Compleo - voll unter Strom oder E-Mobilität-Rohrkrepierer?

eröffnet am 11.10.20 15:38:19 von
neuester Beitrag 18.01.21 14:18:31 von


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11.10.20 15:38:19
Der Börsengang von Compleo Charging Solutions nimmt Fahrt auf. Seit heute bis zum 19. Oktober können Interessenten die Aktien des Unternehmens aus dem Bereich E-Mobilität zeichnen. Die Erstnotiz soll am 21. Oktober im regulierten Markt (Prime Standard) der Frankfurter Börse erfolgen. Angeboten werden im Rahmen einer Kapitalerhöhung 900.000 Aktien. Weitere bis zu 756.000 Papiere kommen von den Altaktionären. Die Preisspanne beim IPO liegt zwischen 44,00 Euro und 59,00 Euro. Georg Griesemann, Vorstand von Compleo, gibt im Gespräch mit unserer Redaktion tiefe Einblicke in sein Unternehmen. Er erläutert die Zukunftspläne von Compleo und zeigt die verschiedensten Wachstumschancen auf. Die EU kann für eine hohe Dynamik bei der künftigen Nachfrage nach den Produkten von Compleo sorgen. Deutlich macht Griesemann, dass Compleo stark auf die Auslandsexpansion setzt. So soll das Sales-Team in einigen Ländern vergrößert werden. Bei unserem letzten Interview vor wenigen Wochen haben sie sich noch gewunden, die Frage nach einem Börsengang zu beantworten. Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Warum wollen sie Compleo an die Börse führen? Griesemann: Wir sehen auf dem Markt der Ladesäulen für Elektrofahrzeuge eine enorme Dynamik – heute und für die kommenden Jahre. Der politische Wille für eine europaweite Mobilitätswende ist da, die Nachfrage nach Elektroautos nimmt stetig zu und die Automobilhersteller erweitern ihre Angebote um zahlreiche E-Fahrzeuge. Nun muss eine flächendeckende Ladeinfrastruktur geschaffen werden. Derzeit gibt es in der EU rund 175.000 öffentliche Ladepunkte. Bis 2030 werden aufgrund der politischen Ziele der EU mehr als die zehnfache Menge, nämlich 2,2 Millionen öffentliche Ladepunkte benötigt. Das bietet für uns als Pure-Play Technologieanbieter ausgezeichnete Wachstumsmöglichkeiten. Mit dem frischen Kapital aus dem IPO möchten wir unsere Wachstumsstrategie finanzieren und eine emissionsfreie Mobilität ermöglichen. Gleichzeitig ermöglichen wir interessierten Investoren in ein Greentech zu investieren und an unserem geplanten Wachstum zu partizipieren. Das ist aus unserer Sicht eine Win-Win-Situation. Ihr IPO-Vorhaben ist also eine klare Wachstumsstory. Welche Pläne haben sie mit dem frischen Geld? Griesemann: Wir planen eine Kapitalerhöhung durch die Ausgabe von 900.000 neuen Aktien. Bei Platzierung aller Aktien in der Mitte der Preisspanne würde Compleo ein Nettoemissionserlös von rund 43 Millionen Euro zufließen. Dieses Wachstumskapital beabsichtigen wir vor allem in die geplante europäische Expansion zu investieren, unsere Technologieführerschaft durch intensive F&E-Aktivitäten weiter zu stärken und unsere Produktionskapazitäten zu erweitern. Wo wollen sie neue Produktionsanlagen bauen? Griesemann: Derzeit planen wir bis Ende 2020 einen neuen Standort im Raum Dortmund zu finden. Dabei wollen wir aber nicht nur in neue Produktionsanlagen investieren, sondern unsere gesamten Kapazitäten erweitern. Daher schauen wir uns nach einem zentralen oder auch mehreren verschiedenen neuen Standorten für Produktionsanlagen, die Firmenzentrale, Entwicklungszentren und Testeinrichtungen um. Aktuell arbeiten sie im Zwei-Schicht-Betrieb. Ist eine Ausweitung möglich? Griesemann: Mit unserem bestehenden Setup können wir momentan die Nachfrage gut bedienen und auch noch einmal die Schlagzahl erhöhen. Angesichts der zu erwartenden steigenden Nachfrage nach Ladesäulen müssen wir jedoch die Räumlichkeiten und belastbare Strukturen für die Zukunft