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Die Wahrheit über das Nazigold !? - 500 Beiträge pro Seite

eröffnet am 06.10.02 15:14:23 von
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06.10.02 15:14:23
Artikel vom 4 Juli, 2001
© 2001 fhi
Erstveröffentlichung

http://www.rewi.hu-berlin.de/online/fhi/seminar/0107hosbach.…

Ulrike Hosbach

Raubgold

Einleitung

1. Der Raub des Goldes
1.2. Die „Goldpolitik“ der Nazis ab 1938
1.3. Der rechtliche Aspekt
1.4. Das Totengold
2. Deutschland, die Schweiz und die Alliierten
2.1. Die Schweiz als Haupthandelspartner Hitlerdeutschlands
2.2. Das „Safehaven“-Programm
3. Die Restitution des Goldes nach 1945
4. Fragen, die offen bleiben
5. Schlussbemerkung



Einleitung

Gold ist oft und von vielen totgesagt worden - auch von Hitler. Insofern ist Arthur Smith durchaus zuzustimmen, wenn er sagt: „It is ironic that at one time several Nazis leaders had ridiculed the use of gold as a standard irrelevant to an autarchy and yet gold was to become Germany’s most important medium of exchange during the war“.1 Mit der Zeit änderte sich, bzw. musste sich die Einstellung der Nazis hinsichtlich ‘Zahlungsmittels’ Gold ändern.

Gold als Zahlungsmittel und Währungsmetall nahm für die politische Führung des Dritten Reiches spätestens seit 1938 kriegswirtschaftliche Dimensionen an, wuchs in die Funktion eines hilfreichen „Kriegsschatzes“, notwendig als intervalutarisches Zahlungsmittel bzw. zu einem allseits verwendbaren Tauschgut. Tauschgut für kriegswichtige Rohstoffe, die nur im Ausland erhältlich waren, wie z.B. Wolfram aus Portugal, Chrom aus der Türkei und Eisenerze aus Schweden, Mangan aus Spanien, Rohöl aus Rumänien und für im Kriegsfalle nicht anderes zu erhaltende Beschaffungen generell, sowie Dienstleistungen, z.B. für den Auslandsnachrichtendienst, für den weltweiten Agenteneinsatz, für den Ankauf von Rundfunksendungen und Pressemeldungen, zur Finanzierung von Überseeoperationen der deutschen Kriegsmarine u.s.w..2

Um Gold für die eben genannte Zwecke einsetzen zu können ‘übernahm’ das Deutsche Reich bereits 1938 den Gold und Devisenbestand Österreichs3 und 1940 wurden die in Prag verbliebenen Goldvorräte der Nationalbank der CSR in ‘Gewahrsam der Reichsbank’ genommen.4 Was die Beschaffung von Gold anbelangte, so nutzte Hitler mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges schließlich auch die Möglichkeit des okkupatorischen Weges und erbeutete damit während der Zeit des NS-Regimes Gold im Wert von etwa 622 Millionen Vorkriegsdollar.5 Wie dies genau vor sich ging und wie dieses Vorgehen gerechtfertigt wurde, wird in Kapitel eins behandelt.

Zuständig für diese ‘Geschäfte’ waren Institutionen und Personen wie die Reichsbank, Diplomaten des Reichsaußenministers Joachim Ribbentrop, die Wirtschaftsressorts, Wehrmacht- und SS-Dienststellen sowie Walter Funk, damaliger Reichswirtschaftminister (seit 1937), Präsident der Deutschen Reichsbank (seit 1939)6. Was die alltäglichen Goldgeschäfte betraf, so war der einflußreichste und kompetenteste Mann unzweifelhaft Vizepräsident Emil Puhl.

Für die Bezahlung der so dringend benötigten Rohstoffe gab es während des Krieges nur zwei Alternativen: Gold und die einzig faktisch konvertible Währung, den Schweizer Franken (die Nachfrage nach Franken stieg ab 1942 stark, seitdem die westlichen Alliierten den Neutralen immer deutlicher machten, daß sie das Raubgold aus deutschen Zahlungen später zurückfordern würden.). Nicht zuletzt diese Tatsache machte die Schweiz zu einem der wichtigsten Verhandlungspartner Hitlerdeutschlands. In Kapitel zwei wird die Stellung der Schweiz als wichtigster neutraler Handlespartner und die Haltung der SNB-Verantwortlichen gegenüber den Goldtransaktionen mit Nazi-Deutschland beschrieben.

Kapitel drei schließlich befasst sich mit der Nachkriegspolitik der Alliierten in Bezug auf das Verhandeln mit den Neutralen in Sachen ‚Raubgold’, dem ‚Aufspüren’, Sammeln und Verteilen des Raubgoldes und den Schwierigkeiten, mit denen sie sich dabei konfrontiert sahen und sehen.


1. Der Raub des Goldes
Bevor im folgenden näher auf der Herkunft des als ‚Deutsch’ deklarierten Raubgoldes eingegangen wird, sollen kurz ein paar Zahlen eine Vorstellung von dem Wert des deutschen Raubgoldes vermitteln. Einen genaueren Überblick bieten die Tabellen im Anhang.


Der Wert des Goldes

Was das Wissen um den damaligen Stellenwert des Goldes betrifft, die Abhängigkeit des Dritten Reiches von der „Golddrehscheibe Schweiz“ und die Menge an Gold, um die es sich handelt, so ist bis heute noch vieles im Unklaren. Für die notwendige Aufarbeitung der Raubgoldproblematik müssen noch etliche (Zentralbank-) Archive der Forschung zugänglich gemacht werden, und zwar nicht nur die der Schweiz, wie Thomas Maissen in einem am 16. November 1996 in der Neuen Züricher Zeitung erschienenen Artikel feststellt.7 Seit dem Ende des Dritten Reiches gehörte dieses Thema zu einem der bestgehüteten Geheimnisse, da selbst Eingeweihte kaum je Rechenschaft über die einzelnen eben genannten Punkte ablegten.

Die Forschungslage ist unzweifelhaft schwierig, da vieles verlorengegangen bzw. noch immer unzugänglich ist. Letztlich sollte es nicht Ziel sein, eine 100%-ige Rückerstattung zu gewährleisten, vielmehr sollte den Betroffenen Gerechtigkeit zuteil werden und die Geschichte so vollständige wie möglich rekonstruiert werden können.

Laut des „Bergier“-Berichts gelangte insgesamt Raubgold in Höhe von $ 562,2 Mio. an die Deutsche Reichsbank. Davon stammten $ 483,2 Mio. von anderen Zentralbanken, in erster Linie von der niederländischen und belgischen Nationalbank, $ 82,0 Mio. von Privatpersonen, wobei das als „Melmer“-Gold8 gekennzeichnete Opfergold „2,9 Mio. ausmachte.9

Aus den streng vertraulichen Papieren der Schweizer Nationalbank und den zuständigen Regierungsämtern geht hervor, daß der Wert des Goldes, das in die Schweiz transferiert wurde, aufgrund des damaligen Goldkurses fast um das Sechsfache unter dem heutigen Kurs lag. Es wird übereinstimmend mit 1,6 Milliarden Schweizer Franken beziffert (laut der unveröffentlichten Einfuhrstatistik der Eidgenössischen Oberzolldirektion sind es sogar 1,7 Milliarden sFr. (386 Mio. $).10 Das entspricht etwa 1.716 Tonnen Gold.

Das Gold der Reichsbank, das während der Kriegsjahre z.B. in die Schweiz gelangte, machte wertmäßig mehr als 63 Prozent der gesamten schweizerischen Warenimporte aus Deutschland aus. Die Goldimporte waren ebenso viele Schweizer Franken wert wie die gesamten schweizerischen Warenimporte aus Frankreich, Großbritannien, Irland, Portugal, Schweden, Spanien und der Türkei zusammen. Aus Deutschland gelangte mehr als dreimal soviel Gold in die Schweiz als aus diesen sieben Ländern insgesamt!11


Die „Goldpolitik“ der Nazis ab 1938

Ein deutsches Dokument, welches 1973 in den Memoiren des ehemaligen Reichsbankdirektors Wilhelm Vocke veröffentlicht wurde, brachte, als es entdeckt wurde, endlich Aufklärung bezüglich der Frage, wie groß die Goldreserven der Deutschen Reichsbank vor dem Krieg gewesen waren. Bei diesem Dokument handelt sich um eine Denkschrift der Reichsbankdirektoren an Hitler persönlich, in der es u. a. heißt: „Gold und Devisenreserven sind bei der Reichsbank nicht mehr vorhanden.“ (7.1.1939). Außerdem stellt diese Schrift fest: „Die Reserven, die aus der Angliederung Österreichs und aus dem Aufruf ausländischer Wertpapiere und inländischer Goldmünzen gebildet waren, sind aufgezehrt

War man heute mit Sicherheit feststellen kann, ist, dass sich die Goldreserven der Deutschen Reichsbank bei Kriegsausbruch, tschechisches und österreichisches Gold inklusive, auf ungefähr 500-600 Mio. Reichsmark beliefen, also auf einen Bruchteil des Goldes, das in den folgenden Jahren in die Schweiz verschoben und an die Schweizerische Nationalbank verkauft werden sollte. Das Gold, das die Nazis dann in der Folgezeit so eifrig vor allen Dingen in die Schweiz schafften, war zum Großteil unrechtmäßig Angeeignetes und diente, wie gesagt, in erster Linie zur Finanzierung der deutschen Kriegsanstrengungen. Die Alliierten nannten es „looted gold“ - „Raubgold“13.

Österreich und Tschechoslowakei

Im März 1938 wurde Österreich ins Dritte Reich eingegliedert. Niemanden in den Direktionsbüros der europäischen Notenbanken war entgangen, dass die Deutsche Reichsbank nach dem ‚Anschluss‘ Österreichs die Österreichische Nationalbank mit ihren Goldreserven schlicht und einfach übernommen hatte und bei der Angliederung der Freien Stadt Danzig im September 1939 mit der dortigen Notenbank und mit der Tschechischen Notenbank im März 1939 nach der Annexion der Tschechoslowakei ebenso verfahren war. Vermutlich fiel den Deutschen dadurch Gold in Höhe von ca. $ 100 Mio. in die Hände.

Die Ausbreitung des Goldfiebers

Mitte Juni 1940, in der Zeit der deutschen Blitzkriege und des französischen Zusammenbruchs, breitete sich das Goldfieber immer mehr aus. In allen bis dahin besetzten Gebieten begann eine rasch organisierte Treibjagd auf Gold, auf Barren, Münzen und Goldschmuck, und ebenfalls auf Devisen. Die „Devisenschutzkommandos“15 durchsuchten Sparkassen, Privatbanken und deren Filialen, beschlagnahmten das Gold in Geschäften und von Privatpersonen etc.16 In Belgien z.B. ist Genaues über diese Operationen bekannt geworden. Dort gab die Nationalbank kurz nach dem Krieg einen Bericht heraus, aus dem hervorging, dass die hohen Behörden des Deutschen Reiches und der Besatzungsmacht schon damals, im Sommer 1940, eine Politik betrieben, die, wie später im Fall des belgischen Goldes, darauf hinauslief, den Anschein völkerrechtlich korrekten Verhaltens zu erwecken. Das Gold, das die Devisenschutzkommandos erbeuteten, wurde zum Beispiel nicht auf dem Wege einer Enteignung in deutsches Eigentum umgewandelt. Es wurde vielmehr den hilflosen Eigentümern unter genauer Beachtung der im Geschäftsverkehr üblichen Regeln abgekauft und gegen eine ordentliche Quittung bar bezahlt. Bezahlt sogar zu Preisen, die zum Beispiel in Frankreich um ungefähr 15% über den Marktpreisen lagen, wenn auch in einer Währung, für die es wenig und immer weniger zu kaufen gab. Schließlich wurde das Gold an die Belgische Nationalbank mit der Weisung abgeführt, es an die Deutsche Reichsbank weiterzuleiten – wogegen unter diesen Umständen ein Einspruch von seiten der belgischen Bankbehörden nicht mehr möglich war. Alles spielte sich in einem „Scheinklima vollkommener Legalität“17 ab.


Das belgische Gold

Das meiste Gold stammte aus Belgien, ca. 223 Mio. $ (siehe Tabelle im Anhang).
Vorwegzunehmen sei, dass das belgische Gold schon vor Hitlers Einmarsch der französischen Nationalbank anvertraut worden war, ebenso 1.208 Kisten ( 57.000 Kilo Gold) der Polnischen Nationalbank sowie 10.000 Kilo Gold, die den Notenbanken Luxemburgs, Lettlands, Litauens, Norwegens und der Tschechoslowakei gehörten. All das Gold war der Banque de France mit dem Auftrag anvertraut worden, es notfalls in Sicherheit zu bringen.18 Als Hitler vor den Toren Frankreichs stand, entschied man sich das Gold an einen sicheren Ort zu bringen. Bei dieser Flucht legte es eine regelrechte ‚Odyssee’ zurück, bis es den Nazis schließlich doch in die Hände fiel. Diese ‚Reise’ soll hier nur kurz umrissen werden19:

Am 18. Juni 1940 trat das Gold seine 10.000 Kilometer lange Reise an. Sie führte zunächst von Europa nach Dakar, von wo aus es mit der Bahn ins Landesinnere nach Kayès gebracht wurde. Weiter ging es durch die Steppen, Savannen und Wüsten Französisch-Westafrikas nach Nordafrika, von dort nach Marseille. Im Mai 1942 macht sich dann schließlich auch die letzte Kiste Gold auf den Weg von Marseille nach Berlin. Die mangelnden Transportmöglichkeiten bewirkten, daß das polnische, ebenfalls in Frankreich deponierte, und das französische Gold weitgehend dem Zugriff Hitlers verwehrt blieben. In Berlin schließlich wurde das dort angekommene Gold eingeschmolzen, umgegossen und umdatiert und damit seine ‘wahre’ Herkunft verschleiert.20

Die Information wo sich das belgische Gold befand, bekamen die Deutschen zum einen vom belgischen König Leopold III. selbst (Belgien hatte am 26. Juni 1940 kapituliert), zum anderen gab es geheimdienstliche Quellen. Ohne zu zögern wandten sich die Deutschen an die französische Vichy-Regierung und verlangte nach genaueren Angaben. Diese Fragen waren aufgrund des am 22. Juni besiegelten deutsch-französischen Waffenstillstandsabkommen, der den Sieg Deutschlands über Frankreich bedeutete, durchaus berechtigt und wurden auch prompt beantwortet. Zur Zeit der ‘Anfrage’ befanden sich die Golddepots der genannten Länder sowie Frankreichs jedoch bereits auf dem afrikanischen Kontinent. Es stellte sich den Reichsbankdirektoren also die Frage, wie man sich am schnellsten und elegantesten dieses Goldes bemächtigen konnte. ‘Ansprechpartner’ waren die Nationalbanken in Paris und Brüssel, die deutsch-französische Waffenstillstandskommission in Wiesbaden und die französische Regierung in Vichy. Der Fakt, daß Deutschland auch nur irgendwelche Rechtsansprüche auf das belgische Gold erhob war jedoch für alle Beteiligten absurd und man wies das Ersuchen der Reichsregierung zurück.21 Anfang September 1940 schlug der Leiter der deutschen Delegation, Johannes Hemmen einen härteren Ton an:
„Wir Deutschen haben Belgien erobert. Jetzt befehlen wir! Alle Rechte, auch die der Belgischen Nationalbank, sind auf uns übergegangen. Das heißt: Ich bin nun als Vertreter der Belgischen Nationalbank ein Kunde der Banque de France, und hiermit beauftrage ich Sie, unser Gold, das wir Ihnen seinerzeit anvertraut haben, in Sicherheit zu bringen. Wollen Sie bitte dafür sorgen, daß es nach Belgien oder wenigstens nach Frankreich überführt wird.“22

Letztendlich erreichten die Deutschen nach zähen Verhandlungen mit Frankreich, die mit der Konferenz am 10. Oktober 1940 in Wiesbaden begonnen hatten, ihr Ziel, in den Besitz des belgischen Goldschatzes zu gelangen. Es war insbesondere die Vichy-Regierung und ihre Politik der Kollaboration, welche den Deutschen schließlich zu dem belgischen Gold verhalf.


Der rechtliche Aspekt

Völkerrechtlich gesehen war die deutsche Forderung unhaltbar aufgrund der schon 1907 verabschiedeten Haager Landkriegsverordnung. Diese Konvention unterscheidet eindeutig zwischen Privateigentum und Staatseigentum. Letzteres kann in einer Kriegssituation durchaus als Kriegsbeute ‘annektiert’ werden, nicht jedoch Privateigentum. Diesem Rechtsgrundsatz folgend hatten sich die Belgische Nationalbank und die Banque de France in weiser Voraussicht schon lange vor dem Kriege als Aktiengesellschaften konstituiert, womit ein Großteil ihres Eigentums zum unantastbaren ‘Privateigentum’ geworden war.

Im Grunde waren die Nationalbank der Schweiz und auch die Reichsbank in Deutschland ähnlich strukturiert. Auch hier lagen die Aktien der zentralen Bank in privaten Händen. Und obwohl der Regierung ein gewisses Kontrollrecht zukam, so hatte das deutsche Bankengesetz vom Jahre 1924 doch ausdrücklich die Unabhängigkeit der Reichsbank von der Reichsregierung bestätigt (die Situation in Deutschland änderte sich natürlich grundlegend mit dem Machtantritt Hitlers).

Die Bedenken des Auslandes, ob Hitler das internationale Recht respektieren würde, waren nur allzu berechtigt in Anbetracht der Unrechtsordnung des Naziregimes mit all den zahlreichen, bereits vor dem Kriege, von Hitler gebrochenen internationalen Verträgen. Natürlich hinterfragte man auch das Eigeninteresse Hitlers, sich an diese internationalen Bestimmungen des Völkerrechts zu halten und zwar im Hinblick auf den Schutz deutscher Kapitalanlagen und anderer wirtschaftlicher Interessen im Ausland oder zu Gunsten der deutschen Kriegsgefangenen, die sich in alliierter Hand befanden.25

Aus ebendiesen und auch anderen Gründen bemühte sich die deutsche Besatzungsmacht, wo immer es möglich war, bei ihren Konfiskationen um ‘Scheinlegalität’. Dafür boten sich grundsätzlich vier Möglichkeiten an:

1. Die erste war, dass man nach entsprechendem Druck bei der Reichsbank Golddepots anderer Nationalbanken angelegt wurden; in solche wurden z.B. - mit Hilfe der BIZ26 - die tschechische Währungsreserve transferiert.

2. Das Gold (von Nationalbanken und von Privaten) musste zwangsgemäß verkauft werden. In Österreich wurde am 23. März 1938 gleich nach dem Anschluss, die ‘Anbotpflicht’ für Gold verkündet; ebenfalls unter Druck wurde das Luxemburger Währungsgold gegen Reichsmark verkauft.

3. Drittens bot sich den Deutschen die Möglichkeit das Gold für ‘Okkupationskosten’ abzubuchen oder als ‘freiwillige Kontribution’ für den Feldzug im Osten einzufordern; dies war insbesondere in den Niederlanden der Fall.

4. Viertens erlaubte die Haager Landkriegsordnung (§ 52) der Siegermacht, über das Eigentum eines besiegten Staates zu verfügen - nicht aber über dasjenige von Privaten. Obwohl Zentralbanken formal meistens als private Aktiengesellschaften konstituiert waren, wurde das belgische Währungsgold unter Berufung auf § 52 requiriert, weil die Nationalbank sich weigerte, Reichsmark dafür zu akzeptieren. Die Schwäche solcher Legitimierung zeigte sich im deutschen Umgang mit dem belgischen Gold: Es wurde eingeschmolzen und mit deutschen Vorkriegsstempeln neu geprägt.

Das Dritte Reich eignete sich somit seit dem Anschluss Österreichs Gold im Wert von etwa 625 Millionen $ Gold aus anderen Ländern an. Das Gold diente teilweise direkt als Zahlungsmittel: So erhielt Rumänien für Erdöllieferungen Gold im Wert von rund 54 Mio. $ und Schweden bekam 1942/43 Gold in Höhe von 23 Mio. $. Gängiger war jedoch der Weg in bzw. über die Schweiz. Dorthin gelangte während des Krieges, wie gesagt, Gold im Wert von ca. 1,716 Mrd. sFr..

Das Totengold

Es gab noch eine weitere „Goldquelle“ der Nazis, welche zwar vergleichsweise geringe Mengen förderte, aber auf ungleich schrecklichere Weise genutzt wurde. Die Deutsche Reichsbank erfüllte die Aufgabe einer zentralen Sammelstelle von Gold und Devisen aus dem persönlichen Vermögen enteigneter Juden sowie ausgebürgerter oder ermordeter Regimegegner des Dritten Reiches. Für dieses Gold wurde bei der Reichsbank eigens ein Konto namens „Melmer“ eingerichtet. Ab Sommer 1942 belieferten deutsche Vernichtungs- und Konzentrationslager die zuständigen Reichsstellen mit Goldzähnen, Eheringen, Schmuck usw. der Ermordeten. Nach Aussagen eines ehemaligen „Zahnziehers“ im KZ Treblinka gingen jede Woche zwei Koffer mit acht bis zehn Kilo Gold hinaus. Das bedeutet, daß jährlich allein aus diesem verhältnismäßig unergiebigen Lager Gold im Wert von ungefähr zwei Millionen Franken kam.28 Das für die Ausbeutung der KZ-Häftlinge verantwortliche Wirtschaft- und Verwaltungshauptamt der SS lieferte seine Beute dann bei der Reichsbank. Die wiederum ließ den Schmuck und das Zahngold bei der Degussa zu Barren umschmelzen.

Es bleibt unklar, wieviel Totengold in die deutsche Goldreserve floss, doch gibt der Goldfund in den Merkers-Minen 1945 zumindest eine Ahnung vom Umfang der SS-Plünderungen der KZ Opfer, doch dazu später noch mehr.

Das eingeschmolzene SS Gold unterschied sich äußerlich nicht von den Goldbarren, die aus Plünderungen der Notenbanken der besetzten europäischen Länder stammten. Ein Teil dieses Totengoldes konnte laut des Eizenstat-Reports jedoch bei der Rückverfolgung der deutschen Kriegsgoldverkäufe an die Schweiz und Italien als solches identifiziert werden.30 Mit diesem Nachweis ergab sich die Schwierigkeit der Trennung von „monetärem“ 31 Gold das nach dem Krieg im sogenannten „Gold-Pool“ der TGC gesammelt und verteilt wurde und dem „nicht-monetären“ Gold, das für die Entschädigung der „nicht-repatriierbaren Opfer des Nationalsozialismus“ vorgesehen war. Darauf wird später noch näher eingegangen.

Deutschland, die Schweiz und die Alliierten

Bevor auf die alliierten Maßnahmen, den Raubgoldhandel zu stoppen, eingegangen wird, soll zunächst die Stellung der Schweiz als neutraler Handelspartner Deutschlands und der Alliierten sowie deren Haltung bezüglich der Raubgoldproblematik während des Zweiten Weltkrieges näher betrachtet werden.

Die Schweiz als Haupthandelspartner Hitlerdeutschlands

„Nicht einmal zwei Monate könnten wir auf die Hilfe der Schweiz bei der Umwandlung von Gold in Devisen verzichten“32 stellte Walter Funk im Juni 1943 fest.

An der Mehrzahl der von deutscher Seite während des Zweiten Weltkriegs getätigten internationalen Goldtransaktionen war die Schweiz beteiligt. 79% aller Goldlieferungen nach dem Ausland wickelte die Reichsbank über die Schweiz ab. Davon entfielen anteilsmäßig 87% auf schweizerische Geschäftsbanken. Die Goldsendungen der Reichsbank an die SNB beliefen sich je nach Berechnung auf insgesamt 1,6 bis 1,7 Mrd. sFr.. Von diesem Betrag erwarb die SNB per Saldo 1,2 Mrd. Franken auf eigene Rechnung; der Rest ging an Depots, die andere Zentralbanken und die BIZ bei der SNB unterhielten. Für solche Transaktionen erhielt die SNB insgesamt 0,29 Promille der Goldwerts.33 Erhebliche Mengen des von der SNB erworbenen Goldes wurde an Drittländer weiterverkauft (siehe Tabelle).

Interessant in diesem Zusammenhang ist es, zu hinterfragen, wie es um das Wissen der Schweiz hinsichtlich der Herkunft des ‚Deutschen Goldes’ stand? Der Verdacht, daß das Gold dieser Transaktionen von den Deutschen requiriert worden war, bestand schon während des Krieges und dies ist auch der Grund, warum die Schweiz immer wieder ins Kreuzfeuer der Kritik geriet.

Wichtige Dokumente zur Goldpolitik der Schweizer Nationalbank in jener Zeit werden im Archiv der Nationalbank aufbewahrt. Der Öffentlichkeit blieb der Zugriff auf diese Akten lange Zeit verwehrt, da für diese eine Sperrfrist von 35 Jahren gilt.34 Die Frist ist inzwischen abgelaufen und somit befassen sich Forscher nun schon seit einiger Zeit mit der Auswertung dieses Materials. Mittlerweile gibt es schon einige Veröffentlichungen, doch ist fraglich ob überhaupt jemals ein Schlussstrich unter dieses Kapitel gezogen werden kann. Auch hat der „Bergier“-Bericht (vom 25.5.1998), benannt nach dem Leiter der internationalen Untersuchungskommission Jean Francois Bergier, mittlerweile einiges Licht in die Frage um das Wissen und die Machenschaften der SNB-Verantwortlichen gebracht. Schon 1941 wussten die SNB-Verantwortlichen demnach, dass Deutschland über Raubgold verfügte. Dieser Sachverhalt war bereits Diskussionsgegenstand bei internen Sitzungen der Bank. Das Direktorium erwog 1942 sogar die Umschmelzung von Goldsendungen aus dem Dritten Reich, weil das Gremium über die Information verfügte, dass in Belgien und den Niederlanden Gold von Privatpersonen konfisziert wurde. 35

Was die Rechtmäßigkeit von Goldtransaktionen mit Deutschland bzw. mit den Alliierten anbelangt, so argwöhnte man diesbezüglich in der Schweiz vom völkerrechtlichen Standpunkt aus gesehen offensichtlich lange Zeit nichts. Die Geschäfte wurden einfach abgewickelt. Dabei schienen die Bankiers der Schweizer Nationalbank ihre Aufgabe eher unpolitisch erfüllt und der Reichsbank gegenüber eine naive Gutgläubigkeit an den Tag gelegt zu haben, also „business as usual“ betrieben zu haben.36 Dies trotz offizieller Warnungen, welche die Alliierten ab Anfang 1943 an die Neutralen richteten. In einem Artikel in der „Financial News“ im Juni 1943 beruft sich der international anerkannten Währungsspezialisten Paul Einzig auf die ‚London Declaration’ vom 5.1.1943: „Under the terms of that declaration, all transfers of the property of conquered countries to owners of different nationality are invalid, even if the property is acquired by purchase, and even if the buyers are neutral. This means that neutral central banks will be called upon to restore to their rightful owners the gold they acquired from Germany during the war. As the Reichsbank’s own gold reserve was very small at the outbreak of the war, and is now about the same, the assumption is that any gold acquired by neutral central banks since September, 1939, is looted gold“37. Diese Warnung war allerdings eine prinzipielle Feststellung, keine ‘praktische’ Erklärung. In der Tat konnten die Alliierten nicht damit rechnen, dass sich am Verhalten der Neutralen durch diese Erklärung irgend etwas ändern würde.

„There was in practice very little the Allies could do to enforce London Declaration without damaging their own economic situation, and prejudicing future relations with the countries concerned.“38

Es drängt sich in diesem Zusammenhang die Frage auf, inwieweit die Vertreter der SNB angesichts solcher Mengen an Gold, das durch ihre Hände ging, ihre Sorgfaltspflicht vernachlässigt haben und so zu „Hehlern der deutschen Kriegswirtschaft“39 wurden.

Am 22. Februar 1944 erließ das amerikanische Schatzamt eine Warnung in Form einer Deklaration, die auch der Schweiz offiziell übermittelt wurde. Das Schatzamt gab bekannt, die Achsenmächte würden ungesetzliche Beschlagnahmungen, insbesondere von Gold, in den besetzten Gebieten vornehmen. „In view of the foregoing facts and considerations, the US formally declares that it does not and will not recognize the transgerence of title to the looted gold which the Axis at any time holds or disposed of in world markets“.

Im Wissen um die problematische Herkunft des Goldes und die diesbezüglichen Warnungen der Alliierten setzten sich Vertreter schweizerischer Banken und Versicherungen trotzdem noch in den letzten Kriegsmonaten für eine fortgesetzte Übernahme von Gold aus Deutschland durch die SNB ein. Seit 1943 versuchten sich die SNB-Verantwortlichen abzusichern und verlangten zumindest Garantien über die einwandfreie Herkunft des Goldes aus deutschen Vorkriegsbeständen. Doch ließen sie sich entweder täuschen oder sahen bereitwillig von einer eingehenden Prüfung ab. Während und auch nach dem Krieg argumentierten sie dahingehend, dass sie das Gold aus Deutschland im guten Glauben an dessen einwandfreie Herkunft erworben hätten, außerdem hätten neutralitätspolitische Verpflichtungen eine Rolle gespielt. Diese Argumente sind allerdings nicht besonders stichhaltig, da eine neutrale Macht keine Verpflichtung hat, wissentlich Raubgold anzunehmen. Man kann nicht wirklich behaupten, daß die SNB Gold unterschlagen hat, auf jeden Fall aber hat sie, gewollt oder ungewollt, als Hehler fungiert. Nach Alternativen in der Goldpolitik wurde in der Schweiz im Unterschied zu anderen neutralen Ländern kaum gesucht. Das Gewinnmotiv spielt als handlungsleitender Beweggrund bei den Goldgeschäften der SNB mit Deutschland wohl noch keine Rolle. Allerdings war dies der Fall bei der Verwertung des erworbenen Goldes durch den Verkauf an Dritte wie der „Bergier“-Bericht feststellt.

Das Thema der Goldtransaktionen im Krieg ist mit anderen historischen Fragestellungen verknüpft. Deshalb ist es notwenig, das Problem der Goldübernahmen Deutschlands im erweiterten Rahmen der außenwirtschaftlichen Beziehungen, der Handelspolitik sowie der allgemeinen wirtschaftlichen und politischen Vorgänge der Zeit des Zweiten Weltkriegs näher zu untersuchen.

