DAX+0,21 % EUR/USD+1,59 % Gold+0,65 % Öl (Brent)+0,49 %

Habecks Lösung für die Zuwanderung Afrika "in eine wirtschaftliche Prosperität versetzen"

Gastautor: Rainer Zitelmann
09.07.2018, 09:04  |  1790   |  33   |   

"Wenn wir Fluchtursachen bekämpfen ernst meinen, dann meinen wir… die Staaten selbst in eine wirtschaftliche Prosperität zu versetzen, dass die Menschen nicht auf die Flucht gehen müssen", so Robert Habeck von den Grünen gestern im ARD-Sommerinterview.

Diesen Satz würden wahrscheinlich Politiker aller Parteien unterschreiben - Angela Merkel, die LINKE und die SPD sowieso, aber auch von Alexander Gauland konnte man neulich hören, der Königsweg sei es, in den Heimatländern der Flüchtenden zu helfen. Und Entwicklungshilfeminister Müller von der CSU erklärt uns ohnehin jeden Tag, die einzige Strategie sei es, mit Entwicklungshilfe in Afrika die Fluchtursachen zu beseitigen.

Doch in der Absurdität, wie Habeck es formuliert, kann das nur ein Grüner sagen: Afrika "in eine wirtschaftliche Prosperität zu versetzen" heißt: Es liegt in unserer Macht, Afrika in einen prosperierenden Kontinent zu verwandeln. Das ist natürlich eine Phantasterei, die typisch für grüne Politiker ist, deren Beruf ja die Rettung der Welt ist.

Tatsache ist: Die EU und ihre Mitgliedsstaaten leisten schon heute zusammengenommen einen Anteil von über 50 Prozent an der weltweiten Entwicklungshilfe und stellen dafür nach Auskunft des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit jährlich über 58 Milliarden Euro zur Verfügung. Doch diese Hilfe kann die Ursachen für Elend und Not in der Welt nicht beseitigen.

Denn die Ursachen sind korrupte Regierungen - etwa in vielen afrikanischen Ländern - und Systeme, die nicht marktwirtschaftlich ausgerichtet sind. Beleg: Regelmäßig gibt die renommierte Heritage Foundation ein Ranking der wirtschaftlichen Freiheit heraus. Dieses Ranking misst den Grad der wirtschaftlichen Freiheit in einzelnen Ländern. An der Spitze stehen Länder wie Hongkong, Singapur, Neuseeland, die Schweiz, Australien, Irland, Estland, Großbritannien und Kanada. Aus diesen Ländern flieht niemand wegen wirtschaftlicher Not. Am Ende der Skala stehen vor allem afrikanische Länder. Was ihnen fehlt ist nicht Entwicklungshilfe, sondern wirtschaftliche Freiheit. Afrika hat weit mehr Entwicklungshilfe erhalten als Asien, aber in Asien hat sich die Lage der Menschen in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch gebessert, weil Länder wie China und Südkorea auf mehr Markt gesetzt haben. Nicht mehr Entwicklungshilfe hat ihnen geholfen, sondern mehr Kapitalismus.

Überall auf der Welt fliehen Menschen aus Ländern mit geringerer wirtschaftlicher Freiheit in solche mit höherer wirtschaftlicher Freiheit, weil in letzteren die Lebensbedingungen besser sind. Das ist in allen Kontinenten so: Aus dem sozialistischen Venezuela sind in den vergangenen Jahren vier Millionen Menschen geflüchtet - viele davon ins kapitalistische Chile. Aber kein Chilene ist ins sozialistische Venezuela geflüchtet.

"Fluchtursachen beseitigen" hieße in der Konsequenz, dass in Ländern, in denen es keine wirtschaftliche Freiheit gibt, marktwirtschaftliche Systeme etabliert werden. Und dass in Ländern, in denen Korruption und Diktatur herrschen, demokratische und rechtsstaatliche Systeme etabliert werden. Das könnten jedoch nur die Menschen in diesen Ländern tun. Marktwirtschaft und Demokratie lassen sich nicht exportieren, wie zahllose gescheiterte Versuche Amerikas gezeigt haben.

