvorteil.
Auch wenn man den Eigenbestand etwas reduziert hat, durch den
Verkauf des Windparks Bokel, so soll der Eigenbestand weiter
ausgebaut werden. Es könnte aber doch noch zu einem weiteren
Verkauf aus dem Eigenbestand kommen, je nach Marktlage. PNE will
hier flexibel reagieren. Fertige Projekte lassen sich halt
einfacher verkaufen als Projekte, die aktuell in Bau sind.
Aktuell dürfte der Eigenbestand bei ca. 471 MW liegen. 32 % des
Eigenbestandes ist über PPA´s abgesichert. Hier liegen die
Laufzeiten bei 1-10 Jahren, mit Vergütungen im Bereich von 64-90
€/MWh. Die aktuelle Vergütung, aufgrund der Auktionsergebnisse
hält man für sehr anspruchsvoll. PNE geht davon aus, dass man
eine Vergütung von ca. 5,5 Cent/kWh aber noch wirtschaftlich
händeln kann. Hierzu macht man das, was alle Projektierer machen.
Es wird versucht an den Stellschrauben Pachten,
Komponentenhersteller, Turbinenhersteller usw. zu drehen. Dies
dürfte sicherlich in einem überschaubaren Maße gelingen. Nur viel
weiter runter sollte die Vergütung nicht gehen. Fragen bzgl.
politischer Risiken in den Ländermärkten Deutschlan und
Frankreich versucht man damit zu beantworten, dass es EU Gesetze
gibt, die als übergeordnete Regeln zu verstehen sind. Ob das
reicht, wage ich mal zu bezweifeln, gehe aber davon aus, dass PNE
sich den Risiken der rechten Parteien in ihren Ländermärkten
bewusst ist. Auch Fragen zum möglichen Redispatch Vorbehalt und
EEG – Reform versuchte man auszuweichen, mit der Begründung, dass
es ja erst Vorschläge und keine Gesetze sind. Eigentlich schade,
dass man die Probleme, die von Frau Reiche ausgehen können, nicht
klar benennt. Auch ich würde mir wünschen, wenn es nicht so
kommt, wie aktuell geplant, aber wünschen und bekommen sind zwei
paar Schuhe. PNE ist aber schon bewusst, dass die aktuellen
Märkte, besonders in Deutschland sehr herausfordernd sind.
Deswegen will Herr Wuttke die PNE auch schlank, flexibel und agil
aufstellen (Geschäftsbericht 2025 Seite 5, mittlerer 1. Absatz).
Herr Wuttke sieht die PNE jedenfalls auf einen guten Weg. Die
gewünschte Kapitalerhöhung wurde wiederum nicht genehmigt. Das
benötigte Geld versucht man nun mittels einer Anleihe
einzuwerben. Hierbei möchte man auch die Anleihe, die in 2027
fällig wird umtauschen.
Schlussbemerkung: Die finanzielle Lage bleibt bei PNE angespannt,
da keine Kapitalerhöhung möglich ist. Dies bedeutet für den
Eigenbestand, dass dieser vorerst nicht weiter ausgebaut werden
kann, ggf. sogar weiter abgeschmolzen wird. Vieles hängt von der
Margenentwicklung in Deutschland ab, da es weiterhin der
wichtigste Markt ist.
Gute Projekte hat PNE jedenfalls, daran sollte es nicht
scheitern. Wichtig ist, dass PNE die Kurve hin zu einem schlanken
Unternehmen hinbekommt. Frankreich und besonders Polen sind
lukrative Märkte, die sicher ihren Beitrag leisten können.
Inwieweit der Speichermarkt für PNE zu einem weiteren Standbein
wird, hängt viel von den regulatorischen Bedingungen ab. Die sich
hoffentlich in den nächsten Monaten transparenter zeigen werden.
Ich persönlich halte die Aktie, ohne Übernahmefantasie, aktuell
für fundamental zu teuer. Mit Blick auf eine mögliche Übernahme,
geht der aktuelle Preis sicherlich in Ordnung, da man sehr gute
Pipelines in Deutschland, Frankreich und Polen besitzt. Hier wird
es vielleicht in den nächsten Monaten zu einer Entscheidung
kommen, da Morgan Stanley PNE sicher nicht als langfrist
Investment sieht. Ich wünsche allen PNE Aktionären diesbezüglich
viel Glück.
Die Anfertigung des HV Berichts habe ich aus Mitschriften
erstellt. Sollte ich etwas falsch dargestellt oder wichtiges
vergessen haben, so bitte ich um einen Hinweis.
LG fundamental_a