Sahra Wagenknechts Globalisierungskritik - Seite 2

Gastautor: Rainer Zitelmann
21.05.2020, 12:06  |  2186   |   |   

Die Emotion des Neides, die sich gegen Milliardäre richtet, ist spürbar stärker als die Emotion der Empathie für mehr als eine Milliarde Menschen, die der Armut entronnen sind. Wagenknecht, die - wie alle Linken - dem Nullsummenglauben anhängt, wonach der Reichtum der Reichen auf der Armut der Armen beruht, versteht nicht, dass die Tatsache, dass mehr als eine Milliarde Menschen bitterer Armut entronnen sind und gleichzeitig die Zahl der Milliardäre so stark gestiegen ist wie noch nie, kein Widerspruch ist, sondern nur zwei Seiten einer Medaille. Das eine bedingt das andere, wie das Beispiel Chinas belegt.

Das Beispiel China

Wagenknecht kommt auch auf das Beispiel Chinas zu sprechen: „Chinesische Stadtbewohner haben kaufkraftbereinigt mittlerweile ein höheres Einkommen als die Einwohner Rumäniens, Lettlands oder Litauens. Es geht nicht darum, das chinesische Modell zu glorifizieren. …Aber es hat, statt sich unseren Regeln der Globalisierung zu unterwerfen, einen eigenständigen Weg gefunden, dank dessen das Wachstum schneller verlief und mehr Menschen zugutekam als in jedem anderen Land.“

China als Beispiel für ihre sozialistischen Ideen und für ihre Kritik an der Globalisierung anzuführen, ist geradezu absurd. Denn Chinas Erfolgsweg ist nicht dem Protektionismus zu verdanken, sondern der zunehmenden Öffnung für die Weltwirtschaft, die in den 80er Jahren mit Deng Xiaopings Reformen begann. Deng verstand mehr von Wirtschaft als Wagenknecht, denn er gab damals die Parole aus: „Lasst erst einmal einige reich werden“. Er drängte sukzessive den Staatseinfluss zurück, führte das Privateigentum ein, gab dem Markt mehr Raum, öffnete China für den Welthandel und lobte Menschen, die reich werden wollen. Deng verfolgte genau das gegenteilige Rezept von Wagenknecht, die für mehr Staatseinfluss, mehr Protektionismus und weniger Markt steht.

Wagenknecht beklagt, dass die Zahl der Milliardäre auf der Welt so stark zugenommen habe. Aber sie nahm nirgendwo auf der Welt so stark zu wie in China! Und zugleich nahm die Zahl der Armen in China so stark ab, wie nirgendwo sonst auf der Welt. Vor Beginn der marktwirtschaftlichen Reformen lag die Zahl der extremen Armen in China bei 88 Prozent, heute sind es unter einem Prozent. Damals gab es keinen einzigen Milliardär in China, heute gibt es dort so viele wie in keinem anderen Land der Welt, mit Ausnahme der USA.

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