Das „Safehaven“-Programm

Wie gesagt gab es seitens der USA schon 1943 eine Erklärung dahingehend, dass diejenigen, die von den Geschäften mit Raubgold profitiert haben, Rechenschaft darüber ablegen werden müssen.42 Denn als sich das Kräfteverhältnis sowohl an der Ostfront mit dem sowjetischen Sieg bei der Schlacht um Stalingrad 1943 wie auch an der Westfront mit der D-Day Invasion im Sommer 1944 entscheidend zugunsten der Alliierten verschob, änderte sich auch die Stossrichtung des Wirtschaftskrieges gegen Deutschland. Die Alliierten hielten zwar am Hauptziel, das Naziregime zu blockieren und zu besiegen, fest, konzentrierten sich aber mehr und mehr darauf, den Feind daran zu hindern, seine Ressourcen außer Landes zu bringen. Leider konnten die Ziele des „Savehaven“-Programms“43 unter amerikanischer Führung aufgrund von Meinungsverschiedenheiten der amerikanischen Regierungsstellen nicht gänzlich verwirklicht werden. So unter anderem die Lösung der Frage inwieweit wirtschaftlicher Druck auf die Schweiz und andere neutrale Länder ausgeübt werden sollte, um sie zur Beteiligung am Programm zu zwingen. Das „Safehaven“-Programm wurde formell 1944 in Zusammenhang mit der Währungs- und Finanzkonferenz der Vereinten Nationen in Bretton Woods lanciert. Die Konferenz verabschiedete die Resolution VI, die die neutralen Länder dazu aufforderte, mittels Sofortmassnahmen jede Verfügung, Verschiebung oder Verschleierung des Raubgoldes oder anderer gestohlener Werte aus den besetzten Ländern Europas zu verhindern. Die Resolution VI wurde bald zum Eckstein des alliierten „Safehaven“-Programms in bezug auf die neutralen Länder.

Bürokratische Streitigkeiten führten zu einer schleppenden Verhandlungen mit den Neutralen. Als sich jedoch mit immer größerer Sicherheit der Sieg der alliierten Streitkräfte abzuzeichnen begann, überzeugte dies auch die meisten Neutralen, ihren Handel mit Deutschland einzuschränken oder einzustellen und die Ziele des „Safehaven“-Programms zu erfüllen. Wenngleich nicht alle seine Ziele verwirklicht werden konnten, so bereitete es doch auf alle Fälle den Boden für die Nachkriegsbemühungen der Alliierten um Restitution und Reparationszahlungen. Schließlich erlaubte es den Vereinigten Staaten und Großbritannien Einblick in die Kriegswirtschaft der neutralen Länder zu nehmen.

Die Restitution des Goldes nach 1945

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges ergaben sich eine Vielzahl von Herausforderungen für die Alliierten. Wiedergutmachung, Restitution und der Wiederaufbau des kriegsverwüsteten Europa standen mit ganz oben auf der Liste.

Die Konferenz von Potsdam (17. Juli - 2. August 1945)

Auf der Konferenz von Potsdam einigten sich Truman, Churchill und Attlee (Stalin hatte auf Goldreparationen verzichtet) über ein gemeinsames Vorgehen hinsichtlich der Verfügung über das „monetäre“ Gold in Deutschland. Auch bezüglich des Goldes, das Deutschland im Ausland zur Kriegsfinanzierung verkauft hatte, war man sich einig. So wurde der amerikanische Vorschlag einen „Goldtopf“ zu errichten, in dem die Alliierten sämtliches „monetäres“ Raubgold aus Deutschland und den neutralen Ländern sammeln würden, angenommen.

Der auf diese Weise zustande kommende Betrag sollte dann an diejenigen Länder verteilt werden, deren Notbankbestände während des Krieges geplündert worden waren.

Die Pariser Konferenz

Auf der Pariser Konferenz über Reparationsfragen im November und Dezember 1945 mit ihren 18 Teilnehmerstaaten einigten sich die Alliierten auf eine detailliertere Politik auf der Grundlage der Potsdamer Beschlüsse zur Sammlung und Verteilung des „monetären“ Raubgoldes in den neutralen Ländern. Man bestätigte das Konzept des Goldpools, und die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich übernahmen die Verantwortung für die Verwaltung der Mittel und die Verteilung der Erträge innerhalb der sogenannten Tripartite Gold Commission (TGC). Auf der Pariser Konferenz von 1945 wurde unter anderem auch die Inter-Alliied Reparation Agency (IARA)47 gebildet.

Ziel der TGC sollte es sein, den Goldtopf den Verlusten entsprechend auf die geplünderten Zentralbanken aufzuteilen. Außerdem wurde beschlossen einen Fonds zu schaffen, der mit 25 Millionen $ dotiert war und der Unterstützung von „nicht-rückführbaren“ Personen dienen sollte. Präsident Truman setzte sich vehement dafür ein, dass dieser Fonds aus dem nichtmonetären Gold geschaffen werden sollte, welches die Alliierten Besatzungsmächte in Deutschland finden würden.

Die TGC

Im Auftrag der IARA führten die drei Westmächte (USA, Großbritannien und Frankreich) ab 1946 die Verhandlungen um die Rückerstattung mit den Neutralen. Diese zuständige ‘Institution’ nannte sich Tripartite Commission for Restitution of Monetary Gold (TGC). Sie wurde, wie gesagt, im September 1946 im Rahmen der Pariser Reparations-Konferenz gegründet und wurde als von der IARA ‘unabhängig’ erklärt.48 Die Kommission operierte von Anfang an unter höchster Geheimhaltung. Aufgabe der TGC war es, die Forderungen von Regierungen auf Rückgabe von „monetärem“ Raubgold, das in Deutschland entdeckt oder von den Alliierten in den Verhandlungen mit den Neutralen erworben wurde, zu überprüfen und über seine Verwendung zu befinden. Sie hatte sicherzustellen, das jedes anspruchsberechtigtes Land proportional zu den erlittenen Verlusten an „monetärem“ Gold aus dem Goldpool entschädigt wurden.

Das Washingtoner Abkommen (25. Mai 1946)

Im Abkommen von Washington vom 25. Mai 1946 zwischen der Schweiz und den Regierungen von Frankreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten übernahm die Schweiz die Verpflichtung, den drei alliierten Regierungen einen Betrag von 250 Millionen Schweizer Franken (58,1 Mio. $) zur Verfügung zu stellen. Die alliierten Regierungen erklärten ihrerseits, dass sie mit der Annahme dieses Betrages auf alle Ansprüche gegenüber der schweizerischen Regierung oder der Schweizerischen Nationalbank verzichten, die sich auf das von der Schweiz während des Krieges von Deutschland erworbene Gold beziehen. Damit sollten alle auf dieses Gold bezüglichen Fragen ihre Erledigung finden.

Rechtlich gesehen, so die Argumentation der Schweizer Nationalbank, hätten die Alliierten keinen Anspruch auf die Eigentumsübertragung der deutschen Guthaben, einmal wegen des Haager Abkommens, und außerdem, weil es zweifelhaft sei, ob die effektive Besetzung des deutschen Gebietes durch die Alliierten rechtliche Auswirkungen außerhalb der deutschen Grenzen haben dürfte. Die Schweiz beharrte zunächst auf ihrer Auslegung des Völkerrechts und weigerte sich schlicht, die alliierten Forderungen auf deutsche Guthaben und „monetäres“ Gold in der Schweiz anzuerkennen. Auch den Alliierten war bewußt, dass die rechtliche Basis ihres Anspruchs gemäss Völkerrecht eine recht unsichere war. „Further, while it was known that a lot of gold had been lootet, it was not clear how much was actually considered stolen. Some of the gold plundered by the Nazis fell into a gray legal area during the war, citing Czechoslovakia as an example. Because Czechislovakia ‚agreed‘ to be annexed, this transaction was seen as legl, not only by Switzerland, but also by the UK“51.Diese, aber auch andere Überlegungen, z.B. das Interesse an einer Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen mit der Schweiz, sowie dem Wunsch, das verwüstete Europa wieder aufzubauen, führten dazu, daß man auf das Angebot der Schweiz einging. Man sprach sich für die Annahme des Schweizer Vorschlags und gegen vermehrten Druck auf die Schweiz aus. Am 26. Mai 1945 wurde der Vertrag unterzeichnet. Mitausschlaggebend für die Einwilligung der Schweiz die 250 Millionen Franken zu zahlen, war also die Tatsache (was von den Alliierten auch immer betont wurde), dass die sie als eines der wenigen europäischen Länder vom Krieg verschont worden war. Sie musste sich deshalb an Maßnahmen beteiligen, die der Wiedergutmachung von Schäden dienten, die durch deutsche Angriffe angerichtet worden waren. Bezüglich des „monetären“ Goldes wich der ausgehandelte Betrag allerdings stark von den Schätzungen des State Department und des Finanzministeriums ab, die von $ 185 bis $ 289 Millionen Raubgold ausgingen. Er wich auch ab von den nachgewiesenen $ 200 Millionen, vorgelegt von den Alliierten bei Beginn der Verhandlungen mit der Schweiz.52 Laut des Eizenstat-Reports muss man wohl davon ausgehen, dass weit weniger von den Schweizern zurückerstattet wurde, als die Menge die das gesamte, in die Schweiz transferierte Raubgold ausmachte.

Schon während des Krieges waren amerikanische Politiker daran interessiert, von der schweizerischen Neutralität zu profitieren. Die Schweiz hatte jedoch die eine oder andere Wirtschaftsforderung zeitweise einfach abgelehnt. In der Nachkriegszeit wollte man es sich dagegen mit den neutralen Ländern nicht verscherzen. Das Interesse an einer Zusammenarbeit hatte nämlich eine andere Zielrichtung. Es bestand die Notwendigkeit, den Sozialismus einzudämmen. Deshalb wurde hinsichtlich des Verhaltens der neutralen Länder während des Krieges Nachsicht geübt, gerade bezüglich der ungelösten Restitutionsfragen und der Erkenntnisse aus dem „Savehaven“-Programm.

Das alles verringerte allerdings die Führungsrolle, die Amerika in diesem Bereich während des Krieges eingenommen hatte.

Die Verhandlungen mit den anderen Neutralen

Bei den Verhandlungen in Washington wurde am 18. Juli 1946 auch der Vertrag mit Schweden unterzeichnet. Mit niemandem verliefen die Verhandlungen so schnell und erfolgreich wie mit Schweden. Das geschätzte Raubgold im Wert von 35 Mio. sKr. (ca.
$ 18,5-22,7 Mio.) sollte zurückerstattet werden. $ 6,8 Mio. in Gold wurde allerdings erst 1955 an die amerikanische Notenbank in New York als Einlage in den Goldpool der TGC, nach Klärung aller Meinungsverschiedenheiten geliefert.

Am 10. Mai 1948 wurde der Vertrag mit Spanien abgeschlossen. Die Verhandlungen bezüglich der deutschen Guthaben und des Raubgoldes waren langwierig und es kam nur zu einer symbolischen Zahlung. 1949 übergab Spanien der TGC Raubgold im Wert von $ 114’329.

Mit Portugal begannen die Verhandlungen 1946 und erwiesen sich als zeitintensiv und schwierig. In der Frage des Raubgoldes gelangte man zu keiner Einigung. Präsident Salazar beharrte auf voller Kompensation: Portugal habe Deutschland Waren im Wert von 55 Mio. $ geliefert, damit sei das Gold, ca. 43 Tonnen, sein legaler Besitz. Als sich die Goldverhandlungen bis in die 50-er Jahre hinzogen, überredete das frustrierte State Department das amerikanische Finanzministerium zur Annahme der portugiesischen Bedingungen. Mitentscheidend war auch die Furcht des State Department, dass die ins Stocken geratenen Verhandlungen das damals für wichtiger gehaltene strategische Ziel einer amerikanischen Luftwaffenbasis auf den Azoren und die Eingliederung Portugals ins Nachkriegseuropa gefährden könnten.

Wie im Fall Portugals ist es woh auch mit Rumänien zu keiner Einigung über das Raubgold gekommen. Hierbei dürfte auch der kalte Krieg eine Rolle gespielt haben: Der Eiserne Vorhang schirmte politischen Druck des Westens ab, nachdem sich die rumänische Nationalbank anfangs sehr kooperativ gezeigt und im März 1946 142 Mio. Fr. eingeführtes Raubgold ausgewiesen hatte.

Die Türkei hat trotz einer im Mai 1952 beschlossenen Regelung, in der sich die Türkei bereit erklärt $ 1 Millionen zu zahlen, kein „monetäres“ Gold an die TGC überwiesen.

Bei all den Verhandlungen spielten sehr viele verschiedene Aspekte eine Rolle und machten sie zu einem äußerst schweren Unterfangen. So vor allem die Politik des Kalten Krieges, wirtschaftliche Interessen, die Schwierigkeit nachzuweisen, wann das Gold als Raubgold zu deklarieren sei und zu welchem Zeitpunkt (vor bzw. nach offiziellen Warnungen der Alliierten) und in welchen Mengen es bei den Nationalbanken der genannten Länder ankam.

Was die Verhandlungen in Washington bezüglich des Goldraubs betrifft, so ging es wohl aus praktischen Gründen, ausschließlich um den Raub in den Zentralbanken, weil dieser den prozentual größten Teil ausmachte. Ansprüche privater Opfer, und hier insbesondere die jüdischer Betroffener, des Nationalsozialismus und des Krieges wurden gar nicht behandelt. Sie wurden unter die Verwaltung des Intergovernmental Committee on Refugees gestellt.54 Dass beide Ansprüche aber nicht gänzlich voneinander unabhängig behandelt werden können, hat die Einsicht bewiesen, dass auch in den Goldtopf der TGC „nicht-monetäres“ Gold miteingeflossen ist.

Die Alliierten distanzierten sich klar von der Frage der „Individuellen Zurückerstattung“, da die vermutete Zahl der Ansprüche sehr groß und schwierig zu prüfen war.

Die Zusammensetzung und Verteilung

des “Goldpots“/Restitution für Europa

In den letzten Wochen des Krieges fiel durch verschiedene Zufälle fast alles Gold der Reichsbank, das noch in Deutschland lag, in die Hände der Amerikaner. Den weitaus größten Fund ($ 241 Million)56 machten die Amerikaner in den Salzminen bei Merkers in Thüringen. Dort entdeckten sie Gold, Kunstgegenstände usw. und auch Gold, das den Holocaust Opfer geraubt worden war. Von den insgesamt rund 625 Mio. $ deutschen Raubgolds waren gut 337 Mio. $ von den Alliierten sichergestellt; der Rest war weiterverkauft worden und dies vor allem über die Schweiz. Diesen 337 Mio. $ standen nun aber die angemeldeten Ansprüche von 620 Mio. $ gegenüber.57 Was die Rückzahlungsforderungen der verschiedenen Länder betraf, so mußte all den Beteiligten von vornherein klar sein, dass es unmöglich sein würde, eine völlige Restitution zu erlangen. Das Gold, das für die ‘Verteilung’ zur Verfügung stand, setzte sich zusammen aus dem Fund der Amerikaner in Merkers, aus vielen verschiedenen anderen Quellen plus die mit den Schweizern auf dem Washingtoner Kongress vereinbarte Summe über 58,1 $ Mio.

Von den angemeldeten Ansprüche wurden 514 Mio. $ als begründet anerkannt. Sie stammten von Holland, Albanien, der Tschechoslowakei, Griechenland, Jugoslawien sowie Frankreich, das Belgien und Luxemburg mit eigenem Gold entschädigt und dafür deren Ansprüche geerbt hatte. Dazu kamen die nicht der IARA angehörigen Staaten Polen, Italien und Österreich. Die Ende 1947 erfolgt Gleichstellung Italiens und Österreichs mit den IARA-Gründungsmitgliedern und die Abfindung eines Teils ihrer Goldforderungen wurde schließlich möglich, weil die Zuteilung durch die TGC erfolgte,die ihre Reparationspolitik zusehends nach den Erfordernissen des kalten Krieges ausrichtete.

Besonders die Amerikaner waren an einer schnellen Auf- bzw. Verteilung des Goldtopfes interessiert und machten daher den Vorschlag, die unstreitigen Ansprüche so bald wie möglich abzufinden. Für den Rest sollte eine entsprechende Menge zurückgelegt werden. Man ging davon aus, dass jeweils etwa 40% der Ansprüche erfüllt werden können.59 Entschädigt wurden schließlich 65% der Ansprüchsteller.60 Entsprechend der Dringlichkeit mit der das Gold von einzelnen Länder für den Wiederaufbau benötigt wurde, arbeitete die TGC anfänglich mit Hochdruck. Die erste Verteilungsrunde begann am 17. Oktober 1947, von der in erster Linie Belgien, Frankreich, Luxemburg, Holland, Italien und Österreich profitierten. (Siehe Tabelle im Anhang, Belgisches und Niederländisches Gold ging aus besagten Gründen an Frankreich.)

Eine zweite Verteilerrunde begann 1958. Nun bekam auch Griechenland eine Teil aus dem Goldpool und Polen bekam 1976 wenigstens die Barren ausgehändigt, die die Währungsreserven des Freistaates Danzig ausgemacht hatten. 1982 war auch diese Verteilung beendet. Nun wartete nur noch Albanien auf seine Rückerstattung. Es musste sich bis 1996 gedulden. Laut Thomas Maissen konnte man den Eindruck gewinnen, dass die TGC schon bald nach der ersten Verteilerrunde in eine Art „Dornröschenschlaf“61 sank. Mit dem Ende des Kalten Krieges begann man sich allerdings plötzlich intensiver mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Wer sich dabei mit dem Thema „Raubgold“ beschäftigte, stieß fast zwangsläufig auch auf die TGC und deren „eingeschlafene“ Tätigkeit. In deren Bücher befand sich noch immer ein Restbestand von 5,6 Tonnen nicht verteilten Goldes.

Lord Janner, der englische Vizepräsident des jüdischen Weltkongresses hatte bereits früh die Behauptung aufgestellt, dass sich im Goldpool auch Opfergold befand. Dies wurde, wie bereits erwähnt, tatsächlich durch amerikanische Akten bestätigt und verlangte nach einem völlig neuen Diskussionsansatz hinsichtlich des Goldpools der TGC.

Die Goldbarren, die dem TGC Gold-Pool zugefügt worden waren, wurden offenbar vor ihrer Verteilung nicht chemisch analysiert, obwohl es schon 1946 Anlass für ein derartiges Unterfangen gegeben hatte (Note des US-Diplomaten Livingston Merchant). Diese gründete die Definition des Goldes auf seine Erscheinung und nicht auf seine Herkunft. Die bloße Erscheinung der Goldbarren aber gab keine Auskunft über die Herkunft. Trotzdem wurde alles Gold dem TGC-Pool zugewiesen.

Das Totengold, welches fälschlicherweise in den Goldpool gelangte und in der Folge von der TGC an anspruchsberechtigte Länder verteilt wurde, ist nicht untersucht worden. Wahrscheinlich war nur ein relativ kleiner Anteil des gesamten Goldes, das Notenbanken geraubt und von den Alliierten nach dem Krieg entdeckt wurde, Totengold. Das trägt aber kaum dazu bei, diese Schmach der Nazibarbarei in irgendeiner Form zu lindern.

Neuer Fonds für Holocaust-Überlebende/Londoner Konferenz (Dezember 1997)

These efforts are not just research for the sake of research but for the sake of action. This is history for the sake of justice. This great effort to develop a further understanding of this complex issue and this painful period in our history has provided both momentum and urgency for action, to see that justice is done for victims of the Holocaust.

Mit dem Ende des kalten Krieges setzt eine Neubetrachtung dieses Kapitels der Weltgeschichte ein, die zu einem guten Teil von jüdischen Forderungen auf eine Rückerstattung geraubter Vermögen motiviert wurde. Diese Tatsache und die amerikanischen Akten, welche Totengold im TGC-Pool nachwiesen, bewirkten, dass eine abschließende Verteilerrunde des TGC scheiterte.

Im Rahmen der Londoner Konferenz 1997 wurde deshalb die Einrichtung eines neuen Hilfsfonds für Holocaust-Überlebende bekanntgegeben, der mit dem Restbestand des TGC-Vermögens dotiert werden sollte. Dieser Fonds ist allerdings eine buchhalterische Fiktion. Denn es kam technisch zu einer Verteilung dieses Goldes an die Mitglieder der TGC; diese wiederum wurden von Stuart Eizenstat mit mehr oder weniger sanftem Druck dazu gebracht, ihren Anteil freiwillig dem Fonds zur Verfügung zu stellen, wobei sie den Verwendungszweck der Mittel selbst bestimmen durften. Wenn beispielsweise Frankreich seinen Anteil diesem Fonds ‚stiftet‘, das Geld aber für die Bedürfnisse des französischen Judentums einsetzt, so verliert diese humanitäre Geste der Alliierten doch etwas von ihrem Glanz.

Fragen, die offen bleiben

Defizit der TGC

Am 09.09.1998 hat die TGC ihre Arbeit 53 Jahre nach Kriegsende beendet. Doch sind nicht alle Fragen geklärt worden. So gibt es keine zufriedenstellende Erklärung für die Differenz zwischen den akzeptierten Forderungen an den Goldpool und dessen effektiven Inhalt. Nur 64% der Ansprüche konnten befriedigt werden. Die TGC und alle Beteiligten dürften sich bewusst sein, dass Teile des ‚restlichen’ Nazigoldes vielleicht in Zukunft ans Licht kommen könnten.
Der Prozess des Internationalen Militärtribunals von N
ürnberg (25.10.1945-01.10.1946)
Interessant ist, dass der Raub des belgischen Goldes bei den Nürnberger Prozessen nur ein Nebenrolle zu spielen schien, obgleich es, wie bereits erwähnt, einen Hauptteil des Raubgoldes ausmachte. Der Goldraub wurde weder in der Anklage noch im Urteil gegen die Hauptverantwortlichen H. Göring und W. Funk, obwohl sich Anklagepunkt 4 ausdrücklich auf „Verbrechen gegen das Eigentum“ bezog, angesprochen. Zudem war in diesem Fall auch der Tatbestand einer flagranten Verletzung des Völkerrechts erfüllt.

Dies lässt sich damit erklären, dass die Banque de France der Belgischen Nationalbank kurz nach der Befreiung von Paris und Brüssel Gold hatte zukommen lassen, dessen Wert dem belgischen Gold entsprach, das ihr im Jahre 1940 anvertraut worden war. Belgien hatte also keinen Grund mehr zu einer gerichtlichen Klage. Die Vichy-Regierung bzw. seine zuständigen Minister, die ja das belgische Gold an die Nazis ausgeliefert hatten, konnten nicht vor das Nürnberger Gericht zitiert werden. Sie mußten sich in Paris vor dem Obersten Gerichtshof verantworten. Andererseits wurden die französischen Ansprüche zur Zeit des Nürnberger Prozesses in Washington vorgebracht und dort auch durch die schweizerischen ‘Ersatzleistungen’ für das belgische Raubgold wenigstens zum Teil befriedigt. Zur Deckung der französischen Restforderungen wurde dann Gold aus den Salzminen von Merkers herangezogen. Somit kam auch Paris als Ankläger nicht mehr in Frage und damit wurde in Nürnberg nicht so sehr der ‘sagenhafte’ Goldraub des belgischen und französischen Goldes thematisiert, sondern eher die Beschlagnahmung der Goldreserven der Tschechoslowakischen Nationalbank (107 Mill. SFr.) und die Liquidierung der Jugoslawischen Nationalbank, für die sich Reichsbankpräsident Funk verantworten mußte.

Der mysteriöse Nazigoldschatz

Bei den alliierten Goldfunden in Merkers am 6. April 1945 ($238,490,000), in der Nähe von Salzburg ($ 4,743,809), bei Spital am Pyhrn ($35,000,000) und in den Gewölben von La Fortezza in Italien handelte es sich insgesamt um eine Summe von mehr als 300 Mio. $.

Der Nazigoldschatz hat schon häufig zu wilden Spekulation und 1957 sogar zu einem Eintrag ins Guiness-Book of Records geführt (Rubrik „Raubüberfälle: größte ungelöste - Der größte, ungelöste Raub ist derjenige des deutschen Währungsgoldes in Bayern durch amerikanische Militärs und deutsche Zivilisten im Juni 1945). Der Phantasie waren und sind keine Grenzen gesetzt und da es sich bei diesem Thema um ein Thema handelt, das durchaus nicht bis ins letzte Detail aufgeklärt ist. Es bleibt zum Schluss jedem selbst überlassen, was er glauben will oder nicht. Eine bis heute ungeklärte Frage ist z.B, was es mit dem in einem 1950 erschienen Artikel der Zeitschrift „Wochenend“ auf sich hat, der auf den Memoiren Henrietta von Schirchachs basiert, der Frau des ehemaligen Reichjugendführers Baldur von Schirach. Darin ist die Rede von einem kurz vor Kriegsende erfolgten Transport von Vermögenswerten aus Berlin nach Mittenwald (u.a. 144 Goldbarren). Die angegebenen Daten bezüglich Zeitpunkt, Menge, Route etc. stimmen allerdings nicht mit den Daten der offiziellen Reichsbankkonvois überein. Haben also zwei Transporte Berlin Richtung Bayern verlassen, ohne dass der eine davon in irgendwelchen Papieren erwähnt worden war? Diese Möglichkeit besteht und wird auch von Augenzeugenberichten, welche von Ian Sayer und Douglas Botting in den 70-er Jahren gesammelt worden waren unterstützt. Die Spur dieses Goldes verliert sich allerdings in München, wo es angeblich der 10th Armored Division übergeben worden war. Wurde es tatsächlich gestohlen oder muss diese Geschichte als ein Märchen betrachtet werden?

Auch die FED in Frankfurt stellte zwei Jahre nach Kriegsende bei einem Kassensturz zahlreiche Diskrepanzen fest: „Regarding the regular Reichsbank currency balance, the discrepancies consist almos exclusively of deficits“. Auch hierfür gab es keine Erklärung.

Als letztes Beispiel seien noch zwei vermisste Goldbarren erwähnt, die in einem amerikanischen Memorandum von 1945 auftauchen, mit präzisen Angaben über Nummer und Gewicht. Am 8. Mai 1997 stand in einem Pressecommuniqué der Bank of England, dass die seit 1945 vermissten Goldbarren von der Deutschen Bundesbank ausgehändigt worden seien. Nach 51 Jahren waren sie auf mysteriöse Weise wieder aufgetaucht.65

Schlussbemerkung

Für die Differenz zwischen den akzeptierten Forderungen an den Goldpool und dessen effektiven Inhalt gibt es keine zufriedenstellende Erklärung. Die Rückerstattung verlorengegangener Vermögen von Zivilpersonen ist auch eher schleppend und am Ende unbefriedigend.

Am 9. September 2000 sagte Stuart Eizenstat, dass diese Kapitel des Zweiten Weltkrieges nun endgültig geschlossen werde. Bleibt allerdings zu fragen, ob die Geschichte überhaupt Endgültigkeiten kennt, besonders in Anbetracht all der unbeantworteten Fragen.

Fußnoten:


1 Rober Lay, leader of the Labor Front, had labeled gold as the weapon of Jews, and Walter Funk vowed that Germany would never return to the gold standard. Vgl. Smith, Arthur, Hitler’s Gold, S. 28.

2 Vgl. Boelcke; W. A., Die Kosten von Hitlers Krieg, S. 259.

3 Es war eine Entscheidung der Alliierten, den Beginn der Naziraubgoldgeschäfte mit dem Anschluß Österreichs 1938 festzusetzen. Vgl. Smith, Arthur, Hitler’s Gold, S. 1.

4 Dokumente Deutsche Kriegsschäden. Bd. IV/1. Bonn 1964, S. 574. Vgl in: Boelcke, W. A.; Die Kosten von Hitlers Krieg, S. 117.

5 Siehe Tabelle im Anhang und vgl. Bracher, Dietrich/Funke, Hans-A. Jacobsen (Hrsg.), Deutschland 1933-1945, Neue Studien zur nationalsozialistischen Herrschaft. Darin: Boelcke, W. A.; Die Finanzpolitik des Dritten Reiches, Eine Darstellung in Grundzügen, S. 115.

6 Vgl. Rings, Werner, Raubgold aus Deutschland, Die „Golddrehscheibe“ Schweiz im Zweiten Weltkrieg, S. 7.

7 Vgl. Maissen, Thomas, Verschlungene Wege des Raubgolds, Internationale Transaktionen und Reparationen (1938-1951) in: www.nzz.ch/online/02_dossiers/schatten961116.htm. Dr. Thomas Maissen ist Historiker an der Universität Potsdam. Auf der Holocaust-Konferenz in Stockholm versprach z.B. der schwedische Ministerpräsident Göran Persson die frühzeitige Öffnung der Staatarchive, obwohl diese einer 70ig jährigen Geheimhaltungsfrist unterliegen. Vgl. taz-Magazin Nr. 6060 vom 5.2.2000, „Nur im Notfall etwas zugeben“.

8 Dieses Konto war nach SS-Hauptsturmbandführer Bruno Melmer benannt.

9 Vgl. Zusammenfassung des Gold-Report der „Bergier-Commission“ am 25.5.1998. www.uek.ch/d/m1/gold-dz.htm.

10 Unveröffentlichter Bericht der SNB v. 16.5.1946, Archiv SNB Zürich/Bern sowie Akten „Goldoperation der Hauptkasse“, altes Archiv der SNB, C 15. Die Goldpreise der SNB waren 1936-1939 auf 4639 sFr. Und von 1940-1945 auf 4870 sFr. Pro Kilo Feingold festgesetzt worden. Vgl. in: Rings, Werner, S. 8.

11 Umfang und Wert der Goldtransaktionen werden von einem amtlichen Schriftstück ausgewiesen, das bei den Akten des Departements für Auswärtige Angelegenheiten (damals „Eidgenössisches Politisches Departement“) im Schweizerischen Bundesarchiv in Bern aufbewahrt wird. Schreiben des EPD an die Schweizer Gesandtschaft in Washington v. 26.11.1945, Bl. 2, SBA, 2001 (E) 2/560. Bestätigt wird der Betrag in der unveröffentlichten Denkschrift „Bericht der Direktion der Schweizerischen Nationalbank über den Goldverkehr der Schweizerischen Nationalbank mit der Deutschen Reichsbank während des Weltkrieges 1939/1945 (Archiv der Schweizerischen Nationalbank). Vgl. Rings, Werner, S. 9.

12 Vgl. Rings, Werner, S. 35/36.

13 Ebd., S.10.

14 Estimates by Britain’s Ministry of Economic Warefare and the Bank of England in: Henry, Marilyn, Switzerland, Swiss Banks, and the Second World War, International Perspectives 38, American Jewish Committee 1998.

15 Vgl. Rings, Werner, S. 38.

16 Vgl. Arnoult, Pierre, Les Finances de la France et l’Occuptation allemande (1940-1944), S. 195-197.

17 Rings, Werner, S. 38/39

18 Dritter Tätigkeitsbericht der deutschen Waffenstillstandsdelegation für Wirtschaft, Paris/Wiesbaden, Mikrofilm NAW, T-120, Roll 712. Vgl. Rings, Werner, S.12.

