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     261  0 Kommentare Industriepolitik Chinas und der USA schaukeln sich gegenseitig hoch

    Die Beschlüsse für die Einführung von extrem hohen Zöllen der USA u.a. auf chinesische E-Autos ist ein weiterer Beleg für eine gefährliche Spirale der Industriepolitik und des Protektionismus in beiden Staaten.

    Für Sie zusammengefasst
    • USA und China führen gefährliche Spirale der Industriepolitik mit extrem hohen Zöllen ein.
    • Chinesischer Ökonom Zhang kritisiert Industriepolitik beider Länder als zum Scheitern verurteilt.
    • Unternehmertum und Markt sollen Innovationen vorantreiben, nicht staatliche Planung.


    Rainer Zitelmann mit Weiying Zhang.

    Aber die Industriepolitik ist aus dem gleichen Grund zum Scheitern verurteilt wie die Planwirtschaft. Dies ist eine der Thesen in dem bemerkenswerten Buch des chinesischen Ökonomen Weiying Zhang, Professor an der Peking-University. Zhang ist der renommierteste marktwirtschaftliche Ökonom Chinas und hat Deng Xiaopings Wirtschaftspolitik in den späten 1980er- und den 1990er Jahren stark beeinflusst, zuletzt jedoch an Einfluss verloren, da China in den vergangenen Jahren wieder stärker auf staatliche Industriepolitik setzt. Er kritisiert in seinem soeben bei Cambridge University Press erschienenen Buch „Re-Understanding Entrepreneurship“ sowohl die chinesische als auch die amerikanische Industriepolitik, die sich wechselseitig in einer Spirale des Irrtums beeinflussten: „Teilweise als Reaktion auf die chinesische Industriepolitik hat auch die amerikanische Regierung in den vergangenen Jahrzehnten auf die eine oder andere Weise eine Industriepolitik eingeführt. Beispiele dafür sind die Verabschiedung des CHIPS and Science Act und des Inflation Reduction Act unter der Leitung von Präsident Biden.“

    Wenn westliche Politiker glaubten, der wirtschaftliche Erfolg Chinas sei ein Ergebnis staatlicher Wirtschaftslenkung bzw. Industriepolitik gewesen, sei das eine Fehldeutung des chinesischen Erfolges. Ein vor fünf Jahren veröffentlichtes Papier desWorld Economic Forum „Chinas Privatsektor ... ist heute der Hauptmotor des chinesischen Wirtschaftswachstums. Die Zahlenkombination 60/70/80/90 wird häufig verwendet, um den Beitrag des Privatsektors zur chinesischen Wirtschaft zu beschreiben: Er trägt 60 % zum BIP Chinas bei und ist für 70 % der Innovationen, 80 % der städtischen Beschäftigung und 90 % der neuen Arbeitsplätze verantwortlich. Das Privatvermögen ist auch für 70 % der Investitionen und 90 % der Exporte verantwortlich.“

    Seit den 1980er Jahren hat China viele Beispiele für das Scheitern der Industriepolitik erlebt, aber nur sehr wenige Erfolge. Der Grund, warum Industriepolitik regelmäßig scheitert ist der gleiche, warum Planwirtschaft immer wieder gescheitert ist: Die Annahme, Politiker und Beamte wüssten besser als Millionen Unternehmer und Konsumenten, was die viel versprechendsten Innovationen der Zukunft seien, ist durch nichts begründet. So wie Sozialisten irren, wenn sie immer wieder erklärten, die Planwirtschaft sei im Prinzip überlegen, nur eben bislang nicht umgesetzt worden, so irren sich Vertreter der Industriepolitik, die trotz all der Fehlschläge behaupten, man brauche nur eine „bessere“ Industriepolitik. (Weiter auf Seite 2)


    Rainer Zitelmann
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    Dr. Dr. Rainer Zitelmann ist Historiker, Politikwissenschaftler und Soziologe - und zugleich ein erfolgreicher Investor. Er hat zahlreiche Bücher auch zu den Themen Wirtschaft und Finanzen* geschrieben und herausgegeben, viele davon sind in zahlreiche Sprachen übersetzt worden. * Werbelink
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    Verfasst von Rainer Zitelmann
    Industriepolitik Chinas und der USA schaukeln sich gegenseitig hoch Die Beschlüsse für die Einführung von extrem hohen Zöllen der USA u.a. auf chinesische E-Autos ist ein weiterer Beleg für eine gefährliche Spirale der Industriepolitik und des Protektionismus in beiden Staaten.

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