Öl und Dollar schwächeln – wegen einer schwächeren US-Wirtschaft?
Der US-Arbeitsmarkt hat sich deutlich schwächer entwickelt als bisher angenommen.
- US-Arbeitsmarkt schwächer als erwartet, 818.000 Stellen weniger.
- Aktienmärkte ignorieren ökonomische Realität, bleiben bullish.
- Schwacher Dollar und Ölpreise deuten auf US-Schwäche hin.
Öl und Dollar schwächeln – wegen einer schwächeren US-Wirtschaft?
von Sven Weisenhaus
Der US-Arbeitsmarkt hat sich deutlich schwächer entwickelt als bisher angenommen. Das Arbeitsministerium in Washington korrigierte vorgestern seine Schätzung für die Gesamtbeschäftigung von April 2023 bis März 2024 um 818.000 Stellen nach unten.
In dem 12-Monats-Zeitraum wurden somit nicht 2,9 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen, sondern „nur“ 2,1 Millionen. Statt durchschnittlich 242.000 monatlichen Jobzuwächsen waren es also nur 175.000.
Die Revision der Arbeitsmarktdaten fällt damit relativ hoch aus. Es ist sogar die größte seit 2009 (Finanzkrise). ING berichtet, dass das Arbeitsministerium im vergangenen Jahr die Daten „nur“ um 306.000 Stellen korrigieren musste. Und zur Erinnerung: Am 2. August hatte die Behörde für Juli die Schaffung von nur noch 114.000 Stellen gemeldet. Erwartet worden waren immerhin 148.000. Die Differenz betrug also -34.000 (siehe auch „Jetzt rollt die Lawine“). Nun wurden insgesamt 818.000 weniger Stellen gemeldet bzw. im Monatsdurchschnitt -67.000. Letzteres ist doppelt so viel wie die Differenz zwischen erwartetem und tatsächlichen Stellenaufbau für Juli.
Die wieder bullishe Stimmung hielt unbeeindruckt an
Anfang August brachen die Aktienkurse also wegen einer halb so großen Differenz ein, vorgestern reagierten die Anleger mit einem Schulterzucken auf die Arbeitsmarktdaten. Am Ende des Tages konnten die Kurse sogar zulegen. Das zeigt, wie abhängig die Börsen von der Stimmung der Anleger sind. Wie die Daten ausfallen, spielt kaum eine Rolle. Entscheidend ist nur, wie die Anleger darauf reagieren.
Es stellt sich aber die Frage, wie lange die Anleger am Aktienmarkt die ökonomische Realität einer sich wahrscheinlich abkühlenden US-Wirtschaft noch ignorieren und die Zinssenkungskarte spielen können. Denn die hohen Kurse bzw. Bewertungen lassen sich auf Dauer nur rechtfertigen, wenn die US-Wirtschaft und damit die Gewinne der Unternehmen weiterhin solide wachsen und im Idealfall die US-Notenbank die Zinsen dennoch senkt.
Warum ist eine Vielzahl an Zinssenkungen eingepreist?
Und man muss sich auch die Frage stellen, warum am Anleihemarkt bereits eine Vielzahl an Leitzinssenkungen eingepreist ist, wenn die US-Wirtschaft doch angeblich so robust ist. OK, ich gebe zu, dass man hier noch argumentieren könnte, dass sich der Inflationsdruck abgeschwächt hat und die Geldpolitik damit trotz gleichbleibenden Zinsniveaus restriktiver geworden ist. Mehrere Zinssenkungen sind daher nur die logische Konsequenz.