Schwache Auslieferungen
Stellantis muss die Lager leeren: Umsatz im 3. Quartal bricht ein
Die Gewinnwarnung im vergangenen Monat war der Warnschuss: Der Autoriese Stellantis hat im dritten Quartal einen signifikanten Umsatzeinbruch erlitten, insbesondere aufgrund von Problemen auf dem wichtigen US-Markt.
- Umsatz von Stellantis im Q3 um 27% gesunken.
- Produktionsdrosselung und Rabattaktionen eingeleitet.
- E-Auto-Strategie und Marktanteilsverlust in China.
- Report: Goldpreis nicht zu stoppen

Der Umsatz des transatlantischen Konzerns, zu dem Marken wie Opel, Jeep, Dodge, Fiat und Chrysler gehören, sank um 27 Prozent auf 33 Milliarden Euro. Analysten hatten eigentlich mit rund 36,6 Milliarden Euro gerechnet, was die enttäuschenden Ergebnisse noch stärker ins Licht rückt.
Hauptursache für den Rückgang sind laut Stellantis geringere Auslieferungen, ungünstige Preisentwicklungen und Währungseffekte. In den USA leiden die Händler unter überfüllten Lagerplätzen, da der Automobilriese trotz schwächelnder Nachfrage die Produktion lange aufrechterhielt. Ein erheblicher Teil dieser Bestände ist auf große SUVs und Pick-ups zurückzuführen – Fahrzeugtypen, die für Stellantis normalerweise besonders profitabel sind.
Um den Druck zu mindern, hat Stellantis-Chef Carlos Tavares die Produktion inzwischen gedrosselt und Rabattaktionen gestartet. Auch die Produktionsverzögerungen in Europa, die auf erhöhte Qualitätsanforderungen zurückzuführen sind, belasten das Unternehmen. Einige wichtige Modelle, deren Einführung eigentlich für dieses Jahr geplant war, werden nun erst mit Verzögerung in die Verkaufsräume gelangen.
Eine strategische Neuausrichtung ist bereits eingeleitet: Stellantis plant, 2023 etwa 20 neue Modelle auf den Markt zu bringen. In Europa sollen zusätzlich rund 200 Händler mit dem Verkauf von Elektroautos des chinesischen Partners Leapmotor beginnen. Doch auf dem E-Automarkt leidet das Unternehmen genau wie die Konkurrenz unter Kaufzurückhaltung der Verbraucher und günstigen Wettbewerbern aus China, die zunehmend Marktanteile gewinnen.
Die Gewinnwarnung vom September, mit der Stellantis seine Jahresprognose senkte, war für die Anleger ein Schock. Sie führte zu einem Personalwechsel auf der Führungsebene: Finanzchefin Natalie Knight musste dem neuen CFO Doug Ostermann weichen, der nun die dringend benötigte Neuausrichtung steuern soll.
Die Aktie von Stellantis, die in diesem Jahr bereits über 42 Prozent an Wert verloren hat, konnte am Donnerstag leicht um 1 Prozent zulegen. Analysten sehen trotz der Talfahrt kein Schnäppchen in der Stellantis-Aktie.
Analysten von Jefferies betonen, dass die Erlöse in Europa um 14 Prozent über den Erwartungen lagen, was einen kleinen Hoffnungsschimmer bietet. Der langjährige Druck auf die europäischen Automobilhersteller dürfte jedoch anhalten, besonders im Vorfeld der ab 2025 greifenden Emissionsvorgaben.
Reuters zitiert Analysten von Citi am Donnerstag, dass sie weiterhin vorsichtig bleiben und "trotz der starken Underperformance in diesem Jahr nur ein geringes Aufwärtspotenzial" sehen. Dafür sehen sie vor allem die schlechte Preissituation und die Konkurrenz aus China verantwortlich.
Stellantis steht vor einem entscheidenden Jahr: Die Umsetzung der Elektrostrategie, die Normalisierung der Bestände und das Wiedererlangen der Rentabilität in den USA werden ausschlaggebend sein, ob das Unternehmen wieder in die Erfolgsspur zurückfindet.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion
Die Stellantis Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Plus von +2,77 % und einem Kurs von 12,52EUR auf Tradegate (31. Oktober 2024, 12:11 Uhr) gehandelt.

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