Ballard Power & Plug Power: Neue Hochs oder Ernüchterung?

Gastautor: Armin Brack M.A.
22.06.2020, 10:06  |  33019   |   |   

Nach dem kürzlichen, furiosen Börsenstart der Nikola Corporation (NKLA) stehen Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Aktien mehr denn je im Anlegerfokus mit vielen Notierungen nahe an Mehrjahres- oder sogar Allzeithochs. Schier unbegrenzt erscheint aktuell die Fantasie der Anleger. Dabei sind nach wie vor von der überwiegenden Mehrzahl der Unternehmen weder kurz- noch mittelfristig Gewinne zu erwarten.

In dieser Ausgabe widmen wir uns zwei Veteranen der Szene, die bereits vor rund 20 Jahren in den ersten großen Brennstoffzellen-Hype involviert waren: Dem kanadischen Unternehmen Ballard Power Systems (BLDP) und der im amerikanischen Bundesstaat New York beheimateten Plug Power (PLUG).

Ballard Power Systems 

Die Kanadier tanzen auf vielen Hochzeiten. So entwickelt man beispielsweise im Auftrag von Audi seit einigen Jahren das Brennstoffzellen-System für die mittlerweile auf das Jahr 2022 oder gar 2023 verschobene Kleinserie eines Luxus-SUV mit Brennstoffzellen-Antrieb und erwirtschaftete alleine mit dieser Tätigkeit rund 25% des gesamten Jahresumsatzes für 2019.

Nach wie vor ist man auch in den Bereichen stationäre Energieversorgung und Flurförderzeuge sowie im Drohnenbereich aktiv. Der Fokus des Geschäfts liegt jedoch seit einiger Zeit auf dem Segment „Heavy-Duty Motive“, also mobilen Anwendungen mit großen Leistungsanforderungen, zu denen insbesondere Busse und Lastwagen, aber auch zum Beispiel Straßenbahnen, Züge oder gar Schiffe zählen.

In den letzten zwei Jahrzehnten hatte das Unternehmen vor allem mit geringer oder inkonsequenter staatlichen Unterstützung der Brennstoffzellen-Technologie zu kämpfen und sah sich entsprechend in schöner Regelmäßigkeit mit Existenzsorgen konfrontiert. Wann immer das Geld auszugehen drohte, wurde entweder Tafelsilber wie Patente oder Unternehmensteile veräußert oder eine Kapitalerhöhung in der Nähe des jeweiligen Allzeittiefs durchgeführt.

Nachdem jedoch China vor fünf Jahren ein deutliches Bekenntnis zur Brennstoffzelle abgegeben hatte, wendete sich das Blatt. Das chinesische Unternehmen Zhongshan Broad-Ocean Motor Co. erwarb in einer Kapitalerhöhung vor knapp vier Jahren rund 10% des Aktienkapitals. Zudem wurde mit einer weiteren chinesischen Gesellschaft das Joint Venture „Guangdong Synergy Ballard Hydrogen Power“ gegründet, an dem Ballard Power mit 10% beteiligt ist.

Nachdem man jedoch für die neueste Brennstoffzellen-Generation mit der chinesischen Weichai Power einen finanziell schlagkräftigeren Partner gewinnen konnte, kam es zum Bruch mit dem bestehenden Joint Venture-Partner. Der fühlte sich dann nicht mehr an die Vereinbarungen des mit Ballard Power geschlossenen Zuliefervertrags gebunden. Zwar folgte einige Monate später ein neuer Vertragsabschluss, allerdings nur über einen Bruchteil der ursprünglich vereinbarten Abnahmemengen und zu deutlich schlechteren Konditionen für Ballard Power.

Diese Problematik wurde allerdings billigend in Kauf genommen. Schließlich war der neue Deal mit Weichai Power finanziell weit besser dotiert. Dazu gab es eine 49%-ige Beteilung am neuen Joint Venture, Weichai Ballard Hy-Energy Technologies. Ballard partizipiert entsprechend auch relevant am Erfolg des neuen Gemeinschafts-Unternehmens.

Tatsächlich wurden bereits über 40% der Umsätze des letzten Geschäftsjahres aus Technologietransfer-Leistungen und der Lieferung von Brennstoffzellen-Systemen und -Komponenten an das neue Joint Venture in China erwirtschaftet. Die Serienfertigung dort soll trotz leichter Verzögerungen durch die COVID-19 Pandemie in den kommenden Wochen anlaufen.

Jetzt wird es richtig spannend!

Und spätestens zu diesem Zeitpunkt wird es richtig spannend, denn aktuell ist völlig unklar, in welcher Größenordnung das Joint Venture anfänglich produzieren wird und wie sich die Pläne für das Hochfahren der Fertigung im Zeitablauf gestalten.

Das Management von Ballard Power hat sich diesbezüglich stets optimistisch geäußert, aber dabei nie konkrete Zahlen genannt.

Das von Weichai Mitte 2018 ausgegebene Ziel des Absatzes von 2.000 Brennstoffzellen-Nutzfahrzeugen (vorrangig Busse) bis zum Jahre 2021 erscheint jedenfalls ausgesprochen ambitioniert, zumal in China, wie bereits in den vergangenen Jahren, nach wie vor massive Unsicherheiten in Bezug auf die Ausgestaltung neuer Subventionspläne vorherrschen. Erschwerend hinzu kommt der bislang nur sehr zögerliche Ausbau der notwendigen Wasserstoff-Infrastruktur im Reich der Mitte. Weichai wird entsprechend auf zusätzliche Förderung seitens der Regierung seiner Heimatprovinz Shandong angewiesen sein. Stand April waren dort laut Unternehmensangaben immerhin bereits rund 200 Brennstoffzellen-Busse auf sieben verschiedenen Linien unterwegs, deren Betankung mittels dreier mobiler sowie einer klassischen Wasserstoff-Tankstelle erfolgt.

Die Fertigungskapazität der neuen Fabrik liegt allerdings bei 20.000 Brennstoffzellen-Modulen jährlich. Unter den aktuellen Voraussetzungen wird die Anlage daher voraussichtlich nur zu einem kleinen Teil ausgelastet sein.

Mit Beginn der Brennstoffzellenstack-Fertigung in China wird Ballard Power zudem fast nur noch Komponenten („MEAs“) zuliefern, während die bisherigen Umsätze mit dem Joint Venture auch den notwendigen Technologietransfer sowie die anfängliche Belieferung mit kompletten Modulen beinhalteten.

Ein weiteres Problem ist die ganz offensichtlich schwache Bruttomarge aus den Geschäften mit dem Joint Venture. Lag diese Kennzahl in den Jahren 2017 und 2018 noch bei über 30%, standen im letzten Geschäftsjahr nur noch 21% zu Buche. Bei einem über 40%-igen Anteil des Joint Ventures am Gesamtumsatz des Jahres 2019 ein klares Indiz für die ungünstigen Konditionen aus den Verträgen mit dem Joint Venture.

Auch im 1. Quartal 2020 stellte sich die Margensituation nur wenig verändert dar – bei einem 55%-igen Umsatzanteil des Joint Ventures wurde eine Bruttomarge von 24% erwirtschaftet. Im 2. Halbjahr soll laut Management mit steigenden Umsätzen jedoch auch eine weitere, leichte Margenverbesserung einhergehen.

Insgesamt wurden im 1. Quartal rund 80% der Umsätze mit nur zwei Kunden erwirtschaftet (das neue Weichai Joint Venture und Audi).

Zwar erwartet man bei Ballard Power im 2. Halbjahr endlich auch wieder mehr Umsätze aus der Lieferung von Brennstoffzellen-Modulen für Busse im Rahmen der europäischen JIVE-Förderprogramme. Allerdings dürfte die COVID-19 Pandemie für zusätzliche Verzögerungen bei diesen ohnehin schon weit im Hintertreffen befindlichen Programmen sorgen.

Auch beim Ordereingang schwächelte das Unternehmen im 1. Quartal und so sanken sowohl der 12-Monats-Backlog (105 Millionen US-Dollar) als auch der Gesamt-Backlog (169 Millionen US-Dollar) bereits im 2. Quartal in Folge ab.

Auch Geld wird weiterhin fleißig verbrannt, im 1. Quartal fast 17 Millionen US-Dollar. Zum Glück hat Ballard Power aber den extrem gestiegenen Aktienkurs für seine Zwecke nutzen können und mittels Verkäufe neuer Aktien in den Markt, satte 66,7 Millionen US-Dollar an frischen Mitteln einsammeln können. Zum Quartalsende beliefen sich die liquiden Mittel auf über 180 Millionen US-Dollar und das Unternehmen ist nach wie vor schuldenfrei.

Wie bei den meisten anderen Brennstoffzellen-Werten tränen einem bei der Bewertung die Augen, denn Ballard Power ist aktuell mit knapp dem 30-fachen des für 2020 erwarteten Jahresumsatzes bewertet.

Ballard Power Systems Inc. (ISIN: CA0585861085)

Mein Fazit: Alle Augen auf China in den nächsten Quartalen. Sollte sich das von Management und Analysten prognostizierte, dynamische Wachstum dort nicht wie erwartet einstellen, droht der Aktie eine möglicherweise erhebliche Korrektur. Sollten aber die Erwartungen erfüllt oder sogar deutlich übertroffen werden, steht einem Ausbruch zu neuen Mehrjahreshochs kaum noch etwas im Wege.

*Dieser Text ist ein Auszug aus meinem kostenfreien Geldanlage-Report.*

Jetzt mehr erfahren → www.geldanlage-report.de/archiv/GAR-Update-200620.html

Hinweispflicht nach §34b WpHG: Die Geldanlage-Report-Redaktion ist in den genannten Wertpapieren/Basiswerten zum Zeitpunkt des Publikmachens des Artikels nicht investiert. Es können daher keine Interessenskonflikte vorliegen. Die in diesem Artikel enthaltenen Angaben stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.

Viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage wünscht Ihnen

Ihr Armin Brack
Chefredakteur Geldanlage-Report
www.geldanlage-report.de

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