Das Diesmal-ist-es-anders-Syndrom ist wieder da!
In der aktuellen Juni-Ausgabe meines Geldanlage-Briefs habe ich einen kurzen Kommentar zur KI-Blase geschrieben. Prompt erreichte mich die Mail eines Lesers dazu, der mit meiner Sichtweise nicht einverstanden war.
- KI-Blase: Vergleich zur dotcom-Blase
- "Diesmal ist es anders"-Syndrom
- Warnung vor Blasenmuster: Kurseinbruch abwarten
Das Diesmal-ist-es-anders-Syndrom ist wieder da!
von Torsten Ewert
Sehr verehrte Leserinnen und Leser,
in der aktuellen Juni-Ausgabe meines Geldanlage-Briefs habe ich einen kurzen Kommentar zur KI-Blase geschrieben. Prompt erreichte mich die Mail eines Lesers dazu, der mit meiner Sichtweise nicht einverstanden war.
Die Klingeltöne der KI
Unter dem Titel „Die Klingeltöne der KI“ vertrat ich die These, dass in einer Blase Finanzmedien und Anleger „über die Dörfer gehen“ und immer neue Gründe suchen und finden, warum Aktien oder Branchen, die eigentlich nichts mit KI zu tun haben, trotzdem von diesem Hype profitieren.
Aktuell sind das nicht mehr nur KI-Softwarefirmen und -Chipproduzenten, sondern z.B. Errichter, Ausrüster und Betreiber von Rechenzentren, Stromversorger und sogar Rohstoffe bzw. deren Förderer. Im Einzelnen gibt es dafür schlüssige Argumente, und tatsächlich steigen manche Aktien der betreffenden Branchen, aber viele eben nicht.
Mir erscheint das wie der Hype zur dotcom-Blase, als zugleich der Siegeszug des Mobilfunks begann. Damals erfasste die Euphorie nicht nur die Aktien von Handyherstellern, Telefongesellschaften oder Netzwerkausrüstern, sondern die Leute waren plötzlich auch ganz wild auf Klingeltöne (!) – manche von Ihnen werden sich vielleicht noch an Jamba erinnern.
Ein schiefer Vergleich?
Der Leser fand diesen Vergleich „schief“. Sein Argument: In der dotcom-Blase „bestanden die meisten der damals gehypten Unternehmen zu 99 % aus reiner Fantasie und sind heute längst Geschichte. Nvidia hingegen verdient sich dumm und dämlich“.
Und da war es wieder, das „Diesmal ist es anders“-Syndrom (auf Englisch: This time is different) – wenn auch in der Variante „Damals war es anders“. Irgendwer hat diesen Spruch mal als „die gefährlichsten vier Worte an der Börse“ bezeichnet. Wir wissen: Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. Das gilt besonders für Börsenmanien. Und wenn auch nur der Hauch einer Möglichkeit besteht, dass sich dieser Gedanke in den Köpfen festsetzt, muss man dagegen mit aller Kraft vorgehen.