Fluchtursachen sind also nicht so einfach zu beseitigen, wie es in Politiker-Interviews klingt. Kriege, Bürgerkriege, Hunger und Armut haben ihre Ursachen in den politischen und wirtschaftlichen Systemen von Ländern in Afrika. Und solange es diese Ursachen gibt, haben Menschen das verständliche Bestreben, diesem Unheil zu entrinnen.

Entwicklungshilfe hat versagt
Dambisa Moyo, die in Sambia geboren wurde, in Harvard studierte und in Oxford promoviert wurde, hat in ihrem Buch "Dead Aid" die Entwicklungshilfe der reichen Länder als eine Ursache für die Not auf dem Kontinent identifiziert. In den vergangenen 50 Jahren, schrieb Moyo bereits 2009, wurde im Rahmen der Entwicklungshilfe über eine Billion Dollar an Hilfsleistungen von den reichen Ländern nach Afrika überwiesen. "Doch geht es den Afrikanern durch die mehr als eine Billion Dollar Entwicklungshilfe, die in den letzten Jahrzehnten gezahlt wurden, tatsächlich besser? Nein, im Gegenteil: Den Empfängern der Hilfsleistungen geht es wesentlich schlechter. Entwicklungshilfe hat dazu beigetragen, dass die Armen noch ärmer wurden und dass sich das Wachstum verlangsamte [...] Die Vorstellung, Entwicklungshilfe könne systemische Armut mindern und habe dies bereits getan, ist ein Mythos. Millionen Afrikaner sind heute ärmer - nicht trotz, sondern aufgrund der Entwicklungshilfe."

Mit "Entwicklungshilfe" meint Moyo nicht karitatives Engagement und akute Hilfe bei Hungersnöten oder Katastrophen, die natürlich nicht kritisiert werden sollen, sondern dauerhafte finanzielle Transferleistungen mit dem Ziel, die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern. Oft wurden diese Gelder an korrupte und despotische Regierungen gezahlt und kamen nicht bei den Armen an. Doch "selbst wenn die Hilfsleistungen nicht einfach veruntreut wurden und in den Kanälen der Korruption versickerten, blieben sie unproduktiv. Die politische Realität hat überdeutliche Beweise dafür geliefert. Angesichts des ökonomischen Zustandes Afrikas ist nicht zu erkennen, wo Wachstum eine direkte Folge der gewährten Entwicklungshilfe gewesen wäre".

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Kommentare

Du begreifst meine Posts gar nicht. Weil du sie überhaupt nicht liest, sondern nur für mich nicht nachvollziehbar antizipierst oder in deine Denke uminterpretierst? So ist eine Diskussion sinnlos, aber auch über Börsenthemen. Und das wars dann auch hier.
Ich sage es nochmal: Merkel ist meine Freundin nicht.
Dieser sozialistische Wahn in Schland muß aufhören.
Schluß mit Sozialkohle.
Auch für die Sozialpenner hier bei w-o.
Ich bin hier wegen meiner Investments.
Ihr seid hier wegen eures verqueren Sozenpolitikquatsches.
Geht weg & woanders spielen!
"Nee, die Welt kann man nicht nur mit westlichen Augen sehen."

Weil man die Welt religiös verblendet sehen sollte?
Aber wenigstens gibst du deine Sympathie für religiöse Spinner zu.
"Deutschland,ein durch Europa geschwächtes Land,welches durch die verheerende Politik Merkels nun erhebliche eigene Probleme hat,die darauf warten trotzdem gelöst zu werden!"

Die BRD wird nicht durch Europa geschwächt, sondern durch die Handelsorganisation namens EU, aber noch mehr durch die Einheitswährung Euro.

The Euro system is just a financial tool for siphoning German funds and prosperity!

siphoning=absaugen, ausplündern

Disclaimer

Meistgelesene Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel