wallstreet:online
41,40EUR | +0,10 EUR | +0,24 %
DAX+0,28 % EUR/USD+0,06 % Gold+0,05 % Öl (Brent)-0,26 %

Trading Exkurs Zonenwechsel im Trading: Unterstützung wird Widerstand et vice versa

Gastautor: Andreas Mueller
11.11.2014, 15:04  |  6253   |   |   

Im Trading kommt es häufig zu einem Wechsel von Unterstützung zu Widerstand. Mittels Zonen identifiziert ein Trader relevante Chartmarken und verbessert seine Tradingergebnisse.

Ich werde immer wieder gefragt, was der Unterschied zwischen einer Unterstützungszone und einer Widerstandszone ist und lese aus anderen Beiträgen hier heraus, dass es dazu auch gerne Verwirrung gibt. Besonders wenn diese gleichbleibenden Zonen wechseln, entstehen Fragen dazu. Anhand des aktuellen Charts möchte ich dies hier nun beantworten und damit eine kleine Mitarbeits-Exkursion außerhalb der Foren Daytrading und Charttechnik anregen.
 
Was ist eine Unterstützung?
 
Laut Definition ist eine Unterstützung immer ein Tiefpunkt eines Kursverlaufs. Sie ist damit unter dem aktuellen Kurs angesiedelt. Ist dieser Unterstützungspunkt ein sehr markanter Punkt, wie beispielsweise ein Tagestief, dann hat er auch in den Folgetagen eine charttechnische Relevanz. Woraus ergibt sich diese? Nun, weil dort bzw. kurz darunter viele Orders platziert sind. Einerseits Stopp-Orders für Long-Positionen und andererseits auch Short-Sell-Orders für Marktteilnehmer, die auf weitere Tiefpunkte im Kursverlauf setzen. Diese Orderhäufung kann genau an dem Punkt einer Unterstützung noch einmal zusätzliches Gewicht verleihen. Denn auch direkt vor dem Punkt werden Orders aufgegeben. Nämlich von genau den Marktteilnehmern, die auf ein Halten dieser Unterstützung spekulieren.
 
Eine solche punktuelle Unterstützung kann man sich somit mit einer horizontalen Linie einzeichnen, wie bspw. aktuell das Tagestief vom Montag im Deutschen Aktienindex:
 
 
Als Ableitung für den Handel gilt dann: vor diesem Punkt auf das Halten der Unterstützung setzen = long und bei Bruch dieses Punktes auf weiteres Abwärtspotenzial setzen = short.
 
Somit bildet die Identifikation eines solchen Punktes für charttechnisch orientierte Trader immer eine Orientierung. Je größer die Zeiteinheit der Analyse ist, desto wichtiger und damit hochwertiger werden solche Verlaufspunkte. Ein Tagestief ist daher nicht so hochwertig wie ein Wochentief und dieses widerum nicht so hochwertig wie ein Monatstief. Denn je höher die Zeiteinheit, desto mehr Marktteilnehmer sind an solchen Punkten aktiv – von Daytradern im Minutenchart bis zu Hedgefonds im Monatschart. So verwundert es auch nicht, wenn teilweise sehr heftige Bewegungen eingeleitet werden. Als Daytrader staunt man vielleicht „warum 100 Punkte in einem Rutsch?“, aber zoomt man den Chart etwas zurück, erkennt man oft: „Ach da lag ein Wochentief und dort wurden andere Marktteilnehmer aktiv“ – wichtige Einsicht und damit einen Blick wert, sich solche Punkte einzuzeichnen.
 
Was ist ein Widerstand?
 
Dieser Absatz leitet sich logischerweise aus dem vorherigen Absatz ab. Denn ein Widerstand ist die „andere Seite“ – wenn ein Hochpunkt über dem aktuellen Kursverlauf angesiedelt ist. Auch dies kann ein Verlaufs-, Tages- oder auch Monatshoch sein. Zur Visualisierung zeichnen wir auch hier im aktuellen Chart das Monatshoch vom Deutschen Aktienindex ein:
 
 
Synonym zum Absatz Unterstützung gilt auch hier die Häufung von Orders anderer Marktteilnehmer. Und natürlich auch deren Intention, bei einem Durchbruch bestehende Short-Positionen zu verringern und Long-Positionen prozyklisch einzugehen.
 
