Nicht entschieden genug Commerzbank verpasst die Ausfahrt: Beim Jobabbau „spielt der Bund eben nicht mit“

06.07.2020, 16:52  |  12768   |   |   

Nach dem Doppelschlag am Freitag mit den Rücktrittsankündigungen von Vorstandschef Martin Zielke und Aufsichtsratschef Schmittmann stehen immer größere Fragenzeichen hinter Deutschlands zweitgrößter Bank. Mitten in der Corona-Krise und in der Diskussion um den harten Sparkurs braucht die Commerzbank nun auch noch ein neues Führungsteam. Die Anleger reagierten dennoch erleichtert auf die Neuigkeiten: Die Coba-Aktie ist zum Wochenstart der größte Gewinner im MDax. Was ist los bei der Coba?

Ob diese Euphorie gerechtfertigt ist, scheint fraglich, wie Klaus Brune, Leiter des Börsenressorts beim Platow-Verlag, gegenüber wallstreet:online erklärt. „Wenn der Vorstandschef und der AR-Chef gehen und die Börse feiert das mit einem Kursgewinn von sieben Prozent, dann ist die Interpretation klar: Börsianer glauben daran, dass die Chefs (und die von ihnen verfolgte Strategie) Teil des Problems sind.“ Trotzdem bleibe die Frage, wie berechtigt der Optimismus der Börsianer sei. „Denn noch ist keinesfalls klar, wer die Nachfolger werden und welche erfolgversprechende Strategie sie implementieren würden.“

Beobachter sind sich einig: Harte Einschnitte werden sich nicht vermeiden lassen. Zielke, dessen Vertrag spätestens zum Ende des Jahres auslaufen soll, hatte mit dem Konzept „Commerzbank 5.0“ harte Einschnitte angekündigt. Unterm Strich sollten fast 2.500 Stellen wegfallen und 200 Filialen schließen. Anscheinend nicht genug. Besonders der amerikanische Großinvestor Cerberus soll mit Zielke unzufrieden gewesen sein. Medienberichten zufolge könnte der nächste CEO den Gürtel noch enger schnallen. 7.000 weitere Arbeitsplätze und 250 zusätzliche Filialen stünden dann ebenfalls auf der Kippe.

Das Problem der Commerzbank ist, dass sie ihr Problem nicht entschieden genug angeht und mit dem Bund als Eigner wohl auch nicht entschieden genug angehen kann“ glaubt Klaus Brune. „Sie müsste sich eigentlich deutlich verschlanken und viel stärker auf ein digitales Geschäftsmodell mit einem starken Online-Bereich setzen. Das würde aber deutlich mehr als die bislang angedachten rund 2.500 Stellen verschlingen – und da spielt der Bund eben nicht mit, der gerade in der Corona-Zeit keine Schlagzeilen über Massenentlassungen lesen möchte.

Trotzdem hält es Börsen-Experte Brune nicht für ausgeschlossen, dass die kommende Commerzbank-Führungsetage das Geldhaus erfolgreich aufräumen kann. „Vielleicht bringt ein neuer CEO auch tatsächlich eine neue, erfolgversprechende Strategie, bei denen auch die Zahl der Mitarbeiter und der Filialen auf den Prüfstand kommt. Wird eine solche Strategie verabschiedet und greift sie dann auch, dann wäre die Aktie vermutlich wieder einen Blick wert. Jetzt würden wir sie nicht anpacken wollen.“

Autor: Julian Schick, wallstreet:online Zentralredaktion

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