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Goldreserven: Immer mehr Staaten setzen wieder auf das gelbe Metall

Nachrichtenquelle: Rohstoffbrief.com
13.09.2018, 12:44  |  1184   |   |   

Der World Gold Council hat die neuesten Zahlen zu den weltweiten Goldreserven veröffentlicht. Zu den großen Käufern im Juli zählen Indien und Venezuela. Interessant sind aber auch die Nachrichten zu den Goldbeständen von Russland und der Türkei. Die De-Dollarisierung geht unterdessen weiter.

Venezuela: Kaufen gegen die eigene Krise

Der World Gold Council (WGC) hat mal wieder seine Liste der weltweiten Goldreserven aktualisiert. Der Branchenverband ermittelt im monatlichen Rhythmus die Goldreserven der 100 größten Staaten und internationalen Organisationen. Ganz vorne auf der Käuferliste steht dieses Mal Venezuela. Das von einer heftigen Wirtschafts- und Währungskrise gebeutelte Land baute seine Goldreserven in diesem Zeitraum um 14 Tonnen auf 164,2 Tonnen aus. Das Land weist die höchte Inflationsrate der Welt aus und lechzt unter großen ökonomischen Problemen. Die Schuld an dem Chaos wird vor allem Staatspräsident Nicolas Maduro angelastet. Im August hat der übrigens die Ausgabe von Gold-Zertifikaten bekanntgegeben. Sie sollen das Vertrauen in die Regierung wiederherstellen. Ob dies gelingt, darf angesichts des politischen und wirtschaftlichen Gegenwinds bezweifelt werden. Fakt ist, dass Venezuele nach einer Phase der sinkenden Goldreserven nun wieder seinen Bestand erhöht hat.

Türkei: Käufer oder Verkäufer?

In der Türkei ist die Lage ähnlich kompliziert wie in Venezuela. Nun meldet der World Gold Council Reserven von 241,9 Tonnen und damit 1,7 Tonnen mehr als im Vormonat. Liest man sich jedoch die Berichte auf der offiziellen Seite der Türkiye Cumhuriyet Merkez Bankası (TCMB), der türkischen Notenbank, durch, so kommt man auf Goldbestände von 476 Tonnen per Ende August. Die Zahlen des WGC sind zwar einen Monat älter, passen aber dann doch zu den Daten der TCMB. Denn das Land weist eine Besonderheit auf: die dortigen Geschäftsbanken dürfen im Rahmen des „Reserve Options Mechanism“ einen Teil ihrer Reserven bei der Notenbank in Gold halten. Im Zuge der Lira-Krise haben diese ihre Bestände deutlich reduziert. Laut WGC lagen die nationalen Reserven ohne die Geschäftsbanken bei 241,9 Tonnen per Ende Juli. Fakt ist, dass die Türkei seit dem Frühjahr im Zuge der Lira-Krise ihre Goldreserven reduziert hat und so mancher glaubt, dass man damit den Ausverkauf am Goldmarkt mitausgelöst hat (ausführlich hier). Rohstoff-Analyst Eugen Weinberg von der Commerzbank hält es aber für unwahrscheinlich, dass die Türkei Gold verkauft hat, um sich der Lira-Schwäche entgegen zu stellen. Dafür seien die Reserven schlicht zu klein, so Weinberg gegenüber der FAZ.

Russland kauft zu, Mongolei verdoppelt Bestände

Zu den großen Käufern am Goldmarkt zählt mal wieder Indien. Der zweitgrößte Goldkonsument der Welt erhöhte seine Bestände um 11,2 Tonnen auf 573,1 Tonnen. Erst seit März dieses Jahres tritt die nationale Notenbank wieder als Käufer am Weltmarkt auf. Zuvor war man fast acht Jahre lang Abstinent geblieben. Russland hat seine Goldreserven wieder deutlich aufgestockt und 26,1 Tonnen Gold erworben. Mit 1.970,1 Tonnen hält man die sechstgrößten Bestände der Welt. Das Land hatte in Folge der regelmäßig verschärften US-Sanktionen sukzessive seine US-Bonds verkauft und den Anteil von Renminbi oder eben auch Gold deutlich erhöht. Das Edelmetall macht inzwischen 17 Prozent der russischen Währungsreserven aus. Zu den Käufern im Juli zählten auch Tadschikistan (+2,5 auf 19,7 Tonnen), Kasachstans (+4,6 auf 326,4 Tonnen) sowie Kirgisien (+0,3 auf 9,2 Tonnen). Die Mongolei hat ihre Reserven um 3,1 Tonnen auf 6,7 Tonnen mehr als verdoppelt. Die große Unbekannte in Sachen Goldreserven bleibt China. Die Volksrepublik hält offiziell 1.842,6 Tonnen und hat seit Längerem nichts mehr hinzugekauft. Doch bereits seit Ende der 1990er Jahre stimmen die Handelszahlen des Landes nicht mit den offiziellen Beständen überein. Zumal China nicht nur der größte Konsument, sondern auch der größte Goldproduzent der Welt ist. Hierzu äußerte sich auch einst ein Vertreter des Verbands der chinesischen Goldproduzenten. Insofern muss man davon ausgehen, dass China bereits heute die größten Goldreserven der Welt besitzt.

Gold

Stimmungswechsel am Gold- und Dollarmarkt?

Die vielen Käufe von Staaten deuten darauf hin, dass sich die Stimmung am Goldmarkt in diesem Sommer dreht. Auch wenn die Hedge Funds in New York noch mit rekordhohen Beträgen auf einen fallenden Goldpreis wetten, scheinen immer mehr Länder ihre Bestände aufzustocken. Dies geht einher mit einer De-Dollarisierung auf den Handelsmärkten. Aufgrund der aggressiven Außen- und Handelspolitik der US-Regierung suchen immer mehr Staaten und Unternehmen nach Alternativen zum Dollar, ganz vorne stehen dabei China und Russland. Der Greenback verliert so sukzessive an Bedeutung, wie beispielsweise auch die Einführung eines Gold- und Öl-Futurehandels in China zeigt. Inzwischen soll China rund 7 Prozent seiner Ölgeschäfte in Yuan und nicht mehr in Dollar abwickeln. Eine Abwicklung über die chinesische Währung soll auch bei Hintergrundgesprächen beim jüngsten China-Afrika-Gipfel in Beijing ein großes Thema gewesen sein. China hatte ein Investitionspaket im Volumen von 60 Mrd. Dollar zugesagt (mehr hier). Weltweit dürften noch rund zwei Drittel aller Finanztransaktionen in Dollar durchgeführt werden. Das die US-Währung aber sogar in Europa an Standing verliert, zeigen die jüngsten Daten des Zahlungsverkehrabwicklers SWIFT aus Brüssel. Im Juli lag der Dollar-Anteil an den Transaktionen wertmäßig bei 38,99 Prozent, der Euro kam bereits auf 34,71 Prozent (mehr hier). Auch das dürfte eine Folge der amerikanisch-europäischen Verstimmungen sein.

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