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Von wegen Diesel-Skandal: Hier kommt das wirkliche Problem

Steht man im Zentrum von Venedig, dann sind die riesigen Kreuzfahrtschiffe - die ihre Decks an der Altstadt vorbeischieben - eine nahezu surreale Realität. Das Schauspiel hat gleich mehrere Nachteile, wobei die Umweltbelastung zu den Hauptproblemen zählt. Norwegen ist einen Schritt weiter und könnte bald die Reißleine ziehe.

Eine Branche feiert sich, während die Umwelt keine Rolle spielt. Es geht darum Traumschiffidylle zu verkaufen und das funktioniert so hervorragend, dass die großen Anbieter Aida, Tui Cruises, Hapag-Lloyd Cruises und die Carnival-Gruppe sich über volle Auftragsbücher freuen. Die Kehrseite der Medaille ist, dass bislang nur wenige Schiffe mit verflüssigtem Erdgas (LNG) fahren.

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Bereits 2011 zeigte eine Studie der NABU auf, dass alleine die 15 größten Seeschiffe der Welt jährlich mehr schädliche Schwefeldioxide als alle 760 Millionen Autos weltweit ausstoßen. Von einheitlichen Abgasnormen ist man in der Branche weit entfernt. Prod. Dr. James Corbett konnte nachweisen, dass jedes Jahr weltweit bis zu 60.000 Menschen vorzeitig aufgrund von Schiffsemissonen sterben - in Europa sollen es 24.000 sein. Die Rußpartikel- und Schwefelemissionen stammen vom verwendeten Kraftstoff, denn es wird überwiegend Rückstandsöl benutzt, der dreckigste aller Kraftstoffe.

Der geforderte Umstieg auf Schiffsdiesel und der Einbau von entsprechenden Filtern kam seither nicht richtig in Gang. Leif Miller, NABU Bundesgeschäftsführer, sagte diese Woche: "Die Umweltbilanz der Kreuzfahrtreeder ist insgesamt weiterhin schlecht". Laut den jüngsten Ergebnisse schneiden die vier Neubauten "Mein Schiff 3" bis "Mein Schiff 6" (Reederei Tui Cruises) und "Europa 2" (Reederei Hapag-Lloyd) gut ab, da hier ein Stickoxid-Katalysator eingebaut wurde. Der NABu sieht vor allem Besserung ab 2018, denn dann sollen die ersten Schiffe mit Flüssigerdgas (LNG) in Betrieb genommen werden - u.a. die "Aida Nova".

Etwas anders sieht die Situation der Kreufahrtverband Clia und sagte, dass bereits seit 2015 in der Nord- und Ostsee keine Schiffe mit Schweröl fahren dürfen, die nicht über entsprechende Filter verfügen. Laut Clia erfüllen sämtliche Kreuzfahrtschiffe die gesetzlichen Grenzwerte.

Dass es jedoch nicht ganz so einfach ist, zeigt eine Nachricht aus Norwegen. Von dort erreichte uns eine Mitteilung des Umweltministers Vidar Helgesen, wonach Norwegen fünf bekannte Fjorde für Kreuzfahrtschiffe sperren will, wenn diese nicht den neuesten Umweltanforderungen entsprechen. Helgesen schätzt, dass gut die Hälfte der Schiffe vor dem Jahr 2000 gebaut wurden und eben nicht den Umweltanforderungen entsprechen. Sein Ministerium hat es sich zum Ziel erklärt, dass der Ausstoß von Nitrogenoxid und Schwefel verringert wird.

Die meisten Kreuzfahrtschiffe sind rund 20 bis 30 Jahre im Einsatz. Vor allem bei älteren Schiffen kommt es häufig vor, dass sie vormals als Frachtschiffe dienten, bevor man sie zu Kreuzfahrtschiffen umbaute. Worüber sich die meisten keine Gedanken machen ist die Tatsache, dass auch wenn die Riesen zu 40 Prozent der Zeit in den Häfen liegen, läuft die Technik weiter und verbraucht die Energie einer Kleinstadt, so Tourismusexperte Frank Herrmann. In den Häfen laufen die Schiffen meist mit Schiffsdiesel weiter, während auf See Schweröl zum Einsatz kommt, welches an Land verboten ist. Unfälle mit Schweröl haben gravierende Umweltauswirkungen, denn der Ölfilm verteilt sich im Meer, setzt sich auf dem Meeresboden ab oder wird an Küsten gespült. 

In dieser Branche steckt mehr Ruß als es der Kreuzfahrverband Clia zugeben möchte. Ab 2020 werden neue Grenzwerte für Schwefel in Schiffskraftstoffen gelten, denn er sinkt von 3,5 auf 0,5 Prozent. Zudem hatte die Internationale Seeschifffahrtsorganisation die Grenzwerte für Schwefeloxide und Stickoxide 2008 verschärft, doch aus Sicht des Umweltbundesamts sollten diese Vorgaben weiter angepasst werden. Fakt ist, dass höherwertiger Kratfstoff den Gewinn erheblich schmälern würde - immerhin verbraucht ein modernes Kreuzfahrtschiff mindestens 150 Tonnen Treibstoff pro Tag.   






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