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Aktienmarkt Wer A sagt, der muss nicht B sagen

Gastautor: Markus Richert
04.02.2019, 13:08  |  447   |   |   

„Wer A sagt, der muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war“. Man mag von Bertolt Brecht halten was man will, dieses Zitat von ihm ist jedoch derzeit an Aktualität nicht leicht zu übertreffen. Die 2010er Jahre werden vermutlich als das Zeitalter der Populisten in die Geschichte eingehen. In Italien, Ungarn oder den USA stellen Populisten sogar die Regierung. Diese Entwicklung ist eine direkte Folge der Globalisierung und der schleichenden Änderung der politischen Machtverhältnisse.

Die Schwellenländer, allen voran China, gehören zu den eindeutigen Gewinnern dieser Entwicklung. In der „alten“ Welt, Europa und den USA, kämpft dagegen die klassische Mittelschicht mit Abstiegsängsten. Wer viel hat, kann viel verlieren. Das ideale Umfeld für den Aufstieg der Populisten. Leider gehört das kritische Hinterfragen von eigenen Positionen nicht zur populistischen DNA. Sturheit dagegen schon.

Populismus löst keine Probleme

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Die vermeintlich einfachen Lösungen für die komplexen Probleme unserer Zeit kosten viel Geld und treiben die Staatsverschuldung weiter in ungeahnte Höhen. Die Umsetzung von teuren Wahlversprechen gefährdet langfristig die Stabilität ganzer Wirtschaftsräume. Die italienische Regierung macht eine notwendige Rentenreform rückgängig und verspricht ein bedingungsloses Grundeinkommen. In England steuern die „Brexianer“ stur und erschreckend unvorbereitet auf einen ungeordneten Ausstieg aus Europa zu und ignorieren dabei die sich bereits abzeichnenden Gefahren. Donald Trump nimmt die USA in Geiselhaft, um sein Wahlversprechen einer sinnlosen Mauer zu Mexico um jeden Preis umzusetzen. Dabei sind die Kollateralschäden durch den längsten Shutdown der Regierung mittlerweile höher, als sein Prestigeprojekt allein kosten würde. Sein Starrsinn schwächte die Wirtschaft der USA nach Schätzungen des Haushaltsbüros des Kongresses im Volumen von etwa elf Milliarden US-Dollar.

Notenbanken werden zu einem Erfüllungsgehilfen der Politik

In dieser politischen Gemengelage entscheiden die Notenbanken über die weitere Zinspolitik. Formal zwar unabhängig, werden sie zusehends unfreiwillig zu einem Erfüllungsgehilfen der Politik. Ohne das berühmte „whatever it takes“ von EZB-Präsident Mario Draghi am 26. Juli 2012 wäre die europäische Gemeinschaftswährung vielleicht heute schon Geschichte. Das uneingeschränkte Bekenntnis der Notenbank zum Euro entschärfte die Situation. Seitdem leiht die EZB den Banken, praktisch ohne Zinsen zu berechnen, nahezu unbegrenzt Geld. Ein durchaus angenehmer Zustand für Schuldner. Politik und Wirtschaft haben es sich bequem eingerichtet. Eigentlich sollte in diesem Jahr erstmalig in der Amtszeit von Mario Draghi eine Erhöhung des Leitzinses durchgeführt werden. Wegen drohendem Brexit, Italien und Frankreich rückt diese Erhöhung aber in weite Ferne. Einer Analyse von Bloomberg zufolge erwarten die meisten Marktteilnehmer mittlerweile vielmehr, dass die EZB ihren Leitzins erst Mitte 2020 wieder erhöhen wird.

Keine guten Aussichten für Tagesgeldsparer

Für Sparer sind das keine guten Aussichten. Beim Tagesgeld erreichen die Zinsen bei wenigen Banken in der Spitze Werte von 0,5 oder 0,6 Prozent und liegen im Schnitt bei rund 0,15 Prozent. Nur wer sich die Mühe macht und seine Bank regelmäßig wechselt bekommt etwas mehr. Denn Neukunden locken die Institute bekanntlich mit deutlich besseren, aber stets zeitlich begrenzten, Konditionen von gegenwärtig bis zu einem Prozent. Experten haben errechnet, das kaufkraftbereinigt, also unter Berücksichtigung der jeweiligen Inflationsrate, eine Bankeinlage in der Euro-Zone über die vergangenen 20 Jahre insgesamt lediglich 1,5 Prozent an Ertrag gebracht hat. Anleger, die ihr Vermögen vermehren wollen, sind also gezwungen, ihren Blick auf andere Anlageformen zu werfen, die mehr Rendite versprechen.

Die Wachstumsaussichten fallen derzeit alles andere als euphorisch aus

Leider war das letzte Jahr an den Kapitalmärkten auch keine Werbeveranstaltung für Investitionen in Aktien. Allein der Dax hat im letzten Kalenderjahr etwas mehr als 18 Prozent an Wert verloren. Skeptiker der Aktienanlage sehen sich dadurch in ihren Vorurteilen bestätigt und bleiben den Investitionen fern. Auch Anleger in Indexfonds mussten die schmerzhafte Erfahrung machen, was es bedeutet in einem passiven Produkt investiert zu sein. Wenn die Kurse einbrechen, verliert auch der entsprechende ETF an Wert. Niedrigere Kosten allein nützen dann wenig. Hinzu kommt, dass die Wachstumsaussichten derzeit alles andere als euphorisch ausfallen. Das US-Wachstum wird im kommenden Jahr sicherlich schwächer ausfallen. Der positive Effekt der Steuerreform entfällt. Auch die EZB hat für Europa die Wachstumsprognose bereits von 1,9 auf 1,7 Prozent herabgesetzt. Für viele Beobachter ist diese angepasste Prognose immer noch zu optimistisch. Selbst China erwartet für 2019 nur noch ein Wachstum von 6,2 Prozent. Im letzten Jahr betrug das Wachstum noch, sofern die offiziellen Zahlen stimmen, 6,6 Prozent.

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