schaffen. Hierfür ist der Gang an die Börse der erste Schritt. Sie werden mit den eingeworbenen Mitteln aus dem Börsengang auch ihr Produktsortiment erweitern. Was kann da kommen? Griesemann: Unsere Technologie und das bestehende Produktportfolio beabsichtigen wir weiterzuentwickeln und zu erweitern. So entwickeln wir derzeit eine neue Generation der intelligenten Wallbox "Advanced Solo 2.0" mit neuen Features wie beispielsweise zum Aufladen von Firmenwagen in Privathaushalten. Darüber hinaus planen wir die Produktpalette um eine DC 150 kW HPC-Ladestation zu erweitern, die ein ultraschnelles Aufladen auf Parkplätzen in Supermärkten, an Tankstellen oder auf Autobahnen ermöglicht. Aber auch in die Entwicklung neuer Funktionalitäten für das bestehende Produktportfolio wollen wir investieren, um zukünftigen Marktanforderungen in Deutschland und anderen EU-Ländern gerecht zu werden. Wie viel Geld geben sie für die Forschung aus? Griesemann: F&E ist ein wichtiger Baustein für den Unternehmenserfolg von Compleo, da wir uns als Innovationstreiber und Pioniere im Markt immer wieder Wettbewerbsvorteile erarbeiten konnten. Unter anderem war Compleo der erste Anbieter von AC- und DC-Ladestationen, die dem deutschen Eichrecht entsprechen, der erste Anbieter von Ladestationen mit Ad-hoc-Zahlungen über deutsche Giro-/Debitkarten und der erste Anbieter von Ladestationen, die für die Einführung intelligenter Zähler vorbereitet sind. Wir verfügen über 50 Patente, die auf uns angemeldet wurden. In den vergangenen Jahren lag die F&E-Quote gemessen am Umsatz zwischen 10 Prozent und 20 Prozent. Sie stellen Gleichstrom- und Wechselstrom-Ladestationen her. Warum gibt es mit AC- und DC-Ladesäulen überhaupt zwei Varianten? Griesemann: AC bezieht sich auf das Laden mit Wechselstrom, der innerhalb der Fahrzeuge dann in Gleichstrom umgewandelt wird. AC-Ladestationen kommen insbesondere bei Ladevorgängen zum Einsatz, bei denen die Ladegeschwindigkeit kein kritischer Faktor ist. Etwa wenn Sie ihr Fahrzeug bei der Arbeit oder über Nacht zu Hause oder an öffentlichen Ladepunkten aufladen. DC hingegen bezieht sich auf das Laden mit Gleichstrom, wobei der Strom direkt in die Batterie des Elektroautos fließt. Dies erfordert, dass die Ladestation Wechselstrom mit einem Gleichrichter in Gleichstrom umwandelt. Die DC-Ladekapazität ist im Allgemeinen höher als bei AC-Ladestationen und wird daher besonders dann bevorzugt, wenn eine hohe Ladeleistung in kurzer Zeit benötigt wird. Das kann bspw. während kurzer Stopps auf der Autobahn der Fall sein. Sollte sich irgendwann auch Otto Normalverbraucher eine ihrer Ladestationen in die Garage stellen? Griesemann: Aber natürlich, denn wir entwickeln mit der "Advanced Solo 2.0" eine intelligente Wallbox, die für die Anforderungen der Zukunft ausgelegt ist. Hier geht es um die Kommunikation mit anderen Systemen und die intelligente Integration der Ladestationen in eine nachhaltige Energieerzeugung bspw. mit eigener PV-Anlage auf dem eigenen Dach. Für uns ist aber vor allem auch der öffentliche Raum hochinteressant. Derzeit überwiegt in Deutschland noch das Aufladen zu Hause oder am Arbeitsplatz mit einem Anteil von rund 85 Prozent. Je mehr EVs in städtischen Ballungsgebieten eingesetzt werden, wo Menschen keine private Garage oder Parkplatz haben, desto mehr öffentliche oder halböffentliche Ladestationen werden benötigt. Entsprechend rechnen Experten auch damit, dass sich der Markt in der EU hin zu den öffentlichen Optionen und weg von zu Hause verlagern wird. Sie wollen ihre Aktivitäten in der EU ausbauen. Was haben sie vor? Griesemann: Wir haben in den vergangenen 11 Jahren bereits Ladestationen nach Dänemark, die