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Das Märchen von der Herrschaft der Reichen in Amerika

Kaum eine Meinung hört man häufiger als die, dass die Reichen die Politik bestimmen. Die USA gelten als bestes Beispiel dafür, dass in kapitalistischen Ländern die Reichen Wirtschaft und auch die Politik beherrschen.

Dass mit Donald Trump ein Milliardär Präsident wurde, scheint die These zu bestätigen, doch wenn man näher hinschaut, beweist gerade Trumps Wahl das Gegenteil. Selbst Benjamin I. Page und Martin Gilens, die prominentesten Vertreter der These, dass die Politik von Reichen bestimmt werde, räumen in ihrem Buch „Democracy in America?“ ein: „Die meisten Großspender - und die meisten republikanischen Denker und Amtsinhaber - unterstützten andere Kandidaten". Und: "Trumps Positionen standen in direktem Widerspruch zu den Ansichten der wohlhabenden Spender und der wohlhabenden Amerikaner im Allgemeinen.“

Trump war nicht Wunschkandidat der Reichen

Und würden die Reichen die Politik bestimmen, dann hätte Trump die Wahlen 2017 nicht gewonnen, sondern Hillary Clinton. Page und Gilens müssen einräumen: „Der finanziell besser ausgestattete Kandidat verliert manchmal, wie Hillary Clinton.“ Clinton und ihre Verbündeten, einschließlich ihrer gemeinsamen Ausschüsse mit der Demokratischen Partei und der sie unterstützenden Super-PACs, sammelten nach Angaben der Federal Election Commission über den gesamten Zyklus mehr als 1,2 Milliarden Dollar. Trump und seine Verbündeten sammelten etwa 600 Millionen Dollar. Edwards und Bourne konstatieren: "Kein einziger CEO der Fortune 100 spendete bis September 2016 für Trumps Wahlkampagne. Sein Sieg ist nicht auf den Einfluss der Wohlhabenden zurückzuführen, sondern eher auf den Widerstand der Basis gegen die wohlhabenden Eliten an der Küste."

Wenn Geld allein politische Macht kaufen könnte, dann wäre Joe Biden heute nicht Präsident, sondern vielleicht Michael Bloomberg, der zum Zeitpunkt seiner Bewerbung für die Kandidatur der Demokraten laut Forbes mit 61,9 Mrd. Dollar der achtreichste Mann der Welt war. Wohl niemals zuvor in der Geschichte hat ein Kandidat soviel Geld in so kurzer aus eigener Tasche für einen Wahlkampf ausgegeben, nämlich innerhalb von gut drei Monaten rund eine Milliarde Dollar. Das ging aus einem Bericht der Wahlkommission (FEC) zur Finanzierung der Kampagne hervor. Bloomberg hatte seinen Wahlkampf selbst finanziert und keine Spenden angenommen.

Mehr Spenden führen nicht zu besseren Wahlergebnissen

Bloomberg ist bei weitem nicht der einzige Kandidat, dessen Vermögen ihm nicht geholfen hat, bei den Vorwahlen nominiert zu werden. Der Republikaner Steve Forbes gab 69,2 Millionen Dollar aus, um die Nominierungen 1996 und 2000 zu gewinnen, gewann jedoch nur eine Handvoll Delegierte. Im Jahr 2020 gab der Milliardär und Hedgefonds-Manager Tom Steyer 200 Mio. Dollar seines eigenen Vermögens aus und gewann keinen einzigen Delegierten. Bei den GOP-Vorwahlen 2008 gab der wohlhabende Mitt Romney mehr als doppelt so viel aus wie John McCain - viel von seinem eigenen Geld -, aber McCain gewann die Vorwahlen. Die Koch-Brüder wurden von Kapitalismus-Kritikern stets als die gefährlichsten Pro-Kapitalisten dargestellt, aber wie schwer es ist, Geld in Politik umzumünzen, musste David Koch schon 1980 erfahren, als er massiv die Libertäre Partei unterstützte und für sie als Kandidat für den Vizepräsident ins Rennen ging: Er erzielte gerade einmal 1 Prozent der Stimmen.

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Nachrichtenquelle: Rainer Zitelmann
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