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WOCHENAUSBLICK Wall Street treibt Dax weiter an - Wahlticker läuft nur nebenher

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
22.09.2017, 16:09  |  518   |   |   

FRANKFURT (dpa-AFX) - Zu Beginn der neuen Woche blicken politisch interessierte Anleger voller Spannung nach Berlin. Erneut eine Große Koalition oder ein "Jamaika"-Bündnis aus Union, FDP und Grünen - das ist wohl am Montag die Frage aller Fragen. Am deutschen Aktienmarkt aber dürfte der Ausgang der Bundestagswahl kaum eine Rolle spielen, glauben Experten. Für sie ist so gut wie ausgemacht, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) weiter für wirtschaftspolitische Stabilität und damit für steigende Kurse sorgen wird - unter welcher Farbkonstellation auch immer. Insofern könnte der hiesige Leitindex Dax weiter das Rekordhoch vom Juni bei gut 12 951 Punkten ins Visier nehmen.

HOFFNUNG AUF STEUERENTLASTUNGEN

Investoren sollten dennoch wachsam bleiben: Zwar haben politische Börsen in der Regel kurze Beine, aber temporär kann der Aktienmarkt mit Schwankungen auf die Stellungnahmen der Politiker zu möglichen Koalitionen reagieren.

Nach derzeitigem Stand jedoch sind die Anleger entspannt. Anders als im Falle der französischen oder US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen gibt es praktisch keine Gefahr, dass eine radikale Kraft in die Regierungsverantwortung kommt. So rechnet die Schweizer Großbank UBS mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent mit einer Fortsetzung der Kanzlerschaft Merkels. Laut Analyst Bert Jansen dürfte die Börse in diesem Fall wohl erst einmal kaum auf die Bundestagswahl reagieren. Bereits zuvor haben die Investoren mit dem Wahlgang die leise Hoffnung verbunden, dass Bürger und Unternehmen steuerlich entlastet werden, was die Wirtschaft ankurbeln könnte.

ZWEI RISIKEN BEI BUNDESTAGSWAHL

Dennoch sieht Marktanalyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets zwei Risiken, denen sich Anleger vor der Wahl stellen sollten. So könnte einerseits ein starker Einbruch der SPD die Neuauflage der Großen Koalition verhindern, falls die Parteibasis der Sozialdemokraten dann den Weg in die Opposition befürwortet. Bei diesem Szenario gäbe es eine auch für die Börse schädliche Hängepartie, falls sich die potenziellen "Jamaika"-Koalitionäre nicht zusammenraufen sollten. Andererseits könnte die rechtspopulistische Partei AfD stark abschneiden. Diese würde die traditionellen Parteien eventuell dazu zwingen, ihrerseits europa- und damit aktienmarktfeindliche Töne anzuschlagen.

Wenn die Wahlnachlese dann aus Anlegersicht beendet ist, dürften sich die Börsianer bald wieder anderen Themen zuwenden. So könnte der Dax den Analysten der Commerzbank zufolge auch in der neuen Woche von den anhaltend steigenden Kursen an der oft tonangebenden Wall Street profitieren. Der US-Aktienmarkt klettert bereits seit Tagen von Rekordhoch zu Rekordhoch. Genährt wird er von der Hoffnung, dass die Krise zwischen den USA und Nordkorea mit diplomatischen Mitteln gelöst werden kann. Doch Zweifel daran sind angebracht: So drohte das asiatische Land jüngst, eine Wasserstoffbombe über dem Pazifik explodieren zu lassen.

ENTSCHEIDUNG ÜBER VERKAUF VON AIR BERLIN

Auch aus konjunktureller Sicht stehen die Ampeln an der Börse auf "Grün". "Die Weltwirtschaft wächst solide und unterstützt die Entwicklung an den Aktienmärkten", schrieb Analyst Michael Bissinger von der DZ Bank. Ob es hierzulande tatsächlich weiter rund läuft, könnte am Montagvormittag der Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts erweisen. Der Ifo-Index gilt als eines der wichtigen Konjunkturbarometer der deutschen Wirtschaft.

Ebenfalls am ersten Tag der neuen Handelswoche entscheidet der Aufsichtsrat von Air Berlin über den Verkauf der insolventen Fluggesellschaft. Im Rennen um das Unternehmen hat die Lufthansa derzeit die Nase vorn.

DELIVERY HERO LIEFERT GESCHÄFTSZAHLEN

Ansonsten melden sich im Laufe der neuen Woche noch einige Unternehmen mit Geschäftszahlen zu Wort. Auf der Agenda steht am Dienstag der Berliner Essenslieferdienst Delivery Hero , bevor zur Wochenmitte der Autozulieferer Hella seine Bücher öffnet. Weiter geht es am Donnerstag mit dem Start-up-Entwickler Rocket Internet und der Hornbach Holding , der Dachgesellschaft des Baumarktbetreibers Hornbach Baumarkt ./la/bek/tos

--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---

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