Niederlande, Irland, Großbritannien, Belgien, Norwegen, Österreich, Ungarn, Italien, Tschechien, Schweden, die Schweiz, Israel und Spanien geliefert. In diesen Ländern wollen wir uns weiter stärken. Darüber hinaus wollen wir aber auch in weiteren europäischen Märkten aktiv werden. Aufgrund der regionalen Nähe sowie der Marktreife und des Marktvolumens sind für uns die Benelux-Länder, die Nordics, Frankreich, Italien, die Schweiz, Polen und Österreich potenzielle Zielmärkte. Dabei wollen wir mit Bestandskunden in neuen Märkten aber auch über die Neukundengewinnung weiterwachsen. Daher beabsichtigen wir auch unser Sales-Team in den verschiedenen europäischen Märkten zu vergrößern und unser Serviceangebot durch den Aufbau einer paneuropäischen Serviceplattform zu verbessern. Selektiv können hierbei auch M&A-Aktivitäten eine Option sein. Bleibt es bei der EU-Expansion oder haben sie schon weitere Pläne in den Schubladen? Griesemann: In Europa werden für die kommenden Jahre wesentliche Investitionen in den Ausbau der Ladeinfrastruktur erwartet. In diesem Jahr sind es in Europa etwa 600 Millionen Euro. 2025 sollen es dann jährlich bereits 1,8 Milliarden Euro und 2030 2,9 Milliarden Euro sein. Das bietet für uns ausreichend Potenzial, um auch in den kommenden Jahren dynamisch wachsen zu können. Verdienen sie momentan mehr mit dem Errichten von Ladestationen oder mit den späteren Dienstleistungen? Griesemann: Derzeit erwirtschaften wir noch den ganz wesentlichen Teil unseres Umsatzes mit dem Verkauf der Ladestationen und den damit unmittelbar verbundenen Dienstleistungen. Klassischer Aftersales-Service macht heute noch einen überschaubaren Anteil aus. Das liegt in einem noch recht jungen Markt aber in der Natur der Sache und kann sich mit wachsender Basis installierter Ladestationen in Europa auch perspektivisch ändern. Um E-Autos wirklich attraktiv zu machen, muss sich auch der Ladevorgang beim Stromtanken beschleunigen. Wie wird sich dies künftig entwickeln? Griesemann: Das ist so pauschal nicht richtig. Wie vorhin schon einmal kurz angerissen, unterscheidet man grundsätzlich zwei unterschiedliche Lade-Szenarien: Das Destination Charging und das Opportunity Charging. Ersteres ist bspw. der Fall, wenn man längere Reisen unternimmt und während eines Zwischenstopps auf der Autobahnraststätte die Batterie wieder auflädt. Hier ist tatsächlich Schnelligkeit das entscheidende Kriterium. Im Alltag dominiert jedoch das Opportunity Charging. Dies ist zum Beispiel der Fall beim privaten Aufladen zu Hause, im Büro und am Arbeitsplatz, an gewerblichen Parkplätzen, Einkaufszentren und Tankstellen oder eben auch auf Parkplätzen entlang öffentlicher Straßen oder in öffentlichen Parkhäusern. Hier ist die Ladegeschwindigkeit allerdings nicht entscheidend. Um jedoch eine flächendeckende Ladeinfrastruktur in Deutschland und Europa aufzubauen, braucht es alle Varianten – auch Schnellladelösungen. Deshalb wollen wir ja auch unsere Produktpalette um die HPC-Ladestation erweitern. Wie sieht nun der weitere Fahrplan auf das Börsenparkett aus? Griesemann: Die Zeichnungsfrist dauert vom 09. Oktober 2020 bis einschließlich zum 19. Oktober 2020. Der erste Handelstag im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse ist dann für den 21. Oktober vorgesehen. Und wie sieht es mit dem künftigen Engagement der Alteigentümer aus, werden diese dabei bleiben? Griesemann: Ein klares Ja! Wir sind von den langfristig positiven Perspektiven überzeugt und bereits heute auch im Vorstand und Aufsichtsrat entsprechend an Compleo beteiligt. Alle Altaktionäre werden auch nach dem Börsengang weiterhin signifikant in Compleo investiert bleiben. Dieses Interview ist eine Kooperation von wallstreet-online mit der Redaktion von www.4investors.de.