19 Ausführlicher und spannend beschrieben in: Rings, Werner, Raubgold aus Deutschland, Kapitel 1: Der Raub des Goldes.

20 Vgl. Rings, Werner, S. 10.

21 Vgl. ebd., S. 15.

22 Rings, Werner, S. 17.

23 Vgl. Arnoult, Pierre, Les Finances de la France, S. 244.

24 Rings, Werner, S. 17.

25 Rings, Werner, S. 20.

26 Bank für Internationalen Zahlungsausgleich.

27 Vgl. Maissen, Thomas, Verschlungene Wege des Raubgolds, Internationale Transaktionen und Reparationen (1938-1951), www.nzz.ch/online/02_dossiers/schatten/schatten961116.htm

28 Vgl. Hausner, Gideon, Die Vernichtung der Juden, S. 235 ff.

29 Vgl. Kopper, Christopher, Klage ohne Beweise in: Die Zeit, Nr. 25/1998

30 Eine Analyse einer Einschmelzaktion geraubter niederländischer Goldgulden im Jahre 1943 bei der preußischen Münze hält fest, dass 37`000 Gramm Feingold aus dem SS-Hort beigefügt wurden. Von den so hergestellten Barren wurden 83% an die Schweizerische Nationalbank, der Rest an Italien verkauft. Vgl. Eizenstat-Report, www.parlament.ch/internet98/E/Nachrichtenlose_Vermoegen/summary.htm

31 Unter monetärem Gold verstanden die Alliierten Gold, das den Zentralbanken unrechtmäßig entwendet wurde. Im Unterschied dazu stammte „nicht monetäres Gold“ von Zivilpersonen. Vgl. www.parlament.ch/internet98/E/Nachrichtenlose_Vermoegen/summary.htm.

32 Walter Funk im Juni 1943, Politisches Archiv des AA, Bonn, Staatssekretär Schweiz, Bd. 3, Ministerialdirektor Clodius, Aufzeichnung über den Stand der Wirtschafverhandlungen mit der Schweiz v. 3.6.1943 in: Rings, Werner, S. 1.

33 Vgl. Maissen, Thomas, Verschlungene Wege des Raubgolds, Internationale Transaktionen und Reparationen (1938-1951), www.nzz.ch/online/02_dossiers/schatten/schatten961116.htm

34 Vogler, Robert, Der Goldverkehr der Schweizer Nationalbank 1939-1945 in: Geld, Währung und Konjunktur, Quartalsheft Schweizerische Nationalbank, 1/1985, S. 70.

35 Vgl. Zusammenfassung des Gold-Report der „Bergier-Commission“ am 25.5.1998. www.uek.ch/d/m1/gold-dz.htm.

36 Vgl. Vogler, Robert, S. 70.

37 Zitiert in SNB, 1946a, Beilage zu Annlage IV. Vgl. In: Vogler, Robert, S. 71.

38 According to the British Foreign Office report of September 1996 in: Henry, Marilyn, Switzerland, Swiss Banks, and the Second World War, International Perspectives 38, American Jewish Committee 1998.

39 Maissen, Thomas, Die Nationalbank im Gegenwind, Die Lieferungen von deutschem Raubgold in die Schweiz in: www.nzz.ch/online/02_dossiers/schatten960916.htm

40 SNB, 1946a, Anlage VI/1. Vgl. In: Vogler, Robert, S. 73.

41 Vgl. Zusammenfassung des Gold-Report der „Bergier-Commission“ am 25.5.1998. www.uek.ch/d/m1/gold-dz.htm.

42 Vgl. Smith, Arthur, Hitler’s Gold, The Story of the Nazi War Loot, S. 68.

43 Der Name leitete sich davon ab, dass den Naziraubgeldern ein sicherer Hafen verwehrt werden sollte. Die Ziele waren u. a. Deutschland daran zu hindern, Vermögenswerte in neutrale Länder zu verschieben; sicherzustellen, dass deutsche Gelder für den Wiederaufbau Europas und Reparationszahlungen an die Alliierten verfügbar sein würden; die Rückerstattung des von den Nazis im besetzten Europa gestohlenen Eigentums an die rechtmäßigen Besitzer. Vgl. Eizenstat Report. www.parlament.ch/internet98/E/Nachrichtenlose_Vermoegen/summary.htm.

44 Eizenstat Report www.parlament.ch/internet98/E/Nachrichtenlose_Vermoegen/summary.htm.

45 Eizenstat Report www.parlament.ch/internet98/E/Nachrichtenlose_Vermoegen/summary.htm.

46 Vgl. Arthur, Smith, Hitler’s Gold, (Chapter 5, The Gold Pot).

47 Ihre Mitglieder waren: Albanien, Australien, Belgien, Kanada, Dänemark, Ägypten, die USA, Frankreich, Großbritannien, Griechenland, Indien, Luxemburg, Norwegen, Neuseeland, Niederlande, die Tschechoslowakei, Südafrika und Jugoslawien.

48 Vgl. Smith, Arthur, Hitler’s Gold, S. 115.

49 Vgl. Eizenstat-Report. www.parlament.ch/internet98/E/Nachrichtenlose_Vermoegen/summary.htm.

50 Botschaft (1446), Botschaft des Bundesrates an die Bundesversammlung über die Genehmigung des in Washington abgeschlossenen Finanzabkommens vom 14.6.1946. Vgl. In: Vogler, Robert, S. 77.

51 Vgl. Henry, Marilyn, Switzerland, Swiss Banks, and the second World War, International Perspectives 38, American Jewish Committee 1998.

52 The Alliies had Safehaven intelligence reports and captured Reichsbank records, but they still had no firm idea of the amount of gold that Germany had shipped to Switzerland or the extend of German assets. Vgl. Eizenstat-Report. www.parlament.ch/internet98/E/Nachrichtenlose_Vermoegen/summary.htm.

53 Eizenstat-Report Vgl. www.parlament.ch/internet98/E/Nachrichtenlose_Vermoegen/summary.htm.

54 Vgl. Smith, Arthur, Hitler’s Gold, S. 115.

55 An examination of the problem showed generally that on the one hand the total values of the possilble ‚private claims‘ provable by documentary evidence would be small in comparison with governmental claims for the restitution of looted national gold reserves, and on the other hand, that the total number of ‚private claims‘ likely to be presented to the Commision, if allowed at all, might run into many thousands, „ was the rationale given in a July 10, 1947, memo written by Sir Desmond Morton, the British commissioner to the TGC. Vgl. Henry, Marilyn, Switzerland, Swiss Banks, and the second World War, International Perspectives 38, American Jewish Committee 1998.

56 Vgl. Smith, Arthur, S. 92.

57 Vgl. Maissen, Thomas, Verschlungene Wege des Raubgolds, Internationale Transaktionen und Reparationen (1938-1951), www.nzz.ch/online/02_dossiers/schatten/schatten961116.htm

58 Vgl. Smith, Arthur, S. 131.

59 Vgl. Smith, Arthur, S. 136.

60 Vgl. Eizenstat-Report. www.parlament.ch/internet98/E/Nachrichtenlose_Vermoegen/summary.htm.

61 Vgl. Maissen, Thomas, Die Bücher werden geschlossen, Rückgabe von Hitlers Raubgold nach 53 Jahren beendet in: www.nzz.ch/online/02_dossiers/schatten/schatten980909.htm

62 Vgl. Eizenstat-Report. www.parlament.ch/internet98/E/Nachrichtenlose_Vermoegen/summary.htm.

63 Vgl. Maissen, Thomas, Die Bücher werden geschlossen, Rückgabe von Hitlers Raubgold nach 53 Jahren beendet in: www.nzz.ch/online/02_dossiers/schatten/schatten980909.htm

64 Vgl. Rings, Werner, S. 184.

65 Vgl. Der Goldraub in den bayrischen Alpen in: www.nzz.ch/online/02_dossiers/schatten/scha981020fem.htm




Abkürzungsverzeichnis
BIZ: Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, Basel

FED: Foreign Exchange Depository

IARA: Interalliierte Reparationsagentur

NZZ: Neue Züricher Zeitung

SNB: Schweizerische Nationalbank

TGC: Tripartite Gold Commission

Literaturverzeichnis
Arnoult, Pierre: Les Fiances de la France et l’Occupation allemande (1940-1944), Paris 1951

Boelcke, Willi A.: Die Kosten von Hitlers Krieg, Kriegsfinanzierung und finanzielles Kriegserbe in Deutschland, 1933-1948, Paderborn 1985

Boelcke, Willi A.: Die Finanzpolitik des Dritten Reiches, Eine Darstellung in Grundzügen in: Bracher, Karl Dietrich/Funke, Manfred u.a. (Hrsg.): Deutschland 1933-1945, Neue Studien zur nationalsozialistischen Herrschaft, 2. ergänzte Auflage, Bonn 1992, S. 95-118

Bower, Tom: Das Gold der Juden, Die Schweiz und die verschwundenen Nazi-Milliarden,
1. Auflage, London 1997,

Bracher, Karl Dietrich/Funke, Manfred u.a. (Hrsg.): Deutschland 1933-1945, Neue Studien zur nationalsozialistischen Herrschaft, 2. ergänzte Auflage, Bonn 1992

Hausner, Gideon: Die Vernichtung der Juden, München 1979

Henry, Marilyn: Switzerland, Swiss Banks, and the Second World War, International Perspectives 38, American Jewish Committee (AJC) 1998

Rings, Werner: Raubgold aus Deutschland, Die „Golddrehscheibe“ Schweiz im Zweiten Weltkrieg, Zürich 1996

Sayer, Ian/Botting, Douglas: Nazi Gold, London 1984

Smith, Arthur: Hitler’s Gold, The Story of the Nazi War Loot, Oxford 1989

Vogler, Robert: Der Goldverkehr der Schweizerischen Nationalbank mit der Deutschen Reichsbank 1939-45 in: Geld, Währung und Konjunktur, Quartalsheft Schweizerische Nationalbank, 1/1985, S. 70-78

Zeitungen:

taz-Magazin Nr. 6060 vom 5.2.2000, Artikel: „Nur im Notfall etwas zugeben“

Die Zeit, Nr. 25/1998 darin: Kopper, Christopher: Klage ohne Beweise

Internetrecherche:

Eizenstat-Report in: www.parlament.ch/internet98/E/Nachrichtenlose_Vermoegen/summary.htm

Holocaust Assets June 1998 Supplement: U.S. and Allied Wartime and Postwar Relations and Negotiations With Argentina, Portuga., Spain, Sweden, and Turkey on Looted Gold and German External Assets and U.S. Concerns About the Fate of the Wartime Ustasha Treasury in: www.stat.gov/www/regions/eur/rpt_9806_ng_summhtml.html

Maissen, Thomas, Die Nationalbank im Gegenwind, Die Lieferungen von deutschem Raubgold in die Schweiz in: www.nzz.ch/online/02_dossiers/schatten960916.htm

Maissen, Thomas, Verschlungene Wege des Raubgolds, Internationale Transaktionen und Reparationen (1938-1951) in: www.nzz.ch/online/02_dossiers/schatten961116.htm

Maissen, Thomas, Die Bücher werden geschlossen, Rückgabe von Hitlers Raubgold nach 53 Jahren beendet in: www.nzz.ch/online/02_dossiers/schatten980909.htm

Der Goldraub in den bayrischen Alpen in: www.nzz.ch/online/02_dossiers/schatten980909.htm

Zusammenfassung des Gold Report der „Bergier-Commission“ am 25.5.1998 in: www.uek.ch/d/m1/gold-dz.htm

Betreut vom FHI-Team
Diese Seite ist vom 4 Juli, 2001

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Die Schweiz als Haupthandelspartner Hitlerdeutschlands

„Nicht einmal zwei Monate könnten wir auf die Hilfe der Schweiz bei der Umwandlung von Gold in Devisen verzichten“ stellte Walter Funk im Juni 1943 fest.

Da bin ich aber SPRACHLOS !


Grüße Talvi
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06.10.02 18:03:43
Und was ist daran neu? Die Schweiz macht Geschäfte mit jedem: Ob afrikanischer Diktator, Parteispenden, Raubgold, Koks-Geld oder die Privatkasse von Kommunistenbonzen....ist doch auch ne Form von vorurteilsfreier Gesellschaft...erlaubt ist was Geld bringt.
Meint denn jemand die Schweiz hat ihr Vermögen mit Schokolade und Alpenkäse gemacht....Falls ja: Willkommen in der Realität! ;)
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06.10.02 19:43:22
@Sovereign
Muß du denn immer gleich so brutal mit der Wahrheit sein !?

Aber hier zu

http://www.das-gibts-doch-nicht.de/seite281.htm

war`s du bist jetzt Sprachlos!

Grüße Talvi
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10.10.02 19:53:25


http://www.nzz.ch/dossiers/schatten/scha990326tmn.html

Schatten des Zweiten Weltkriegs

Die Dilemmata der Nationalbank im Krieg

Neue Studie zu den Hintergründen des Goldhandels
Die währungspolitischen Gründe der Nationalbank für den Kauf deutschen (Raub-)Goldes waren gemäss einer neuen Studie der SNB Kursstabilität und Konvertibilität, Inflationsbekämpfung und internationale Zahlungsfähigkeit im Dienst der Landesversorgung. Während in der ersten Kriegshälfte kaum Alternativen zu deutschen Goldlieferungen bestanden, wäre ab 1943 aus monetärer Sicht eine schnelle Reduktion möglich gewesen.

Wie hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) im Krieg ihre Aufgabe erfüllt, die das Bundesgesetz von 1921 vorschrieb, nämlich: «den Geldumlauf des Landes zu regeln und den Zahlungsverkehr zu erleichtern»? Nicht als polemische Antwort auf den Bergier-Zwischenbericht, sondern als Ergänzung dazu ist eine soeben im Internet veröffentlichte und bald auch in gedruckter Form erhältliche Studie zu verstehen, welche die währungspolitischen Überlegungen der damals Verantwortlichen nachzeichnet.

Zahlreiche Zielkonflikte

Die beiden Autoren und SNB-Mitarbeiter, Vincent Crettol und Patrick Halbeisen, schildern die prägenden Traumata des Ersten Weltkriegs (Liquiditätsprobleme, Inflation, Landesstreik) und die gescheiterten Bemühungen der Zwischenkriegszeit, den Goldstandard wieder zur Basis der Weltwirtschaft zu machen. Angesichts der Währungswirren in den dreissiger Jahren, die gegen den Willen der SNB auch zur Abwertung des Schweizerfrankens führten, stellte der Kriegsausbruch 1939 keine völlig neue Situation dar. Grundsätzlich am Goldstandard orientiert, aber im Einzelfall pragmatisch wog die SNB im rasch wechselnden Umfeld die oft konkurrierenden Ziele gegeneinander ab: Aufrechterhaltung der Konvertibilität und des internationalen Zahlungsverkehrs, Inflationsbekämpfung, Finanzierung des Bundesdefizits.

So verzichtete die SNB in den ersten Kriegsmonaten auf eine Leitzinserhöhung, obwohl Kapitalflucht und verstärkte Thesaurierung den Franken schwächten und eine Liquiditätskrise drohte. Das Direktorium befürchtete, dass der Bund die Landesverteidigung bei höheren Zinsen nicht über den Kapitalmarkt finanzieren, sondern wie im Ersten Weltkrieg auf die Notenpresse zurückgreifen würde. Die Devisenbewirtschaftung wurde öfters erörtert und Ende Mai 1940 sogar beantragt, jedoch stets verworfen wegen der negativen Auswirkungen für den Finanzsektor in einem Land mit chronischem Handelsbilanzdefizit, das durch Erträge der Auslandgläubiger ausgeglichen werden musste.

Fünf Phasen der Währungspolitik

Die Studie gliedert die schweizerische Währungspolitik in fünf Perioden: 1. Frankenschwäche und Goldverkäufe der SNB bis zur Niederlage Frankreichs; 2. Stärkung des Frankens als einzige konvertible Währung, deutsche Käufe von Escudos gegen Gold bei den Geschäftsbanken (bis Herbst 1941); 3. zur Abwehr des sich daraus für die SNB ergebenden Goldabflusses Konzentration des Goldverkaufs der Reichsbank bei der SNB, Dreieckgeschäfte mit Portugal, starke Nachfrage nach Goldmünzen auf dem Schweizer Markt und entsprechender Rückgang der Inlandreserven der SNB (bis Ende 1942); 4. als Reaktion darauf fixierter Höchstpreis und vollständige Kontrolle der SNB über Goldtransaktionen mit dem Ausland, Goldmünzenverkäufe zur Frankensterilisierung und gleichzeitig starke Frankennachfrage in den USA für Uhrenkäufe (bis Frühling 1944); 5. starker Rückgang der deutschen Goldverkäufe, die aber bis Kriegsende anhalten, und Frankensterilisierungs-Massnahmen wegen politisch bedingter starker Dollar-Übernahmen gegen in Amerika blockiertes Gold.