Vom Punkt zur Zone
 
Treten nun mehrere Punkte (ob Unterstützung oder Widerstand ist hierbei egal) auf einer horizontalen Linie oder in einem horizontalen Bereich auf, dann nenne ich diese Häufung Widerstandszone oder Unterstützungszone. Sie ist wie der jeweilige Punkt durch die Definition als über dem Kurs bzw. unter dem Kurs liegend charakterisiert und steht für eine Häufung der Orders anderer Marktteilnehmer. Wie stark diese Häufung sein kann, sodass sie genau die Tagesrange definiert, hatten wir gestern (Montag 10.11.) gesehen. Zur Erinnerung folgt der Chart des DAX an dieser Stelle mit den entsprechenden Markierungen der Zonengrenze des Handelstages (komplett nachlesbar in der Abendanalyse der Tages-Trading-Chancen).
 
 
 
Im Ergebnis konnte man hierbei im ersten Ziel 30 Punkte und danach bis zu 50 Punkte zum nächsten Widerstand generieren. Dies kann im Daytrading-Forum bei meinem Update nachgelesen werden: zum Update der Abendanalyse.
 
Aber nicht jeden Tag finden wir so eine Zone, aber einmal gefunden hat sie meist über mehrere Tage Bestand. Bis sie bricht...und dann? Dann wechseln wir die Zone einfach.
 
Wechsel einer Zone
 
Dann kann aus einer Unterstützungszone ganz schnell eine Widerstandszone werden. Ohne Veränderung der Zone selbst. Für mich ist daher ein Durchschreiten der Zone mit anschließendem Ausbruch kein Grund, diese Zone aus dem Chart des DAX zu entfernen. Und auf genau dies möchte ich hier aufmerksam machen.
 
So geschehen am Freitag dem 07.11. mit erneutem Überschreiten der Widerstandszone, welche sich demzufolge in eine Unterstützungszone wandelt und in folgendem Chartbild von grün auf rot wechseln muss. Grün ist die allgemein anerkannte Signalfarbe für steigende Kurse (über eine Unterstützung sind Kurse somit tendenziell steigend und rot die anerkannte Signalfarbe für fallende Kurse).
 
 
Die Zone wird somit nur versetzt, behält aber ihre Präsenz im Chart bei:
 
 
Es drängt sich sicherlich folgende Frage auf:
 
 
Gibt es dies auch außerhalb des Daytrading?
 
Selbstverständlich kann man solche Zonen in allen Zeiteinheiten identifizieren und auch handeln. Wie bereits geschrieben sind unterschiedliche Marktteilnehmer auf unterschiedlichen Zeiteinheiten aktiv. An den Zonen und dem Chart ändert sich aber dadurch nichts. So kann man den Chart auch jederzeit erweitern und weitere Zonen entdecken. Diese helfen einem Trader, den großen Überblick zu bewahren. Und schon ist er nicht mehr erschrocken, wenn eine schnelle und starke Bewegung einsetzt!
 
 
Ebenso wechseln hier die Zonen gelegentlich und als Trader muss man umdenken, wenn eine Unterstützung zu einem Widerstand wird oder umgekehrt. Auch wenn es kompliziert aussieht, habe ich dies mit Pfeilen einmal in diesem Zeitraum verbildlicht:
 
 
Diese Zonen dienen somit letztlich der Orientierung im Chart, ob als Indikator für die Frage „wo entsteht Bewegung“ oder als Einstiege in eine Positionierung oder aber auch bei erfolgter Positionierung als Ziel für einen Teil(verkauf).
 
Soweit mein kleiner Exkurs aus dem Alltag des Tradings heraus zum Thema Zonen im DAX. Gerne gehe ich in einem weiteren Artikel spezieller darauf ein, wie sich ein Zonenwechsel andeutet und wo hierbei die genauen Stopps und Einstiege liegen sollten. Dies mache ich aber von der Anzahl der Leser und dem Feedback abhängig. Denn normalerweise gibt es solche Artikel nur für alle Premiummitglieder (für Premium-Mitgliedschaft hier klicken).
 
Viel Erfolg im Handel,
Bernecker1977 – Andreas Mueller
Diesen Artikel teilen
Wertpapier

Mehr zum Thema
Klicken Sie auf eines der Themen und seien Sie stets dazu informiert. Mehr Informationen hier.
DaytradingHandelDAX


8 Kommentare

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Kommentare

Hallo Bernecker 1977,

Vielen herzlichen Dank für die ausführliche und verständliche Antwort.

Oh mist, jetzt ist der gesamte Text verloren gegangen, weil ich nicht angemeldet war, als ich auf den Abschicken-Button klickte und an Strg-Alt und Strg-C ebenfalls nicht gedacht habe. Nunja, passiert.

Dann wiederhole ich noch einmal auf die Schnelle. Ja, das was du schreibst, ist gut einleuchtend und beantwortet auch meine Fragem - insoweit. Also sind tatsächlich die Innen- wie Außenstäbe eher Ausläufer, um Stopps noch "abzulolen". Okay. Das habe ich jetzt - denke ich - endlich verstanden. Ich ahnte es, konnte es aber nichtt so leicht herausfinden. Also kann man für sich selbst hier auch ein wenig Grenzen ausloten. Das war mir bisher nicht ganz klar.

Natürlich bin ich nach gut einem halben Jahr, nachdem ich begonnen habe, ganz minimal zu traden, gerade dabei, verschiedene Stile (eigenständig, aber doch unnter Anregungen und zusammenn mit fundiertem Wissen und Erklärungen der Profis, wofür ich bei w:o euch vielen, besonders aber auch gipsywoman, sehr dankbar bin!). und natürlich nach eigener Recherche Vieles miteinander zu kombinieren. Aber dementsprechend chaotisch sehen meine Setups im Chart dann auch aus: Die mag ich euch nicht wirklich anbieten ; Aber gerne werde ich für mich markante und relevante Punkte versuchen, zu identifizieren und mit euch austauschen, auch wenn sie im Widerspruch zu anderen Thesen stehen. Keine Sorge, mein Kopf ist eigentlich doch immer mit eingeschaltet, das ist schließlich meine Arbeit - aber auch ein Problem, weil zu viel auf einmal. Ich habe auch manchmal wenig Zeit, manches Mal sehr viel.

Und im Übrigen: Der Arbeitsrechner bleibt vom Tradingrechner komplett getrennt.
Ich finde, dies ist auch ein spannendes Thema zur Zeit: Computersicherheit und Traden. Nur so by the way, weil ich derzeit damit Probleme bekomme. Oder habe ich die Forumsuche noch gar nicht bemüht darum? *rotwerd*. Nein, wenn ich ehrlich bin. Dort werde ich gleich einmal auf die Suche gehen.

Ich danke dir, Bernecker1977, ebenfalls und ich denke, auch in deinem Sinne, stellvertrentd für die vielen, die bei w:o ihr fundiertes langjähriges Tradingwissen mit anderen teilen.

Trading ist eine enorm spannende Sache. Gar nicht einmal bezgl. der Rentabilität. Auch, aber diese darf auch schon einmal in den Hintergrund treten, wenn das Risikomanagement und die Absicherung stimmen. Hierbei habe ich auch noch unglaublich viele Schwierigkeiten.

On Topic, please ;)

VLG
hierrena :)
Hallo Bernecker 1977,

Vielen herzlichen Dank für die ausführliche und verständliche Antwort.

Oh mist, jetzt ist der gesamte Text verloren gegangen, weil ich nicht angemeldet war, als ich auf den Abschicken-Button klickte und an Strg-Alt und Strg-C ebenfalls nicht gedacht habe. Nunja, passiert.

Dann wiederhole ich noch einmal auf die Schnelle. Ja, das was du schreibst, ist gut einleuchtend und beantwortet auch meine Fragem - insoweit. Also sind tatsächlich die Innen- wie Außenstäbe eher Ausläufer, um Stopps noch "abzulolen". Okay. Das habe ich jetzt - denke ich - endlich verstanden. Ich ahnte es, konnte es aber nichtt so leicht herausfinden. Also kann man für sich selbst hier auch ein wenig Grenzen ausloten. Das war mir bisher nicht ganz klar.

Natürlich bin ich nach gut einem halben Jahr, nachdem ich begonnen habe, ganz minimal zu traden, gerade dabei, verschiedene Stile (eigenständig, aber doch unnter Anregungen und zusammenn mit fundiertem Wissen und Erklärungen der Profis, wofür ich bei w:o euch vielen, besonders aber auch gipsywoman, sehr dankbar bin!). und natürlich nach eigener Recherche Vieles miteinander zu kombinieren. Aber dementsprechend chaotisch sehen meine Setups im Chart dann auch aus: Die mag ich euch nicht wirklich anbieten ; Aber gerne werde ich für mich markante und relevante Punkte versuchen, zu identifizieren und mit euch austauschen, auch wenn sie im Widerspruch zu anderen Thesen stehen. Keine Sorge, mein Kopf ist eigentlich doch immer mit eingeschaltet, das ist schließlich meine Arbeit - aber auch ein Problem, weil zu viel auf einmal. Ich habe auch manchmal wenig Zeit, manches Mal sehr viel.

Und im Übrigen: Der Arbeitsrechner bleibt vom Tradingrechner komplett getrennt.
Ich finde, dies ist auch ein spannendes Thema zur Zeit: Computersicherheit und Traden. Nur so by the way, weil ich derzeit damit Probleme bekomme. Oder habe ich die Forumsuche noch gar nicht bemüht darum? *rotwerd*. Nein, wenn ich ehrlich bin. Dort werde ich gleich einmal auf die Suche gehen.

Ich danke dir, Bernecker1977, ebenfalls und ich denke, auch in deinem Sinne, stellvertrentd für die vielen, die bei w:o ihr fundiertes langjähriges Tradingwissen mit anderen teilen.

Trading ist eine enorm spannende Sache. Gar nicht einmal bezgl. der Rentabilität. Auch, aber diese darf auch schon einmal in den Hintergrund treten, wenn das Risikomanagement und die Absicherung stimmen. Hierbei habe ich auch noch unglaublich viele Schwierigkeiten.

On Topic, please ;)

VLG
hierrena :)
Hallo hierrena,

Danke für Dein Feedback. Gerne habe ich auch eine Antwort parat ;)

Ich ziehe nicht generell die gefüllten Candles oder generell die Extremwerte heran, sondern je nach Zeiteinheit differenziere ich es. Zudem ist eine Zone für mich ein "etwaiger Bereich" und kein punktuell passendes Rechteck - denn dann wäre der halbe Tag mit der vergeblichen Suche nach solchen Zonen vertan. beim Durchbruch warte ich meist kurz ab, suche in der Korrektur den Einstieg in Ausbruchsrichtung und ordere dann. Damit umgeht man das eingestoppt werden an Marken, wo letztlich der Markt nur kurz überschiesst und damit Stopps auslöst. Haben wir doch alle schon oft erlebt.

Das Volumen ist hierbei kein Punkt auf den ich achte. Die Charts waren von einem CFD-Anbieter, da gibt es sowieso keine Voluminas zu sehen.

Vorteil der Zeichnung basierend auf Extrempunkte ist sicherlich, dass man die Stopp-Orders mit einfängt. Vorteil von der Zeichnung am Kerzenkörper hast Du bereits genannt. Zudem sieht man besser die Problematik Innenstäbe. ABER sobald Du in eine andere Zeiteinheit schaltest, kann dies schon wieder anders aussehen. Eine normale Kerze im Tageschart mit Docht hat in sich drin einen verschachtelten Trend im 5 Minuten-Chart zum Beispiel, der erst dann zum Vorschein kommen kann. Die sauberste Darstellung wäre natürlich der Tickchart, weil es dann zu keiner "optisch falschen" Darstellung kommen kann. Das führt aber hier zu weit...

Versteif Dich nicht auf meine Chartdarstellung alleine, sondern probier selbst ein wenig herum. Vielleicht liegen Dir ganz andere Dinge und Setups, was ja auch nicht schlimm ist. Aber dann schreib bitte darüber und lass uns austauschen ;)

Beste Grüße,
Bernecker1977
Nee, mit den Ticks und Servern, da habe ich einen Fehler in der Denke. Natürlich können Server antizipativ programmiert werden, sie können jedoch nicht schneller Trades ausführen - logo - als die Xetra-Ticks selbst. Deshalb ist die Frage für mich aber nur teilweise geklärt ...

VLG
hierrena

Disclaimer

Aus der Redaktion
Aus der Community