Im Interview: Compleo: „Wir sind von den langfristig positiven Perspektiven überzeugt“ | wallstreet-online.de - Vollständiger Artikel unter:
https://www.wallstreet-online.de/nachricht/13014662-intervie…
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11.10.20 15:43:35
Für einen zu erwarteten Umsatz von ca. 30 Mio EUR ist die angestrebte Bewertung von 150-200 Mio EUR bereits sehr sportlich. Zudem schreibt man nach wie vor negative Zahlen:

https://ir.compleo-cs.com/unternehmen/finanzkennzahlen

Der Wettbewerb wird im Hardware-Bereich, wo Compleo unterwegs ist, sicherlich noch zunehmen.

Ich bin daher sehr zögerlich, obwohl ich den Wachstumsmarkt E-Mobilität für sehr spannend halte. Ich frage mich, welches Alleinstellungsmerkmal Compleo auszeichnet?
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11.10.20 15:44:39
!
Dieser Beitrag wurde von CloudMOD moderiert. Grund: Kopie aus fremden Medien- bitte nachlesen unter 9.5. Nutzungsbedingungen: "wie zitiere ich richtig"
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11.10.20 18:47:07
Grundsätzlich interessantes Produkt
Objektiv gut finde ist die Eichqualität der Ladesäulen
Nachdenklich macht mich a) die meines Erachtens zu große Spanne des "bookbuilding"
und es überrascht mich, dass zur Zeit offensichtlich die Schnellladesäulen mit geringer Priorität eingestuft werden.
Bin auf weitere Einschätzungen gespannt, wobei ich kein Bilanzversteher bin.
Noch schönes WoE
Tratsch
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11.10.20 21:28:10
Die Frage, die sich mir stellt ist, wie es Compleo hier es in die Profitabilität schaffen möchte. Bei aller technischer Führerschaft wird der Wettbewerb besonders in der Hardware enorm zunehmen. Und nachdem sie sich laut Factsheet (https://ir.compleo-cs.com/fileadmin/user_upload/IR/Downloads…) nur auf diese konzentrieren, werden sie riesen Stückzahlen brauchen. Denke nicht, dass man das aus Dortmund schaffen kann. Meinungen?
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13.10.20 07:57:17
Ich werde mal auf jeden Fall zeichnen, denke der Hype um die ganzen Elektroauto, könnte COMPLEO erstmal nach oben schieben.

Ob wirklich was für die Zukunft draus wird, werden wir dann sehn.
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15.10.20 09:16:21
Im Pre IPO Handel bei Tradegate am oberen Ende der Bookbuilding Spanne taxiert. Das wird wohl kein Zeichnungsgewinn.

https://www.tgsi.trade/?preipo
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15.10.20 22:09:14
Kommt drauf an zu welchem Kurs plaziert wird...

Mal abwarten...
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17.10.20 21:33:32
Zögere zu zeichnen. Das Konzept scheint mir zu wenig disruptiv und der Weg in die Profitabilität unklar. Hat sich hierzu das Management mal geäußert?
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18.10.20 08:20:02
Hi,

die Frage ist natürlich ob die nicht einfach für das ganze zu klein sind,
aber ich finde es ist einen versuch wert.


Für mich ist es mehr das erlebte auf der Strasse sozusagen...

Ich zähl zu den Leuten ohne Auto, aber bin in München sehr viel unterwegs.

Vor 1 Jahr standen alle Ladesäulen immer verweist in der Gegend rum.
Inzwischen gibt es aber deutlich mehr Ladesäulen und es hängen immer
öfters Autos dran. Ob es in München auch welche von Compleo gibt, das
weiß ich nicht, aber ich kann deutlich sehn das es ein Markt ist der schnell
wächst. Ob es reicht damit Geld zu verdienen, steht auf einem ganz anderen
Blatt!

Kann ein Schuß in den Ofen sein, oder ein neuer Hype werden...

Schönen Sonntag

Fortuna3
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