Ab wann gab es Alternativen?

Der SNB gelang es während des ganzen Krieges, im Verkehr mit anderen Zentralbanken die offizielle Goldparität des Frankens aufrechtzuerhalten und damit auch das Vertrauen in die Landeswährung, während im Inland angesichts der starken Nachfrage vorübergehend darauf verzichtet und ein Schwarzmarkt in Kauf genommen wurde. Indem sie die umlaufende Liquidität kontrollierte, trug die SNB auch dazu bei, dass die Lebenshaltungskosten im Krieg um 51% und damit vergleichsweise wenig stiegen. Der konvertible Franken erleichterte die Versorgung des geopolitisch isolierten Landes ungeachtet des disparaten internationalen Währungssystems.

Vermutlich war der konvertible Franken auch ein Grund dafür, dass Deutschland von stärkerem Druck auf die Schweiz absah, auch wenn beim heutigen Forschungsstand noch unklar ist, wie wichtig die Schweizer Währung für die deutsche Kriegswirtschaft wirklich war. Die Autoren der Studie sind der Meinung, dass (aussen)politische Erwägungen für das Direktorium zeitweise eine nicht zu unterschätzende Rolle gespielt hätten, aber Dissuasion kein entscheidendes Motiv für die Währungspolitik gewesen sei. Wollte sie ihre Reserven und damit die Landesversorgung nicht weiter gefährden, so hatte die SNB bis Ende 1942 kaum Alternativen zur Goldübernahme aus Deutschland. Rein währungspolitisch, so hält die Studie fest, wäre es für die SNB dank neu erlangten Kontrollmechanismen und ohnehin eingeschränkten Importmöglichkeiten jedoch ab 1943 möglich gewesen, die Goldgeschäfte mit der Reichsbank rasch zu beschränken.

Neue Zürcher Zeitung, 26. März 1999

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Grüße Talvi
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05.01.03 15:01:11
http://www.nzz.ch/dossiers/schatten/schatten960916.html

Schatten des Zweiten Weltkriegs

Die Nationalbank im Gegenwind

Die Lieferungen von deutschem Raubgold in die Schweiz

Von Thomas Maissen*
In einem ersten Beitrag (NZZ 14./15. 9. 96) sind die Verhandlungen um deutsches Raubgold historisch nachgezeichnet worden, wie sie zwischen der Schweiz und den Alliierten stattfanden. Dabei wurde deutlich, dass die Nationalbank ihrer Sorgfaltspflicht nicht nachkam. Um so erstaunlicher ist, dass die Alliierten ihre Rückzahlungsforderungen nur zu einem relativ kleinen Teil durchsetzen konnten. Ausgespart blieb unter anderem der private, insbesondere jüdische Goldbesitz; in dieser Frage sind weitere Forschungen wünschenswert.

Die skandalösen Zahlen, mit denen die englische Presse die schweizerische Finanzwelt geisselt, sind - zumindest in dieser Höhe - falsch, das Produkt einer Verwechslung von Dollar und Schweizerfranken. Die Schweiz hat nicht deutsches Raubgold in der Höhe von 2,2 Mrd. Fr. in Empfang genommen und sich mit kläglichen 250 Mio. Fr. im Washingtoner Abkommen freigekauft. Allerdings lag auch der Wert des nachweisbar von der Schweizerischen Nationalbank (SBN) angekauften Raubgolds deutlich über dem Betrag, welcher der Iara (Interalliierte Reparationsagentur) entrichtet wurde.

Ausmass der deutschen Goldlieferungen
Im Lauf der Washingtoner Verhandlungen mussten die schweizerischen Delegierten eingestehen, dass in ihrem Land in den Kriegsjahren für insgesamt etwa 1,7 Mrd. Fr. (386 Mio. $) Gold aus Deutschland gekauft worden war, was sich auch in den Rechnungsbüchern der Reichsbank verzeichnet fand. Von dieser Summe gelangten 1,21 Mrd. Fr. an die Nationalbank und 428 Mio. in Depots anderer Notenbanken und zur BIZ. Laut Werner Rings («Raubgold aus Deutschland») waren zwei Drittel der insgesamt eingeführten 1,7 Mrd. Fr. Raubgold, das etwa hälftig aus den Niederlanden (562 Mio. Fr.) und dem belgischen Staatsschatz (532 Mio. Fr.) stammte.
Angesichts solcher Mengen Raubgold stellt sich die Frage, inwiefern die Vertreter der SNB ihre Sorgfaltspflicht vernachlässigten und so zu Hehlern der deutschen Kriegsplünderungen wurden. Selbst bei optimistischen Schätzungen musste auffallen, dass das Dritte Reich viel mehr Gold ausführte, als es bei Kriegsbeginn besessen hatte. Offiziell hatte die deutsche Goldreserve Ende 1938 einen Wert von 70,8 Mio. RM (127 Mio. Fr.); inoffiziell ging man von rund 500 Mio. RM (900 Mio. Fr.) aus. Die Schweizer Delegation in Washington meinte dagegen, es seien 2 Mrd. Fr. gewesen; diese grosszügige Schätzung lag allerdings in ihrem ureigenen Interesse, hoffte sie doch so ihre Behauptung verteidigen zu können, das in die Schweiz eingeführte deutsche Gold stamme aus Vorkriegsreserven.

Die Rechtfertigung, die SNB habe das deutsche Gold in gutem Glauben angenommen, lässt sich jedoch nicht aufrechterhalten. Bereits am 16. August 1942 erschien in der NZZ ein Artikel von Salomon Wolff über «Das Gold in der Kriegswirtschaft» (dazu Klaus Urner in der NZZ vom 23. Juli 1985), der nachwies, dass die Goldbestände der Reichsbank zum Teil aus Raubgut bestanden. Auch andere Informationen, die lange vor den alliierten Mahnungen eintrafen, wurden von den Verantwortlichen der SNB bereitwillig ignoriert.

Berechnung der alliierten Forderungen
Die Amerikaner schätzten nach dem Krieg, dass die deutschen Behörden Währungsgold in der Höhe von mindestens 579 Mio. $ (2,55 Mrd. Fr.) gestohlen hatten; Deutschlands Goldreserve vor dem Krieg schätzten auch sie auf 206 Mio. $, also gut 900 Mio. Fr. Da insgesamt für 391 Mio. $ Gold in die Schweiz exportiert worden war, hatte die Schweiz selbst im für sie günstigsten Fall, d. h. wenn sie die 206 Mio. $ ursprünglich deutschen Goldes erhalten hatte, immer noch für 185 Mio. $ Raubgold eingeführt. Wahrscheinlicher war allerdings, dass ihr Beutegold ungefähr in demselben Verhältnis zugeführt wurde, in dem das gesamte gestohlene Gold zur gesamten deutschen Edelmetallreserve stand. Diese Analogie ergab einen Anteil von 75% gestohlenem Gold, was im Fall der Schweiz einem Gegenwert von 289 Mio. $ (1,27 Mio. Fr.) entsprach. Von dieser Summe gingen die Forderungen im Lauf der Washingtoner Verhandlungen zuerst auf diejenigen 185 Mio. $ zurück, die gemäss den amerikanischen Berechnungen auch im für die Schweiz günstigsten Fall Raubgold sein mussten, und später auf die 130 Mio. $ (572 Mio. Fr.) Gold belgischen Ursprungs, die nachweislich von der Schweizer Notenbank übernommen worden waren.
Allerdings war ein Teil davon an Drittländer weiterverkauft worden. So betrachteten die Briten und die Amerikaner die 250 Mio. Fr., die in Washington ausgehandelt wurden, als knapp vertretbaren Kompromiss; die Summe entsprach zwei Dritteln des ursprünglich belgischen Golds (im Wert von rund 370 Mio. Fr.), auf das gut belegte Ansprüche an die Schweiz bestanden. Zusammen mit dem hälftigen Anteil an den deutschen Guthaben in der Schweiz erhielten die Alliierten auf dieser Basis etwa 500 Mio. Fr. für den Goldpool der Iara.

Waren die Alliierten nachgiebig?
Ausgehend von der Anfrage Janner muss noch der Frage nachgegangen werden, ob die Westmächte im Washingtoner Abkommen nicht mehr Geld für Kriegsopfer hätten herausholen können. Die Schweiz war Anfang 1946 international isoliert, und insbesondere die Amerikaner und grosse Teile der Presse betrachteten sie als Kriegsgewinnlerin; machtpolitisch hatte sie gegen die Siegerstaaten ohnehin nichts aufzubieten. Die Blockbildung des kalten Krieges stand noch bevor; allein in den freihändlerischen Briten hatte Bern eine gewisse Stütze gegenüber amerikanischen Sanktionsdrohungen.
Der moralischen und politischen Übermacht begegnete die Delegation in Washington mit der offenbar ehrlichen Überzeugung, in einer existenzbedrohenden Situation noch stets im Rahmen rechtsstaatlicher Prinzipien verblieben zu sein. Auch ein durchaus amerikafreundlicher und integrer Delegierter wie William Rappard vertrat diesen formaljuristischen Standpunkt. Das in die Schweiz eingeführte Gold wurde - das gilt es auch in der aktuellen Debatte zu beachten - nicht zugunsten eines kriminellen Staates oder im Auftrag von Kriegsverbrechern versteckt; es war die Gegenleistung für Schweizer Devisen und Rüstungsgüter, die in den Kriegsjahren auch mit anderen Staaten gehandelt wurden. Die SNB hat also kein Gold unterschlagen, jedoch als Hehler fungiert; auch das ist ein Befund, der selbst angesichts der Zeitumstände kein gutes Licht auf die Verantwortlichen wirft. Nach Alternativen in der Goldpolitik wurde im Unterschied zu anderen neutralen Ländern kaum gesucht.

Legalistischer Standpunkt der Schweiz
In der Schweiz von 1946 fehlte jedoch ein entsprechendes Unrechtsbewusstsein. Das zeigten auch die Debatten im Nationalrat und die Reaktionen der Presse nach dem Washingtoner Abkommen, in dem moralische und machtpolitische Argumente bis zu einem gewissen Grad über juristische gesiegt hatten: Die Rede war von einem «Diktat», ja von einem «zweiten Marignano». Vor diesem Hintergrund lässt sich das hartnäckige Feilschen in Washington verstehen. 250 Mio. Fr. waren eine beträchtliche Summe, wie ein Vergleich zeigt: In der eidgenössischen Staatsrechnung von 1946 waren Ausgaben in einer Höhe von 1,57 Mrd. Fr. ausgewiesen.
Die Westmächte waren ihrerseits sehr daran interessiert, dass die Verhandlungen überhaupt zu einem Ende kamen; ein Scheitern hätte die folgenden Verhandlungen mit anderen Neutralen präjudiziert. Ausserdem war nicht nur die völkerrechtliche Basis der alliierten Forderungen dünn, auch die faktisch möglichen Repressionsmassnahmen blieben beschränkt, zumal London nicht zu Wirtschaftssanktionen bereit war. Zuletzt war auch Truman überzeugt davon, dass ein faires Abkommen getroffen worden war. Spätere Bemühungen etwa der Tschechoslowakei und Hollands, an in die Schweiz ausgeführtes Raubgold heranzukommen, blieben entsprechend erfolglos.

Weitere Forschungen sinnvoll
In den Kellern der SNB wird vermutlich auch der englische Aussenminister Rifkind kein herrenloses Nazi-Gold finden. Gleichwohl ist es sinnvoll, mit - möglicherweise inzwischen zugänglichem - neuem Archivmaterial den deutschen Goldraub und die folgenden Transaktionen genauer zu untersuchen. Bei den Washingtoner Verhandlungen und im Schoss der Iara ging es aus praktischen Gründen stets um den Goldraub an Zentralbanken, weil dieser den prozentual deutlich grössten Teil ausmachte. Ansprüche privater Opfer des Nationalsozialismus und des Krieges wurden gar nicht behandelt. Ohne Zweifel haben jedoch die Deutschen eine grosse Menge Gold insbesondere aus jüdischem Besitz konfisziert: In Holland waren es beispielsweise 39 Tonnen Gold aus Sonderabgaben, mit einem Gegenwert von gut 200 Mio. Fr. Von den 704 Mio. Fr. Gold, welche die Deutschen in Holland insgesamt raubten, gelangten, wie oben erwähnt, 562 Mio. Fr. in die Schweiz, also rund 80%. Gemäss Milchmädchendreisatz dürften somit etwa 32 Tonnen Gold aus jüdisch-niederländischem Privatbesitz in die Schweiz eingeführt worden sein. Ein noch traurigeres Kapitel ist das «Totengold» aus Konzentrationslagern; es ist nicht einzusehen, weshalb Deutschland darauf verzichtet haben sollte, aus Zahnfüllungen und Eheringen gefertigte Goldbarren in die Schweiz auszuführen.
Es ist also ein Desiderat der historischen Forschung, auf Grund einer soliden Quellenbasis abzuschätzen, wie gross der Anteil privaten und insbesondere jüdischen Besitzes am gesamten Beutegold war. Nicht juristisch, wohl aber moralisch begründet, liessen sich dann allenfalls Forderungen an die SNB bzw. die Schweiz formulieren: etwa im Sinn einer Zahlung an Opfergruppen des Nationalsozialismus, die sich zu den 1946 dem Iara-Pool entrichteten 250 Mio. Fr. so verhält wie das Raubgold privaten Ursprungs zu demjenigen der Zentralbanken.


Den Umrechnungen der verschiedenen Währungen wurden die Wechselkurse vom Juni 1939 zugrunde gelegt: 1 $ = Fr. 4.40 (1946: Fr. 4.20); 1 £ = Fr. 20.75; 1 RM = 55 Rp.


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Grüße Talvi
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05.01.03 15:20:19
He talvi -

was ist los mit Dir ?
Heute nur todernste Themen ?

- hast aber schon recht, gehört leider alles dazu ...

Beste Grüße Konradi
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05.01.03 15:28:47
@talvi

Sagt Dir denn der Zusatz auf diesem "geheimen Staatsvertrag" gar nichts ? Löst das nicht irgend etwas bei Dir aus ? Wenn schon die vorangegangenen Textblöcke Dich wirkungslos passiert haben ?

Sofern die Kopie des Staatsvertrages in falsche Hände gelangt, empfehle ich dringend, die Echtheit abzustreiten

ein kopfschüttelnder

SEP
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05.01.03 21:08:17
Um es kurz auf den Punkt zu bringen.

1945 haben die Amerikaner sich die Goldbestände der Reichsbank unter den Nagel gerissen und damit die gigantische atomare Aufrüstung während des Kalten Krieges finanziert.

:D
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05.01.03 21:31:11
na, das ist ja wieder ein Niveau hier.

SEP
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05.01.03 22:43:02
Das Schriftstück ist – falls trotz der stümperhaften Ausfertigung Zweifel bestehen sollten –
natürlich eine Fälschung von vermutlich rechtsradikalen Kreisen.
Einen "Staatsminister Rickermann" hat es nie gegeben.
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06.01.03 03:34:57
@baybay, hast Du irgendeinen Beleg für Deine kühne Behauptung, oder übst Du nur Dein Verständnis von Meinungsfreiheit aus ?

SEP
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06.01.03 09:31:35
na, das ist ja wieder ein Niveau hier.

