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Ruhestand Früher planen – länger genießen

Gastautor: Markus Richert
07.10.2018, 18:53  |  683   |   |   

Das Ergebnis war eindeutig und wenig überraschend. Quer durch alle Bildungs- und Gesellschaftsschichten wollen die Deutschen im Durchschnitt mit 60,2 Jahren in Rente gehen. Sofern sie es sich finanziell leisten können. So zumindest das Resultat einer repräsentativen GfK-Umfrage aus dem letzten Jahr.

Die Realität sieht jedoch mittlerweile ganz anders aus. Schon 2007 hatte der Bundestag beschlossen, das gesetzliche Rentenalter schrittweise anzuheben. Mittlerweile ist schon ein Renteneintrittsalter von 71 Jahren im Gespräch. Die Politik dagegen scheut sich noch davor diese harten Wahrheiten umzusetzen und übt sich stattdessen in der Quadratur des Kreises. Das Rentenniveau von derzeit 48,1 Prozent, gemessen am Durchschnittseinkommen nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge, soll stabil bleiben. Gleichzeitig sollen die Rentenversicherungsbeiträge aber auch nicht über 20 Prozent steigen.

Trotzdem soll das Geld für Verbesserungen bei der Erwerbsminderungsrente und eine erweiterte Mütterrente reichen. Zusätzlich soll auch noch eine Grundrente für langjährige Geringverdiener eingeführt werden. Die Ausgaben sollen also steigen, die Einnahmeseite, dem demographischen Wandel sei Dank, wird dagegen im güns

tigsten Fall gleichbleiben, vermutlich aber eher sinken. Ungeachtet dieser Realitäten träumen die meisten Deutschen von einem früheren Renteneintritt, nach Möglichkeit ohne irgendwelche Abschläge.

Jeder Rentner wird bereits jährlich mit 4.330 Euro subventioniert

Grundsätzlich sollte man zwischen 60 und 80 Prozent des regelmäßigen Einkommens auch für den Ruhestand anstreben. Weicht man von dieser Zielquote zu sehr nach unten ab, ist davon auszugehen, dass die gewohnte Lebensqualität merklich leidet. Damit wird aber auch deutlich, dass das Versorgungsniveau das nur mit der gesetzlichen Rente erreicht werden kann, mit ca. 48 Prozent ebenfalls viel zu niedrig ist.

Privater Vermögensaufbau ist also zwingend notwendig, auch dann, wenn man erst mit 67 seine gesetzliche Rente beziehen will. Dabei ist die gesetzliche Rentenversicherung schon jetzt auf hohe Staatszuschüsse angewiesen. Laut Mitteilung des Bundesfinanzministeriums betrugen die Leistungen des Bundes an die Rentenversicherung 2017 insgesamt 90,95 Milliarden Euro. Damit wurde jeder Rentner bereits mit 4.330 Euro im Jahr unterstützt. Dieser Anteil wird zwangsläufig in den nächsten Jahren zunehmen.

Die meisten Haushalte sparen falsch

Dabei ist den meisten Deutschen auch klar, dass sie privat vorsorgen müssen. Die Sparquote liegt im Schnitt bei 9,9 Prozent. Allerdings sparen die meisten Haushalte falsch. In der Regel wird das Kapital zu konservativ und damit zu ertragsschwach angelegt. Die Deutschen horten ihr Geld, trotz Nullzinsen, als Bargeld oder parken es als Sichteinlagen bei Banken, also auf Giro- oder Tagesgeldkonten. Weiterhin beliebt sind auch Versicherungen und Pensionseinrichtungen. Anlagen in Sachwerte wie Aktien sind nach wie vor unterrepräsentiert. Die meisten Haushalte gehen dabei ein immenses Klumpenrisiko ein.

Die gesetzliche Rente ist wie eine deutsche Staatsanleihe

Denn auch die Anwartschaften der gesetzlichen Rentenversicherung sind Geldwerte. Diese klammern allerdings die meisten Anleger aus. Die Durchschnittsrente im Westen betrug im letzten Jahr 1.383 Euro. Durch die steigende Lebenserwartung beträgt die derzeitige durchschnittliche Rentenbezugszeit fast 20 Jahre.

Im Jahr 1960 erhielten die Menschen nur durchschnittlich 9,9 Jahre lange ihre gesetzlichen Altersbezüge. Betrachtet man den Barwert der zukünftigen Rentenzahlungen eines Durchschnittsrentners, so kommt man bei einem unterstellten Zins von einem Prozent pro Jahr auf einen Wert in Höhe von 299.484 Euro.

Der Barwert ist der Wert, den zukünftige Zahlungen in der Gegenwart besitzen. Er wird durch Abzinsung der zukünftigen Zahlungen und anschließendes Summieren ermittelt. Die gesetzliche Rente ist allerdings nichts weiteres als eine Verbindlichkeit des Staates und damit vergleichbar mit einer unverkäuflichen deutschen Staatsanleihe. Schätzungen unter Einbeziehung der gesetzlichen Rente gehen davon aus, dass das liquide Vermögen der Deutschen zu 80 Prozent in Geldwerten und nur zu 20 Prozent in Sachwerten investiert ist. Denn auch Versicherungen und Pensionskassen investieren in der Regel zu 90 Prozent in Anleihen.

Dramatisches Ungleichgewicht in der Vermögensbilanz

In der Folge sind Sachwerte, dazu zählen Aktien, Immobilien, Rohstoffe, Gold und Silber, in der Vermögensbilanz dramatisch unterrepräsentiert. Anzustreben wäre ein ausgewogenes Verhältnis von Geld- und Sachwerten. Vor allem im derzeitigen Umfeld, in dem Geldwerte kaum noch Ertrag abwerfen. Grundsätzlich sollten Investitionen nach Abzug der Inflationsrate eine positive Rendite erzielen um das Vermögen zu erhalten. Diesen Anspruch erfüllen derzeit weder Tagesgeld noch deutsche Staatsanleihen.

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