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ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss: Dax mit größtem Tagesverlust seit drei Wochen
Foto: Boris Roessler - dpa

ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss Dax mit größtem Tagesverlust seit drei Wochen

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
21.07.2017, 18:16  |  1541   |   |   

FRANKFURT (dpa-AFX) - Turbulenzen bei Automobilwerten haben dem Dax am Freitag den größten Tagesverlust seit Ende Juni eingebrockt. Der über weite Strecken wenig bewegte Leitindex tauchte am Nachmittag immer tiefer ins Minus ab, als Kartellvorwürfe gegen die Autobranche die Runde machten. Weil diese im Dax stark gewichtet ist, fiel er letztlich um 1,66 Prozent auf 12 240,06 Punkte. Im Laufe der Woche hat er seine Verluste so auf etwas mehr als 3 Prozent ausgeweitet.

Der wichtigste Grund für den Kursrutsch am deutschen Aktienmarkt war ein Bericht des "Spiegel", wonach die deutschen Autobauer unter dem Verdacht jahrelanger illegaler Absprachen zu Lasten von Verbrauchern und Zulieferern stehen. Ein Belastungsfaktor waren außerdem die abrutschenden Ölpreise und der weiterhin starke Euro, der sich am Freitag deutlich über der Marke von 1,16 US-Dollar behauptete.

Für den MDax der mittelgroßen deutschen Unternehmen ging es um 1,21 Prozent auf 24 556,07 Punkte bergab. Der Technologiewerte-Index TecDax verlor 0,74 Prozent auf 2274,87 Zähler.

'DRAGHI IGNORIERT EURO-AUFWERTUNG'

Der Kursrutsch kam am Tag, nachdem der Euro dem Dax schon zugesetzt hatte. Die Gemeinschaftswährung hatte am Donnerstag nach dem Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank den höchsten Stand seit fast zwei Jahren erreicht und sich nun auf diesem Niveau behauptet. Die Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi hatten zwar wenig Neues enthalten. Die Devisenexperten der Commerzbank merkten allerdings an, er habe die jüngste Aufwertung des Euro ignoriert und damit dessen weiteren Anstieg möglich gemacht.

Die Rohölpreise, die bei vielen Anlegern als Indikator für die konjunkturelle Entwicklung gelten, zogen den Markt mit nach unten. Dass sie am Donnerstag sichtbar ins Minus drehten, begründete Börsianer mit einer Einschätzung des Analysehauses Petro-Logistics. Demnach geht das Beratungsunternehmen davon aus, dass die Länder des Ölkartells Opec trotz einer beschlossenen Förderkürzung wohl im Juli mehr Rohöl gefördert haben.

BERICHT BELASTET AUTOBAUER

Die Aktien der Autobauer kamen nach dem "Spiegel"-Bericht kräftig unter Druck. Laut dem Bericht sollen sie sich in einem gemeinsamen Kartell über Technik, Kosten und Zulieferer abgesprochen haben. Das Magazin berief sich dabei auf einen Schriftsatz, den VW bei den Wettbewerbsbehörden eingereicht haben soll. Auch Daimler habe eine "Art Selbstanzeige" hinterlegt. Die VW-Vorzugsaktien sackten um 3,64 Prozent ab. Für BMW und Daimler ging es um 2,61 beziehungsweise 2,07 Prozent bergab.

Negativ übertrumpft wurden die Autowerte im Dax aber noch von den Infineon-Aktien , die um 4,66 Prozent abrutschten. Sie reagierten damit vor allem auf einen negativen Analystenkommentar der Investmentbank Exane BNP Paribas. Laut Analyst Jerome Ramel bringt der technologische Fortschritt in der Halbleiterbranche das Risiko eines wachsenden Wettbewerbs für den Chipkonzern mit sich.

GEDÄMPFTE ÜBERNAHMEFANTASIE BELASTET HOCHTIEF

Im MDax stand bei Hochtief ein deutlicher Kursrückgang von fast fünfeinhalb Prozent zu Buche, was die Aktien des Baukonzerns zum größten Indexverlierer machte. Mit dem Interesse der spanischen Hochtief-Mutter ACS am Autobahnbetreiber Abertis erhielt die Übernahmefantasie rund um den deutschen Baukonzern einen Dämpfer.

Im TecDax ging der Kurseinbruch beim Netzwerkausrüster Adva Optical ungebremst weiter. Nachdem sie am Vortag schon wegen enttäuschender Geschäftszahlen unter die Räder gekommen waren, sorgte eine gestrichene Kaufempfehlung der Privatbank Hauck & Aufhäuser für einen weiteren Kursrutsch von mehr als 11 Prozent. Sie erreichten den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Jahren.

Die Aktien von Sartorius büßten im TecDax außerdem nach Halbjahreszahlen mehr als 4 Prozent ein. Trotz einer deutlichen Ergebnissteigerung hatte der Labor- und Pharmazulieferer einem Händler zufolge die Erwartungen verfehlt.

EUROKURS WEITER ÜBER 1,16 US-DOLLAR

Europaweit war das Bild ähnlich trübe wie in Deutschland: Der EuroStoxx 50 fiel um 1,37 Prozent auf 3451,71 Punkte. Während der CAC-40 in Frankreich um mehr als 1,5 Prozent nachgab, schlug sich der Londoner FTSE 100 mit gut einem halben Prozent etwas besser. Auch der Dow Jones Industrial in New York bewegte sich zum Handelsschluss in Europa nur moderat im negativen Terrain.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von 0,32 Prozent am Vortag auf 0,28 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,20 Prozent auf 140,90 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,27 Prozent auf 162,41 Punkte. Der Euro stand zuletzt bei 1,1655 US-Dollar. Die EZB hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1642 (Donnerstag: 1,1485) Dollar festgesetzt./tih/he

--- Von Timo Hausdorf, dpa-AFX ---

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