SEP


Für unterstes Niveau bist ja Du hinreichend bekannt:laugh:

hast Du irgendeinen Beleg für Deine kühne Behauptung, oder übst Du nur Dein Verständnis von Meinungsfreiheit aus ?

Aus verständlichen Gründen schleppe ich nicht tausende von Büchern und hunderte von Videokassetten mit mir rumm, ganz zu schweigen von dem was man so überall im Laufe eines Lebens mitbekommt ohne daß man einen geladenen Videorekorder zur Hand hat. Die Dokumentation von Fernsehberichten wird durch die beliebte Methode von unangekündigten zeitgeschichtlichen Fernsehberichten zu später Stunde in dieser freiesten Diktatur auf deutschem Boden bewußt erschwert. Man könnte sicherlich argumentieren dies wäre eine subjektive Wahrnehmung, was aber nicht zutrifft.

Habe trotzdem eine Videokassette des hessischen Fernsehens von 1998 über die Rhön gefunden. In einem kurzen Ausschnitt wird auch über den Fund des Reichsbankschatzes im April 1945 in irgendeinem Bergwerk berichtet.
Kommentar: Unter Leitung der Generäle Bradely und Eisenhower drangen die Allierten in das Bergwerk ein. Wenige Tage später wurde der Schatz nach Frankfurt abtransportiert. Der weitere Verbleib ist bis heute nicht geklärt.


:eek:
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06.01.03 14:22:34
@Sep
Ausgangspunkt war bei mir:
Goldbestand der Deutschen Bundesbank bei ihrer Gründung.

Das Thema Nazigold kam dann ganz von alleine.

#3"Über die Echtheit kann ich keine Aussage machen"

War deutlich zu lesen.OK.Gebe zu,ein bißchen unglücklich die URL!

Ich persönlich habe die Zeit nicht mit erlebt und wünsche mir so einen Zeitabschnitt auch nicht.

Grüße Talvi

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http://www.hagalil.com/bb/hagalil.gif

Ausgerissen und versilbert:

Akten zum Zahngold vermutlich vernichtet

Nach Angaben des zentrales deutschen Archivs in Koblenz (Rheinland-Pfalz) werden die Akten vermißt. Einen Beweis der Vernichtung der «ehedem nachweisbaren Unterlagen» gebe es jedoch nicht, heißt es in einer Stellungnahme des Archivs. Der Deutschland-Direktor der Claims Conference, Karl Brozik, nannte es «sehr befremdlich, dass die Akten verschwunden sind». Brozik kündigte an, die Claims Conference werde sich mit der Angelegenheit beschäftigten und Nachforschungen nach den Unterlagen anstellen. Die Organisation mit Sitz in New York und Frankfurt am Main vertritt Ansprüche jüdischer Holocaust-Opfer gegenüber dem deutschen Staat. Aus einem Ministerium in Bonn verlautete, wegen der verschwundenen Unterlagen lasse sich nicht mehr genau bestimmen, wieviel Gold die Nazis ihren Opfern tatsächlich geraubt hätten.



Das Archiv in Koblenz hatte in Zusammenarbeit mit dem Historischen Archiv der deutschen Bundesbank einen Bericht angefertigt, um eine Übersicht des Aktenbestandes zu erhalten. In Bonn hieß es, von den Akten, sei ein Teil verschollen. Auch in den Archiven seien sie nicht aufzufinden. Nach einem TV-Bericht von Mittwoch wurden die Dokumente Ende der 70er Jahre vernichtet.

Unter anderem sind nach Angaben aus Bonn und der Bundesbank die «Melmer-Akten» verschwunden. Was mit diesen Unterlagen geschah, könne derzeit nicht geklärt werden, hieß es in Bonn. Der Offizier der Nazi- Sondertruppe SS, Bruno Melmer, hatte darin Buch über das Gold geführt, das Häftlingen der Konzentrationslager gestohlen worden war. Juden und andere Holocaust-Opfer mußten Schmuck und sonstige Wertsachen abgeben, auch Zahngold wurde ausgerissen und geraubt. Das Gold wurde nach Reinigung von Blut und Knochen eingeschmolzen. Um den Krieg zu finanzieren trieben die Nazis mit der Schweiz einen florierenden Handel. Nach den Recherchen einer Schweizer Kommission besaß die Schweizerische Nationalbank 119,5 Kilogramm Schmuck- und Zahngold von KZ-Häftlingen.

Insgesamt nahmen die Nationalsozialisten ihren Opfern noch in den Vernichtungslagern Gold im Wert von mehren Millionen Mark weg. Allein das «Melmer-Gold» trug nach einer Schweizer Studie 2,5 Millionen US- Dollar bei.

Bei der Suche nach den Akten durchforstete auch die deutsche Bundesbank ihr Archiv. Nach eigenen Angaben aber besaß sie niemals Akten über das von den Nazis geraubte Zahngold. Die Experten der Bundesbank hätten schon vor Jahren danach gesucht, aber nichts gefunden, sagte der stellvertretende Leiter der Abteilung Bibliothek und Archiv, Harald Pohl, der dpa in Frankfurt.

Die Akten der Reichsbank wurden nach Darstellung Pohls 1945 in die USA transportiert. 1948 hätten die Amerikaner den Bestand wieder an die Bank Deutscher Länder zurückgegeben. In den folgenden Jahren sei der Reichsbankabwickler beim deutschen Finanzministerium dafür zuständig gewesen.

Die deutsche Bundesbank habe erst Ende der 70er Jahre Teile der Originalakte sowie die verfilmten Unterlagen erhalten. Allerdings seien die «Melmer-Akten» nicht dabei gewesen. Die Bundesbank hat nach eigener Darstellung etwa ein Fünftel der Originalakten von damals im Keller. Die Unterlagen über Goldlieferungen aus von Deutschland besetzten Ländern wie Belgien oder Italien seien allerdings erhalten. Das Archiv ist nach Angaben Pohls offen und kann jederzeit eingesehen werden.

haGalil onLine - Friday, 25. October 2002
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06.01.03 16:14:46
@baybay

der Großteil, etwa 90% des Reichsbankgoldes wurde von der SS über Mittenwald nach Einsiedel gebracht, und von dort aus in extra dafür angelegte Depots verbracht, also vergraben.

Dieses Gold ist kurz nach dem Krieg von den Amerikanern sichergestellt worden, nach Verhören der daran beteiligten Offiziere, bis auf 36 Kisten mit Barren und Münzen, die verschwunden sind. Ich hoffe nicht, daß Du das Raubgold des deutschen reiches als geraubt bezweichnen möchtest.

Man vermutet, ein mit der Vergrabung betrauter Oberst, Kommandeur der Kaserne von Mittenwald, hat womöglich mit der Fehlmenge etwas zu tun. Dieser jedenfalls hat die Nachkriegszeit in Argentinien verbracht, und Teile der Devisenbestände, die ebenfalls vergraben worden sein sollten, dort an die USA ausgehändigt.

Im Gegensatz zu Dir habe ich keine Mühe, derartige Sachen zu belegen, bzw Dir darüber einen aussagekräftigen und sehr glaubwürdigen Link im Internet zur Verfügung zu stellen.

Im Gegenzug wäre ich interessiert, von Dir einen Link für die Behauptung zu erhalten, daß mit diesem Gold, wie Du es ausdrückst,

die gigantische atomare Aufrüstung während des Kalten Krieges finanziert. wurde.

Ich denke allerdings, daß Deine Behauptung eher so abgehandelt werden muß, wie dies zwischen Deinen Zeilen bereits deutlich erkennbar wird.


SEP
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06.01.03 18:22:39
Deine Räuberpistolen interessieren nicht!

Außerdem kannst Du offensichtlich nicht lesen oder leidest Du an Halluzinationen

@talvi

War deutlich zu lesen.OK.Gebe zu,ein bißchen unglücklich die URL!

Wenn Du eine solche URL hier reinstellst kannst Du sicher sein, daß sich SEP und Konsorten wie die Aasgeier darauf stürzen. Der ist mittlerweile sowieso schon als Boardblödel bekannt.
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06.01.03 19:35:12
Nur zur Demonstration was für Schauergeschichten dieser Chaot hier im Board verbreitet die Werbung des Werra-Museums im Internet.


http://www.tegut.com/cgi-bin/frame.asp?target=http://www.teg…

Werra-Kalibergbau-Museum und "Monte Kali"
Dickesstraße 1; 36266 Heringen; Tel.: 0 66 24 / 91 94 13 (Info) oder 51 27 (Verwaltung); E-Mail: Kalimuseum@Heringen.de; Internet: www.Heringen.de/Kalimuseum; Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 14-17 Uhr; Gruppen ab 10 Personen nach Vereinbarung;
Besichtigungen "Monte Kali" vom 1. März bis 31. Oktober; nur mit Führung nach Voranmeldung im Kalimuseum.

Die Welt unter Tage ist im Erlebnis-Bergwerk Merkers "live" zu erleben. In 500 bis 800 Meter Tiefe geht die Fahrt 25 km lang durch 250 Millionen Jahre alte Salzschichten. Immer wieder wird sie von besonderen Höhepunkten unterbrochen: Etwa dem Goldraum, wo am Ende des 2. Weltkriegs die Amerikaner wertvolle Kunstschätze und 220 Tonnen Gold - die Reserven der Reichsbank - gefunden haben. Oder die einmalige Kristallgrotte mit glasklar funkelnden, bis über einen Meter großen Salzkristallen, die kombiniert mit einer Licht-Musik-Installation die Besucher in ihren Bann zieht.

:laugh:
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06.01.03 19:44:30
Schon irgendwie lustig, wenn einer glaubt oder den Eindruck zu erwecken versucht, der Kalte Krieg bzw. dessen Finanzierung sei vom "Nazigold" abhängig gewesen.
Ich verrat dir was: Uran war dafür wichtiger, ebenso ein funktionierendes Wirtschaftssystem, ob mit oder ohne Gold.
Und gottverdammt, wir haben es den Sowjets gezeigt :D
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07.01.03 01:36:40
das darf ich hier nochmals reinstellen, weil es so köstlich ist. Quelle baybay

1945 haben die Amerikaner sich die Goldbestände der Reichsbank unter den Nagel gerissen und damit die gigantische atomare Aufrüstung während des Kalten Krieges finanziert

Das mit dem "unter den Nagel" reißen, das ist halt so, wenn man den Krieg verliert. Dann verliert man auch das sorgsam zusammengeraubte Gold.

Aber die Verwendung durch die Amerikaner, das ist wirklich lustig. Ich hoffe, der Präsident der USA hat sich von dem Raubgold wenigstens zusätzlich eine einzige gute Zigarre genehmigt.

SEP
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07.01.03 18:39:18
#17 gholzbauer

"...wir haben es den Sowjets gezeigt"

Was haben wir denn den Sowjets gezeigt?
Etwa wie wir aus dem Westen die Mafia in Russland unterstützen und helfen dass das einfache Volk nach der Wende völlig verarmt?

Du solltest Dich mal nicht zu früh freuen. Die Russen haben richtig Probleme in ihrem Land. Viele wissen nicht wie sie das nötigste zum Überleben finanzieren sollen. Solche Probleme hatte der einfache Russe während der Sowjetzeit nicht.
Was in Russland überhaupt noch funktioniert, ist die Rüstung. Wenn da mal nicht die falschen an die Macht kommen. Dann könnte es über Nacht heißen, die Russen haben es diesen satten Deutschen aber mal so richtig gegeben.:eek:
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07.01.03 19:58:19


http://www.nzz.ch/dossiers/schatten/scha981020fem.html


Der Goldraub in den bayrischen Alpen

Nach Kriegsende sind in der amerikanischen Besatzungszone grosse Mengen von Gold und Devisen spurlos verschwunden
Mit akribischem Aufwand untersucht die Schweiz gegenwärtig ihre Wirtschaftsbeziehungen mit Hitler-Deutschland. Dabei steht der Goldhandel der Nationalbank im Zentrum des Interesses. Völlig unbeachtet ist bis jetzt geblieben, dass in der unmittelbaren Nachkriegszeit in der US-Besatzungszone Gold, Devisen und Wertgegenstände im Wert von einigen hundert Millionen Franken spurlos verschwunden sind, obwohl zwei britische Forscher schon vor Jahren auf diesen Fall aufmerksam gemacht hatten.

fem. Anfang 1945 zeichnete sich ab, dass die militärische Lage von Berlin hoffnungslos geworden war. Von Osten näherte sich rasch die Rote Armee, und aus der Luft liess die stete Serie alliierter Bombenraids nicht mehr nach. Am 3. Februar erhielt auch das Gebäude der Reichsbank mehrere Volltreffer. Für die Währungshüter des Tausendjährigen Reichs war dies das Zeichen, mit ihren Evakuationsplänen Ernst zu machen: Wenige Tage später verliess ein Spezialzug die Hauptstadt und brachte den wesentlichsten Teil der Gold- und Devisenvorräte nach Thüringen, wo sie in einem alten Bergwerk bei Merkers eingelagert wurden. Hier wurden sie von den anrückenden amerikanischen Truppen am 7. April entdeckt und konfisziert.

Doch bei dieser Gelegenheit wurde nicht das gesamte Staatsvermögen nach Süden verschoben. Der Rest, vielleicht zehn Prozent der ursprünglichen Bestände, lagerte immer noch, als letzte Reserve, in den notdürftig gesicherten Kellergewölben des Währungsinstitutes. Knapp einen Monat vor Kriegsende beschloss der Präsident der Reichsbank, Walther Funk, nach Rücksprache mit dem Führer, auch diesen Rest auszulagern, und zwar in die bayrischen Alpen, in das Zentrum der phantastischen Alpenfestung, wo die Nationalsozialisten dem Feind trotzen und den Anbruch besserer Zeiten abwarten wollten. Funks Idee war allerdings nicht sonderlich originell, bewegte sich doch in diesen letzten Wochen des Krieges ein eigentlicher Treck von hohen Offizieren, hohen Beamten und anderen Repräsentanten des Reiches nach Süden. Am 14. April verliessen so zwei Sonderzüge Berlin, die im wesentlichen Devisen und andere Wertgegenstände geladen hatten. Etwas später folgte ein Kolonne von Lastwagen mit dem Gold. Trotz der ständigen Gefahr, von Tieffliegern angegriffen zu werden, erreichten die Konvois am 19. April München.

Nächtliche Grabarbeiten
Die sich rapide verschlechternde militärische Situation zwang Reichsbankpräsident Funk allerdings, bei der Suche nach einer sicheren Lagerstätte zu improvisieren. Da erinnerte er sich, wie die beiden britischen Forscher Ian Sayer und Douglas Botting vor Jahren in einem Buch nachgewiesen hatten, an Oberst Franz Pfeiffer, den Kommandanten der Gebirgsjägerschule in Mittenwald bei Garmisch-Partenkirchen; dieser pflichtbewusste Wehrmachtsoffizier schien am ehesten in der Lage, in diesem Dorf hart an der österreichischen Grenze für die Sicherheit dieses Teils des deutschen Staatsschatzes zu sorgen. Am 22. April hielt denn auch eine Kolonne von schwer beladenen Opel-Lastwagen vor der Kaserne, womit sich Pfeiffer plötzlich vor das Problem gestellt sah, grosse Vermögenswerte in Form von Gold, Banknoten und Wertgegenständen möglichst unauffällig zu verstecken.

