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Medigene: Große Aufbruchsstimmung bei zellulären Immuntherapien

Gastautor: w:o Gastbeitrag
16.08.2018, 08:21  |  2110   |   

Immuntherapien sollen innovative und starke Therapieansätze gegen Krebserkrankungen werden. Mit Medigene mischt auch ein deutscher Vertreter in dem Zukunftsmarkt kräftig mit. Bei den Süddeutschen ist jüngst ein neuer Investor eingestiegen. Weitere interessante Nachrichten stehen an: Die Arbeiten im Rahmen der Kooperation mit bluebird bio, eigene klinische Studien mit MDG1011 und auch ein möglicher US-Börsengang sind Themen der nächsten Zeit. Im Interview mit unserer Redaktion stellt sich Medigene-Finanzvorstand Thomas Taapken den Fragen zur Zukunft von Medigene und der Immuntherapien.

Thomas Taapken, CFO Medigene

Medigene hat sich in den letzten vier Jahren seit der Trianta-Akquisition mehr und mehr auf die Entwicklung personalisierter, T-Zell-gerichteter Immuntherapien gegen Krebserkrankungen spezialisiert. Viele Menschen dürften mit Immuntherapien wenig anfangen können. Können Sie kurz erläutern: Wie funktioniert der Ansatz, was sind seine Besonderheiten, Chancen und Risiken?

Taapken: Bei Medigene nutzen wir die Kraft lebender T-Zellen, um die körpereigene Abwehr gegen Krebs zu aktivieren. T-Zellen sind weiße Blutkörperchen, die eine zentrale Rolle im Immunsystem spielen. Sie haben den Auftrag, vom Körper als „fremd“ erkannte Eindringlinge, z.B. Krankheitserreger, zu identifizieren und zu bekämpfen. Doch körpereigene Krebszellen werden von ihnen nicht als „fremd“ erkannt und daher normalerweise nicht angegriffen. Mit unserer TCR-Technologie aktivieren, präparieren und „trainieren“ wir T-Zellen, um solche Tumorzellen gezielt aufzuspüren und zu vernichten. Hierfür rüsten wir die körpereigenen T-Zellen des Patienten mit spezifischen T-Zell-Rezeptoren (TCRs) gegen Erkennungsmuster, sogenannten Antigenen, des Tumors aus. Die modifizierten T-Zellen sind dann in der Lage, Tumorzellen zu entdecken und effizient zu zerstören. Ein weiterer Vorteil dabei sollte sein, dass diese Immunzellen im Patienten in der Regel lange überleben, möglicherweise sogar für den Rest seines Lebens.

Bei dieser gezielten Aktivierung, Stimulation, Stärkung und Verbesserung der Spezifität von T-Zellen handelt es sich um einen hochinnovativen Therapieansatz, der das Ziel verfolgt, eine effektive, langanhaltende Bekämpfung selbst großer und fortgeschrittener Tumore zu ermöglichen.

Medigene ist nicht das einzige Unternehmen, das solche Immuntherapien zur Behandlung von Krebserkrankungen erforscht. Was machen Sie anders als die Konkurrenz?

Taapken: Medigene ist das einzige Unternehmen in Deutschland und gehört zu den wenigen in Europa, die TCR-Therapien entwickeln. Medigenes TCR-Technologie bietet im Vergleich zu anderen TCR-Ansätzen besondere Vorteile: So handelt es sich bei uns um natürlich vorkommende TCRs, die sehr gut charakterisiert und im Vorfeld ausgiebig getestet werden. Auch können wir TCRs gegen unterschiedliche Tumorantigene liefern, von allgemeinen Tumorantigenen bis zu patientenindividuellen, sogenannten Neoantigenen. Dies ist möglich durch unsere automatisierte Hochdurchsatzscreening-Methode, mit der wir T-Zell-Rezeptoren aus gesunden Spendern isolieren, und die aus unserer Sicht einzigartig ist. Durch unsere Plattform-Technologie können wir auch ganz systematisch für verschiedene Bevölkerungsgruppen, die zum Beispiel andere HLA-Typen als das am häufigsten vorkommende HLA-2A aufweisen, relativ schnell maß­geschneiderte TCRs entwickeln. Auch das ist ein großer Wachstumsmarkt.

In den letzten Monaten hat eine andere Zell-Therapie viel von sich reden gemacht. Erstmals wurden so genannte CAR-T-Therapien in den USA zur Vermarktung zugelassen. In Europa und Deutschland werden entsprechende Zulassungen in den nächsten Wochen erwartet. Worin besteht der Unterschied zwischen CAR-Ts und TCR-Ts?

Taapken: In beiden Therapieansätzen, bei CAR-Ts und TCR-Ts, werden T-Zellen mit bestimmten Rezeptoren versehen, um Krebszellen zu erkennen und zu bekämpfen. Bei aller Ähnlichkeit gehen wir aber davon aus, dass TCR-Ts entscheidende Vorteile gegenüber CAR-Ts aufweisen, sowohl was die Breite der Anwendung, als auch was die Sicherheit und möglicherweise die Wirksamkeit betrifft. CAR-Ts können nur Proteine auf der Zelloberfläche erkennen und damit nur ca. 30 Prozent des humanen Proteoms. Ca. 70 Prozent des humanen Proteoms liegen jedoch im Inneren einer Zelle. Diese intrazellulären Proteine können, „kleingebrochen“ als Peptide, von MHC-Molekülen auf der Zelloberfläche den Rezeptoren der T-Zellen präsentiert werden. Die Erkennung zwischen dem MHC-Peptid-Komplex und dem T-Zellrezeptor ist sehr sensibel. Dadurch ergibt sich eine viel breitere Anwendbarkeit von TCR-Ts bei verschiedensten Krebsarten.

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