Pandemie-Angst geht um Coronavirus-Krise: Echte Gefahr für die Finanzmärkte oder Panikmache? – Exklusive Expertenstimmen

28.02.2020, 15:12  |  23402   |   |   

An den Finanzmärkten herrscht wegen des Coronavirus-Ausbruchs Panik: Der DAX ist aktuell mehr als drei Prozent im Minus. Der S&P 500 steht derzeit sogar mehr als vier Prozent im Minus und Nikkei 225 verlor zeitweise mehr als 3,5 Prozent (Stand: 28.02.2020, 12:54 Uhr). Seit Montag haben Konzerne weltweit zusammen rund vier Billionen US-Dollar an Börsenwert verloren. Wie gefährlich ist die Coronavirus-Krise für die Finanzmärkte wirklich? Das sagen Börsenexperten:

Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, erklärte am Dienstagabend exklusiv gegenüber wallstreet:online: „Erwächst aus dem Coronavirus eine Pandemie – also eine länder- und kontinentübergreifende Ausbreitung der Krankheit –, werden die Folgen menschlich, gesellschaftlich und ökonomisch verheerend sein! Bekommen wir das Virus unter Kontrolle, dürfte es entsprechende Nachholeffekte in der Wirtschaft geben. Dann sollten die Auswirkungen temporär sein, auch für die Börsen. Denn natürlich werden die Regierungen und Notenbanken alles in ihrer Macht stehende unternehmen, um die negativen Folgen zu kompensieren. In jedem Fall hat das Coronavirus das Potenzial, die globalen Wertschöpfungsketten zu schädigen und das Wachstum zu drücken. Wie gravierend die Auswirkungen sind, wird von der weiteren Entwicklung abhängen. In der nächsten Zeit könnten die Börsen weiter schwanken. Ich rechne weiterhin mit einer lediglich temporären Belastung der globalen Konjunktur und der Aktienmärkte und rate Anlegern dazu, Ruhe zu bewahren und das Portfolio gut zu diversifizieren. Risikobereite Anleger könnten überlegen, ob sie Rücksetzer an den Märkten nutzen, um Positionen aufzubauen.“

Peter-Thilo Hasler, Analyst und Gründer von Sphene Capital und sphaia advisory, sagte am Montag exklusiv gegenüber wallstreet:online: „Solange von der Corona-Pandemie nur „die anderen“ betroffen waren, schien niemand so recht Notiz nehmen zu wollen. Das hat sich am Wochenende mit den Entwicklungen in Italien geändert. Das Basis-Szenario, das die Ratingagentur Moody‘s in der vergangenen Woche vorgestellt hat, in dem das Virus innerhalb des ersten Quartals eingedämmt wird, könnte damit nicht mehr zu halten sein. Mit der Folge, dass die Investoren, um das aktuelle Kursniveau zu rechtfertigen, auf einen Bail-Out seitens der Notenbanken setzen müssen, sprich: Auf eine Senkung der Zinsen. Was aber den Spielraum der Fed einschränken würde, auf ernsthaftere konjunkturelle Defizite als die Corona-Pandemie zu reagieren und ihr Einschreiten unwahrscheinlich macht.“

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Matthias Weik, Finanzbuch-Autor, Kapitalmarktexperte und prominenter Crash-Prophet, erkläre am Mittwoch exklusiv gegenüber wallstreet:online: „Bis dato sind die Folgen des Coronavirus für die globale Wirtschaft noch nicht erheblich. Sollte sich das Coronavirus jedoch drastisch Verbreiten und die chinesische Wirtschaft wesentlicher zum Erliegen bringen als bisher, wird dies fatale Konsequenzen nicht nur für eine von Deutschlands Schlüsselindustrien – die Automobilwirtschaft - sondern für ganz Deutschland ja die ganze Welt haben. Wir sollten nicht vergessen, dass China mit seinem gigantischen Schattenbankensystem und seiner auf Pump laufenden Wirtschaft, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist. Sollte sich das Coronavirus global ausbreiten und die globalisierte Wirtschaft ins Stocken kommen und parallel das chinesische Finanz- und Wirtschaftssystem tatsächlich crashen wird dies die Welt wesentlich heftiger erschüttern als die Finanzkrise 2008/ 2009.“

Seit Wochenanfang haben Aktiengesellschaften weltweit insgesamt rund vier Billionen US-Dollar (4.000 Milliarden) an Börsenwert eingebüßt, berichtet das Handelsblatt am Freitag. Zum Vergleich: Alle 30 DAX-Konzerne kommen derzeit zusammen nur auf einen Börsenwert von etwas mehr als einer Billion Euro (umgerechnet 1,2 Billion US-Dollar).

Die Vergangenheit zeigt, dass Virus-Epidemien zu mindestens zeitweise erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen haben können. Während der Sars-Epidemie 2003 fiel der DAX rund 33 Prozent, so das Handelsblatt. Allerdings sorgte damals der Dritte Golfkrieg für zusätzliche Panik unter den Anlegern.

Langfristig orientierte Anleger dürften die jüngsten Kursschwankungen indes weitestgehend kalt lassen, denn sie wissen: Auf lange Sicht sind die Aktienmärkte bisher immer gestiegen. Der DAX hat beispielsweise seit 2003 mehr als 347 Prozent hinzugewonnen. Seit 1959 waren es sogar fast 3.560 Prozent!

Autor: Ferdinand Hammer



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