Doch in Mittenwald war alles in Auflösung begriffen. Einheimische, Flüchtlinge, prominente Nazis, SS-Offiziere, Deserteure und entlaufene Zwangsarbeiter hatten sich in diesem Winkel der bayrischen Alpen versammelt und verfolgten den Zerfall des Dritten Reiches, der sich mit dem raschen Heranrücken der amerikanischen Truppen noch beschleunigte. Selbst Oberst Pfeiffer sah ein, dass bewaffneter Widerstand sinnlos geworden war. Immerhin wollte er den letzten Auftrag aus Berlin so gut wie möglich erfüllen: Zusammen mit einigen Untergebenen vergrub er deshalb Ende April die Schätze, die ihm Walther Funk anvertraut hatte. Er war im übrigen nicht der einzige, der in diesen Tagen in Hitlers Réduit mit Schaufel und Pickel hantierte. In Alt Aussee beispielsweise entdeckten die Alliierten später im Garten des berüchtigten Gestapo-Chefs Ernst Kaltenbrunner 75 Kilo Goldmünzen und eine Anzahl von Goldbarren.

Dann kam der 8. Mai 1945. Die Soldaten der Wehrmacht zogen ihre Uniformen aus und versteckten sich zu Hause oder bei Freunden; die Alliierten wiederum suchten nach den vielen prominenten Vertretern des Dritten Reichs, die sie in der Alpenfestung vermuteten. Gleichzeitig begannen in der Gegend die ersten Gerüchte über phantastische Goldschätze zu zirkulieren, welche hier in den letzten Tagen des Krieges versteckt worden seien. Zu viele Augen hatten die Säcke und Kisten gesehen, die von geheimnisvollen Lastwagen ab- und dann wieder aufgeladen worden waren, zu viele deutsche Soldaten hatten sich an den Grabarbeiten beteiligt, als dass man das Gerede über die nächtlichen Vorgänge rund um Mittenwald hätte unterdrücken können. Und so kam dieses bald einmal auch den Befreiern aus Übersee zu Ohren, deren Agenten im übrigen bereits die Evakuationen aus der Berliner Reichsbank-Zentrale sorgfältig registriert hatten.

In den irrealen ersten Tagen nach dem Waffenstillstand, im Schwebezustand zwischen alten und neuen Autoritäten, zwischen einer vergangenen und einer anbrechenden Epoche, musste der Gedanke an die vergrabenen Schätze die Phantasie vieler Leute beflügelt haben - und zwar auf seiten der Besiegten wie auf seiten der Sieger. Sahen die einen darin vielleicht eine mögliche Entschädigung für den entbehrungsreichen Kampf gegen die Nationalsozialisten, so witterten die Besiegten hier eine Möglichkeit, auf elegante Weise an das Startkapital für ein neues Leben heranzukommen. Zu den Nationalsozialisten, die sich den neuen Verhältnissen anzupassen hatten, gehörte auch Oberst Franz Pfeiffer. Die Tatsache, dass er immer noch verantwortlich war für die Sicherheit eines Teils des Reichsbank-Vermögens, bereitete ihm Kummer; einige Tage lang bewachte er mit einigen Getreuen die Verstecke, wo er Gold und Geld begraben hatte. Dann vertauschte auch er seine Uniform mit Zivilkleidern.

Die Stunde der Schatzjäger
Um einer drohenden Verhaftung zu entgehen, fasste er den Entschluss, wenigstens einen Teil seines Wissens einzutauschen gegen das Versprechen, von den Fahndungslisten der amerikanischen Militärpolizei gestrichen zu werden. Deshalb stellte er sich Anfang Juni den Besatzungsbehörden und versprach, diese zu einem Teil der gesuchten Reichsbank-Schätze zu führen. Und so fuhr eines Nachts ein kleiner Trupp von GI mit einem Lastwagen auf der Strasse von Garmisch nach Oberau, und immer wieder zeigte Pfeiffer auf einen Heuschober links und ein Mäuerchen rechts, worauf seine Begleiter mit Pickel und Schaufel ans Werk gingen. Die Expedition kehrte am andern Morgen mit einem Lastwagen voller Dollarnoten zurück - total 8 Millionen (knapp 60 Millionen Dollar nach heutigem Geldwert).

Dem verantwortlichen Offizier war diese Fracht unheimlich, weshalb er sich ihrer so rasch als möglich zu entledigen suchte. Er fuhr zum Stadthaus von Garmisch-Partenkirchen, wo der Kommandant der lokalen Militärverwaltung amtierte - ein 37jähriger ehemaliger Ingenieur aus Wisconsin. Dieser nahm die kostbare Fracht entgegen, und in diesem Gebäude verliert sich auch deren Spur. Auf jeden Fall scheint sie nie da gelandet zu sein, wo sie eigentlich hätte landen sollen: bei der alliierten Sammelstelle für konfiszierte Vermögenswerte, der Foreign Exchange Depository (FED) in Frankfurt.

Doch Pfeiffer hatte den Amerikanern nicht sein ganzes Wissen preisgegeben: die Kenntnis der beiden grössten Verstecke behielt er für sich - vermutlich aus einer Mischung von Pflichtgefühl gegenüber dem deutschen Vaterland wie aus dem Bedürfnis heraus, für alle Fälle über einen letzten Trumpf zu verfügen. Nur hatte er die Rechnung ohne seine ehemaligen Untergebenen und Grabungshelfer gemacht. Diese sannen gleichfalls darüber nach, wie sie ihren Kopf aus der Schlinge ziehen könnten, und gaben schliesslich ebenfalls den Amerikanern ihr Wissen stückweise preis. Schliesslich sass Oberst Pfeiffer in der Falle; vor die Alternative gestellt, die ganze Wahrheit zu enthüllen oder ins Gefängnis zu wandern, entschied er sich für die Freiheit. Auf Grund seiner Hinweise räumte in der Nacht vom 1. zum 2. August ein US-Kommando das Versteck in Oberau; es enthielt 400 000 Dollar, die auf das Divisionshauptquartier in Garmisch gebracht wurden. Was danach mit dem Geld geschah, ist nicht bekannt, auf jeden Fall ist es verschwunden.

Kurze Zeit später tauchten die Schaufelträger schliesslich beim letzten von Pfeiffer angegebenen Versteck auf, das sich im Haus der Gebrüder von Blücher in Garmisch befand. Wie Maulwürfe arbeiteten sie sich durch Haus und Garten; am Schluss lagen 404 840 Dollar sowie 405 englische Pfund auf dem Stubentisch, und die beiden Deutschen rangen den Amerikanern eine Quittung für die Entgegennahme dieser Summe ab. Danach packte ein amerikanischer Geheimdienstoffizier namens Neumann die Notenbündel in den Kofferraum seines Wagens und fuhr damit weg. In diesem Fall lässt sich die Spur des Geldes immerhin noch etwas länger verfolgen: Es wurde auf ein Konto der Besatzungsbehörden bei der Münchner Landeszentralbank einbezahlt. Doch hier scheint es sich in Luft aufgelöst zu haben; in den Büchern der FED in Frankfurt sind diese Posten jedenfalls nirgends verzeichnet.

Als die USA auf Grund des wachsenden deutschen Interesses an dieser Angelegenheit 1948 um Auskünfte über diese Konten gebeten wurden, lautete die Antwort lakonisch: «Die amerikanische Haltung hat den Punkt erreicht, wo sie nicht mehr länger an einer möglichen Rückgewinnung der erwähnten Vermögenswerte interessiert ist.» Das Ende des amerikanischen Besatzungsregimes in Deutschland näherte sich rasch, und die Neigung, unangenehme Fälle und ungelöste Kriminalfälle unter den Teppich zu kehren, nahm dementsprechend zu; schliesslich war die Rolle der USA bei der Befreiung Europas eine heroische gewesen. Alle hängigen Untersuchungen der amerikanischen Militärpolizei scheinen deshalb nach 1949 eingestellt worden zu sein.

Geburt des Goldmythos
Immerhin hat sich die amerikanische Armee in andern Fällen ernsthaft um die Rückgewinnung vermisster Vermögenswerte bemüht und diese auch völlig korrekt abgewickelt. So fanden tatsächlich alle 728 Goldbarren, die Reichsbankpräsident Funk in Mittenwald verstecken liess, den Weg nach Frankfurt und gingen schliesslich im Goldpool der Tripartite Gold Commission auf. Und dennoch entstand zu dieser Zeit der Mythos des sagenhaften Nazigoldschatzes, der 1957 im Guinness Book of Records unter der Rubrik «Raubüberfälle: grösste ungelöste» zu folgendem Eintrag führte: «Der grösste ungelöste Raub ist derjenige des deutschen Währungsgoldes in Bayern durch amerikanische Militärs und deutsche Zivilisten im Juni 1945.» Es war schliesslich dieser Mythos, der 50 Jahre später für kurze Zeit die Phantasie der Weltöffentlichkeit eroberte, weil man fälschlicherweise den sagenhaften Nazigoldschatz in den Kellern der Schweizer Nationalbank unter dem Bundesplatz in Bern vermutete.

Die Gerüchte - so absurd sie im Falle der Schweiz sind - könnten dennoch einen realen Hintergrund haben. In einem 1950 in der Zeitschrift «Wochenend» publizierten Artikel (sowie später in ihren Memoiren) schilderte Henrietta von Schirach, die Frau des ehemaligen Reichsjugendführers Baldur von Schirach, einen wenige Wochen vor Kriegsende erfolgten Transport von beträchtlichen Vermögenswerten aus Berlin nach Mittenwald. Der Zeitpunkt, die angegebenen Quantitäten (144 Goldbarren, Devisen, Diamanten und Quecksilber) sowie die angegebene Route stimmen jedoch nicht im geringsten mit den Daten der offiziellen Reichsbank-Konvois von Mitte April überein. Die Schlussfolgerung, dass in der Endphase des Krieges zwei Transporte aus Berlin in Südbayern eingetroffen sein mussten, ist deshalb naheliegend.

Dass derjenige, von dem von Schirachs Ex- Gattin spricht, nirgends in den Büchern der Reichsbank auftaucht, ist durchaus kein Gegenargument. Denn gewisse Instanzen und Amtsstellen des Dritten Reichs hatten eigene Finanzquellen erschlossen, so etwa das Aussenministerium, die Waffen-SS oder die Abwehr. Doch sind Ausmass und Schicksal dieser Vermögenswerte bis heute weitgehend unerforscht geblieben. Dies ist um so bedauerlicher, als man annehmen muss, dass sich darunter auch Opfergold befunden haben könnte, Gold also, das aus dem Besitz vertriebener oder ermordeter Juden stammte.

Dies würde insbesondere auch auf den von Henrietta von Schirach behaupteten Transport zutreffen. Dass dieser nicht einfach Produkt eines Hirngespinstes war, belegen Augenzeugenberichte, welche die beiden britischen Autoren Ian Sayer und Douglas Botting in den siebziger Jahren gesammelt haben. Der Leiter einer der Ausgrabungen, ein amerikanischer Offizier namens Albert Singleton, gab zu Protokoll, dass ihm völlig fremd vorkomme, was andere Beteiligte den beiden Briten über die Rettung der 728 Goldbarren erzählt hatten. Und fremd seien ihm sämtliche Personen, die auf den entsprechenden Erinnerungsphotos verewigt sind. Umgekehrt war den Besitzern dieser Photos weder der Name Singleton ein Begriff noch auch die deutschen Helfer, die dieser auf seinen Schnappschüssen festgehalten hat. Nach Singeltons Erinnerung wurde «sein» Gold nach München gebracht, wo es der Obhut der 10th Armored Division übergeben wurde. Hier bricht die Spur ab. Wurde es tatsächlich gestohlen, so wäre es tatsächlich eine Tat von Guinness-Book-Dimensionen.

Mysteriöser Fund zweier Goldbarren
So phantastisch die Geschichte vom Goldraub im Bayrischen Wald tönen mag, so offensichtlich sind handkehrum gewisse Fakten: Es ist erwiesen, dass es vor allem in der ersten Phase der amerikanischen Militärverwaltung zu zahlreichen Unregelmässigkeiten kam. Davon zeugen eine ganze Serie von offiziellen Untersuchungen, welche die amerikanische Militärjustiz in dieser Zeit gestartet hat. Diese Tätigkeit war nicht immer ganz harmlos; einer der involvierten Agenten der Criminal Investigation Division (CID), Walter Snyder, wurde 1948 von unbekannten Tätern erschossen. Als die Foreign Exchange Depository (FED) in Frankfurt rund zwei Jahre nach Kriegsende umfassenden Kassensturz machte, stellte sie zahlreiche Diskrepanzen fest. Dies betraf insbesondere auch die Reichsbank: «Regarding the regular Reichsbank currency balance, the discrepancies consist almost exclusively of deficits», heisst es in einem Bericht, der dann die Verluste nur schon an ausländischen Währungen auf nahezu 2 Millionen Dollar (über 8 Millionen Franken gemäss damaligem Geldwert) bezifferte.

Auf weitere Unregelmässigkeiten verwies zudem der amerikanische Chefankläger bei den Nürnberger Prozessen, Robert Kempner, in einem Brief vom 28. Dezember 1948 an die amerikanische Militärregierung in Berlin. Ihn beschäftigte das Schicksal eines Spezialfonds im Aussenministerium, der mit 15 Tonnen Gold dotiert war und über den bloss Ribbentrop selbst verfügen konnte. Knapp die Hälfte dieses Goldes sei in dessen Schloss bei Fuschl versteckt und nur teilweise sichergestellt worden. Kempner bat die Verantwortlichen in Berlin, diesem Problem ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden, weil er befürchtete, dieses Vermögen könnte «in den Dienst antiamerikanischer Absichten» gestellt werden.

Und dann gibt es den Fall der beiden vermissten Goldbarren, die in einem amerikanischen Memorandum von 1945 auftauchen, mit präzisen Angaben über Nummern und Gewicht. «Ich habe während Jahren versucht, hinter das Geheimnis ihres Verschwindens zu kommen», berichtet der britische Forscher Ian Sayer im Gespräch mit der NZZ. Während Jahren habe er in Washington interveniert und um entsprechende Abklärungen gebeten, doch sei er nur hingehalten oder abgewimmelt worden; gleiche Erfahrungen machte er mit der Deutschen Bundesbank. Erst die Kampagne des Jüdischen Weltkongresses gegen die Schweiz brachte Bewegung in diese Sache. Am 6. Mai 1997 gab die britische Regierung ihre Absicht kund, eine internationale Konferenz zur Goldfrage in London abzuhalten; am gleichen Tag veröffentlichte die amerikanische Regierung den ersten Eizenstat-Bericht, der das Verhalten der Schweiz während des Zweiten Weltkrieges und insbesondere den Goldhandel mit der Reichsbank sehr negativ beurteilte. Die Publizität, die diese beiden Ereignisse in London auslösten, brachte erneut auch das Thema der beiden Goldbarren aufs Tapet, über deren Schicksal die US- Regierung angeblich immer noch keine Auskunft zu erteilen wusste, obwohl sie innert 15 Monaten Millionen von Dokumenten zum Thema Schweiz zu sichten vermochte.

Nur zwei Tage später, am 8. Mai 1997, veröffentlichte die Bank of England jedoch ein Pressecommuniqué, in dem beiläufig erwähnt wurde, sie habe im übrigen zwei seit 1945 vermisste Goldbarren im Jahre 1996 von der Deutschen Bundesbank ausgehändigt erhalten, um sie dem Goldpool der Tripartite Gold Commission zuzuführen. Es waren die beiden Barren, die Sayer seit Jahren gesucht hatte - auf mysteriöse Weise 51 Jahre nach ihrem Verschwinden wieder aufgetaucht!

In der heutigen Ära der numismatischen Geschichtsforschung wäre es deshalb wünschenswert, den eigenartigen Vorgängen in den bayrischen Alpen kurz nach Kriegsende mit demselben Aufwand nachzugehen, wie man ihn in anderen Fällen auch betrieben hat. Es geht auch in diesem Fall um die Wahrheit - und ein wenig auch um Geld.


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Grüße Talvi


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Die Wahrheit über das Nazigold !?