DAX+0,86 % EUR/USD-0,75 % Gold-0,07 % Öl (Brent)0,00 %

Schiffsfonds Investitionen in Schiffe: Für Privatanleger viel zu kompliziert und unsicher

15.02.2018, 14:27  |  663   |   |   

Geschlossene Schiffsfonds boomten in den Nuller-Jahren – bis zur Finanzkrise. Gelohnt haben sie sich für Anleger kaum, doch nun kehrt die Anlageklasse aus der Versenkung zurück. Keine gute Idee, Privatleute sollten die Finger vom Schiffsmarkt und seinen Varianten lassen – meint der Berliner Anwalt Niels Andersen.

Geschlossene Schiffsfonds boomten in den Nuller-Jahren – bis zur Finanzkrise. Gelohnt haben sie sich für Anleger kaum, doch nun kehrt die Anlageklasse aus der Versenkung zurück. Keine gute Idee, Privatleute sollten die Finger vom Schiffsmarkt und seinen Varianten lassen – meint der Berliner Anwalt Niels Andersen.

Der auf Kapitalmarktrecht spezialisierte Rechtsanwalt Niels Andersen rät Privatanlegern von einer Investition in längst geschlossene Schiffsfonds – etwa über den Zweitmarkt – ab. Mangels Nachfrage gibt es auf dem Primärmarkt ohnehin schon seit Jahren kaum noch Angebote und Vertriebsbemühungen: „Privatleute sollten daher auch nicht über den Zweitmarkt oder andere Instrumente in den vermeintlichen ‚Sachwert Schiff’ investieren. Denn die Charterraten – also die Haupteinnahmequelle für Investoren – schwanken dort stark und unterliegen regelmäßigen, turbulenten Zyklen. Allein um diese auszugleichen, ist eine sehr lange Investitionszeit nötig. Doch diese Zeit, in der das Geld nicht verfügbar ist, wird Privatanlegern nicht gewährt. Vielmehr setzen Banken oftmals rigoros und zu Lasten der Investoren ihre eigenen Interessen durch."

Andersen sieht Schiffe als Anlageklasse generell kritisch: „Die Risiken, Mechanismen und die Interessenlage aller Marktteilnehmer – und vor allem der Banken – sind komplex und für Privatanleger nicht überschaubar. Ja in der Regel können sie nicht einmal mitreden und Einfluss ausüben, obwohl es ihr Kapital ist. Die Geschäftsführung und Treuhänder – eigentlich auf Seiten der Investoren zu erwarten – agieren vielfach zu Gunsten der Banken und der Reeder. Die Interessen sind meist völlig gegensätzlich, was der Investor wiederum nicht weiß.“

Containerschiff

Eine Finanzierung oder gar Beteiligung bei einer Restrukturierung ist für Anleger aus Sicht Andersens ebenso schwierig: „Bis vor einiger Zeit wurden auf bestehende Fondsstrukturen – die bereits Fehlkonstruktionen waren – neue Fonds mit neuen Regelungen draufgesetzt. Meist ging damit das Altkapital verloren, zugunsten der Banken und Reedereien. Solche Sanierungskonzepte sind jedoch selten geworden. Nun aber werden die Schiffe aus den alten Fonds herausgeholt. Banken und Reeder – teilweise auch die Fondshäuser selbst – nutzen die sich bessernde Lage an den Märkten und kreieren mit den Schiffen völlig neue Zweckgesellschaften. Die alten Fondsinvestoren verlieren damit alles, und neue Privatinvestoren sollten dort ebenfalls nicht einsteigen.“

Fazit: Die Gemengelage der Marktteilnehmer ist für Privatinvestoren nicht zu überblicken – und läuft ihren Interessen ohnehin zuwider. Investitionen in klassische Schiffsfonds, die es jedoch aktuell kaum gibt, vor allem aber in trickreichen Neuauflagen sollten sie daher komplett vermeiden. Solche Finanzierungsinstrumente stammen eher aus dem Arsenal des Investmentbankings und nutzen nur Dienstleistern, Banken und Reedern.

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Disclaimer

Weitere Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel