Die Öl-Krise – Insolvenz-Welle in der US-Schieferöl-Industrie erwartet!

Gastautor: Armin Brack M.A.
16.03.2020, 15:20  |  13934   |   |   

Nach den historischen Verlusten am Aktienmarkt in der vergangenen Woche steht insbesondere eine Branche vor einem Scherbenhaufen: Schieferöl-Produzenten aus den USA.

Hier sind in Kürze die ersten Insolvenzen zu erwarten. Die Hintergründe dazu und mögliche Alternativen aus dem Öl-Sektor gibt es in dieser Ausgabe.

Nachdem sich die OPEC unter Führung Saudi-Arabiens und Russland am vorletzten Freitag nicht auf eine weitere Reduzierung der Fördermengen einigen konnten und am Sonnabend Saudi-Arabien als Reaktion auf Russlands Ablehnung des OPEC-Vorschlags gewaltige Preisreduzierungen bei einer gleichzeitigen Erhöhung der Öl-Produktion für den Monat April ankündigte, sind die Öl-Preise am Montag um zeitweise mehr als 30% eingebrochen.

Zwar kam es Dienstag zu einer kräftigen Gegenreaktion, die aber erneut abverkauft worden ist. So notiert die Nordseeöl-Sorte Brent Crude Stand Freitag, 13.03.2020, 17 Uhr, bei 33,20 US-Dollar je Barrel und damit satte 28% unter dem Schlusskurs der letzten Woche.

Viele Leser werden sich fragen, welche Motivation ein Land wie Russland treibt, sich ganz offensichtlich ins eigene Fleisch zu schneiden. Wenn man den Schätzungen von Lukoil Top-Manager Leonid Fedun Glauben schenkt, dann summieren sich die Verluste aus der Aufkündigung des OPEC-Konsens für Russland auf rund 100-150 Millionen US-Dollar täglich.

Die wahrscheinlichste Antwort dürfte die US-Schieferöl-Industrie („Shale“) sein, die in den vergangenen Jahren vor allem durch technische Fortschritte (Stichwort: Fracking) immer neue Förderrekorde vermelden konnte. Während die OPEC und das mit ihr in den letzten Jahren assoziierte Russland durch Fördermengen-Reduzierungen den Rohöl-Preis zu stabilisieren versuchten, konnten amerikanische Produzenten quasi als Trittbrettfahrer agieren und ihren Weltmarktanteil deutlich ausweiten.

Eine weitere Rolle dürften die jüngsten Sanktionen der USA gespielt haben, die unter anderem zu einem Baustopp bei der North Stream 2-Pipeline geführt haben und kürzlich das staatlich kontrollierte Unternehmen Rosneft davon abhalten sollten, venezuelanisches Öl zu handeln.

Offensichtlich hatten die Entscheider in Russland vorerst genug von amerikanischem Protektionismus (North Stream 2) und versuchter politischer Einflussnahme (Venezuela) und nutzten den Moment, um einen Frontalangriff auf die amerikanische Schieferöl-Industrie zu starten.

Sowohl Saudi-Arabien als auch Russland können Öl zu im Durchschnitt erheblich geringeren Kosten als die US-Schieferöl-Industrie fördern. Entzieht man also dem Öl-Preis den von den amerikanischen Unternehmen benötigten Boden, dann sollte sich dies im Zeitablauf deutlich negativ auf die dortigen Fördermengen auswirken – soweit die Theorie jedenfalls.

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