War die Abstimmung sinnlos?
Tesla-Aktionäre stimmen für 56 Milliarden US-Dollar Vergütungspaket, sagt Musk
Auch wenn sich zahlreiche Investoren gegen das gewaltige Vergütungspaket von Tesla-Chef Elon Musk ausgesprochen haben, ist es vorläufig wohl angenommen worden. Das kann sich theoretisch noch ändern.
- Gründe für Zustimmung: Ablehnung könnte Aktienkurs senken.
- Große Institutionen könnten gegen Paket stimmen, Selbstschädigung.
- Privatanleger und einige institutionelle Investoren unterstützen Deal.
- Report: Goldpreis nicht zu stoppen

Die Abstimmung über das gigantische Vergütungspaket für Tesla-CEO Elon Musk ist nach Aussagen des Konzernchefs gelaufen. Gegenüber Reuters bestätigte zudem eine mit der vorläufigen Stimmenabgabe vertraute Person, dass eine Mehrheit der großen institutionellen Investoren wie auch der Kleinanleger für das Paket gestimmt hat.
Das heißt aber noch lange nicht, dass die 56 Milliarden US-Dollar morgen auf dem Konto von Musk eintreffen. Vielmehr stellt die Abstimmung nur einen ersten Schritt in einem voraussichtlich sehr langen Rechtsstreit des Tesla-Chefs dar, der darauf hinauslaufen könnte, dass das heutige "Ja"-Votum sinnlos war.
"Wie die Aktionäre jetzt abstimmen, beantwortet nicht wirklich die Frage, ob der Vorstand 2018 seine Pflichten verletzt hat, und darum geht es in der Berufung", sagte Ann Lipton, Professorin für Gesellschaftsrecht an der Tulane University, gegenüber Reuters. Musk wird Monate oder Jahre warten müssen, bis er sein Gehalt bekommt, während die Berufungen bis zum Obersten Gerichtshof von Delaware immer höher wandern.
Das Ergebnis wird am Donnerstag um 16:30 Uhr (22:30 Uhr deutscher Zeit) bei der Hauptversammlung in der Tesla-Zentrale in Texas bekannt gegeben. Bis zum Beginn der Hauptversammlung haben die Aktionäre das Recht, ihre Abstimmung zu ändern.
Damit erhält der Elektroautohersteller nur Munition in seinem Kampf, das Gerichtsurteil über die Nichtigkeit des Vergütungspakets zu revidieren. Musk muss erst die zuständige Richterin in Delaware überzeugen, ihre Entscheidung zu revidieren. Sie hatte ihm vorgeworfen, der Tesla-Vorstand sei ihm "verpflichtet" gewesen. Zudem dürften jetzt neue Klagen wegen der jüngsten Abstimmung auf ihn zukommen.
"Selbst wenn die Aktionäre dem alten Paket zustimmen, ist es nicht klar, ob das Gericht in Delaware diese Abstimmung als gültig zulassen wird", sagte Adam Badawi, Professor für Recht an der UC Berkeley.









Die Tesla-Aktie schloss am Mittwoch mit einem Plus von 3,9 Prozent bei 177,29 US-Dollar und liegt am Donnerstag vorbörslich weitere 0,5 Prozent höher. Seit Jahresbeginn haben die Titel damit aber immer noch etwa 29 Prozent eingebüßt.
Schon zuvor war eher mit einer Zustimmung gerechnet worden, weil eine Ablehnung des Pakets dramatische Auswirkungen auf den Aktienkurs des Unternehmens haben könnte, so Marktbeobachter. Gary Black, Mitbegründer des Future Fund Active ETF, der Tesla-Aktien hält, äußerte sich gegenüber Barron's kritisch über die Möglichkeit einer Ablehnung durch große institutionelle Investoren: "Es ist erstaunlich, dass einige Leerverkäufer glauben, dass Institutionen, die langfristig in Tesla investiert sind und aktives Management betreiben, gegen Elons Vergütungsplan stimmen würden, was fast sicher den Aktienkurs nach unten treiben und der Performance schaden würde."
Große Institutionen können nicht einfach aus umfangreichen Positionen aussteigen, und gegen das Paket zu stimmen käme einer Selbstschädigung gleich. Technische Marktanalysten prognostizieren, dass eine Ablehnung den Kurs auf bis zu 150 US-Dollar fallen lassen könnte. Eine Zustimmung ist jedoch nicht garantiert. Vanguard, einer der größten Anbieter von Indexfonds, stimmte 2018 gegen das Paket und hat sich zur Abstimmung 2024 noch nicht öffentlich geäußert. Auch BlackRock und State Street haben sich noch nicht geäußert.
Bekannt ist, dass der norwegische Staatsfonds und Calpers, der größte öffentliche Pensionsfonds der USA, die zusammen etwas mehr als 1,3 Prozent der nicht von Musk gehaltenen Tesla-Aktien halten, gegen das Paket stimmen werden. Auch der Chef des US-Pensionsfonds CalSTRS hat sich dagegen ausgesprochen. Baron Capital und Cathie Woods ARK Invest hingegen unterstützen den Deal.
Die britische Fondsgesellschaft Baillie Gifford wird laut Bloomberg ebenfalls für das Paket stimmen. Analysten von Barclays und Morgan Stanley hatten im Vorfeld mit einer Wiederzulassung gerechnet, während Bernstein dies für unwahrscheinlich hielt.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion
