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Notizen zum Aktienmarkt WAS HAT DIE ZÜRICHER BAHNHOFSTRASSE MIT IHRER LIQUIDITÄT ZU TUN?

Gastautor: Dr. Georg Oehm
17.10.2017, 12:23  |  1537   |   |   

Die Bahnhofstraße in Zürich am Paradeplatz. Rechts das Griederhaus, links die Hauptverwaltung der Credit Suisse © city100 / Shutterstock

I. Bahnhofstraße

Unter den Einkaufsstraßen der Welt fällt die Bahnhofstraße in Zürich dadurch auf, dass dort die höchsten Mieten Europa’s für Geschäftslokale bezahlt werden. Pro Quadratmeter CHF 15.000,- pro Jahr sind normal. Welche Geschäfte Sie dort finden ist klar, wenn für ein Geschäft von 100 Quadratmetern CHF 1,5 Mio. Miete im Jahr fällig werden. Die Einzelhändler berichten übrigens, dass die Umsätze in dieser Straße enorm hoch sind.

Die Kaufpreise für Häuser sind es auch. Im Jahr 2014 zahlte die Swatch Group für das im Bild oben rechts abgebildete, von der NZZ als „auffällig“ eingestufte Griederhaus CHF 400 Mio. Das sind bei einer Fläche von 7.435 Quadratmetern schlappe CHF 53.800 Kaufpreis pro Quadratmeter. Wenn Sie jetzt sagen, dass ist ein niedriger Faktor, bei so hohen Mieten, dann stimmt das natürlich nicht, denn die hinteren Mansarden in den oberen Etagen werden natürlich nicht für die gleichen Preise vermietet, wie die teuren Ladenlokale unten. Ob der Faktor 40- oder 50-fach war, ich weiß es nicht, aber hoch war er damals schon - vor nur drei Jahren.

Interessant auch der Fall des Kaufhauses Manor, ebenfalls in der Bahnhofstraße. Wegen einer Mieterhöhung auf CHF 19 Mio. pro Jahr führt die Mieterin einen Prozess gegen die Eigentümerin, eine Pensionseinrichtung aus dem Umfeld der Credit Suisse. Manor argumeniert quasi mit Artenschutz – und bekam sogar ein wenig Recht. Aber ab 2019 ist dann Schluss mit lustig und der Hauseigentümer kann seine Mieten nehmen, wie er will. Die Schweiz ist und bleibt ein Land der Eigentümer.

II. Liquidität

Hiermit ist natürlich nicht der Inhalt eines Bierglases oder der schwergewichtige Teil ihres Barvermögens gemeint, den Sie als Münzen im Portemonnaie haben.

An den Finanzmärkten ist Liquidität oder auch Kasse einerseits eine Maßeinheit für den Wert von Vermögens-gegenständen, andererseits aber auch eine Drehscheibe, über die Investoren von einem in einen anderen Anlagegenstand wechseln können.

Dass Sie die Bahnhofstraße vielleicht nicht mit ihrem Portemonnaie, sondern eher mit den Abrechnungen Ihrer Kreditkarte in Verbindung bringen, kann ich mir schon vorstellen. Aber auch darum geht es hier nicht.

Bei der Liquidität am Finanzmarkt handelt es sich um Buchgeld auf Konten bei Banken. Und hier ist zunächst festzuhalten, dass die Liquidität – insbesondere bei Kapitalsammelstellen (u.a. Pensionskassen und Versicherungen) – weiter sprudelt, denn alle Welt redet so viel von Zinserhöhungen und anderen Maßnahmen, dass kaum auffällt, dass die Wasserhähne an den Geldbadewannen von den Zentralbanken nach wie vor nicht abgestellt wurden.

Anders gesagt: der Anlagedruck bleibt hoch.

III. Liquidierbarkeit

Vielleicht waren Sie ja auch mal Eigentümer von Anteilen eines sogenannten „Offenen Immobilienfonds“. Als mündelsicher wurden diese von Gerichten eingestuft und zahlreiche Banken hatten Aufsteller vor ihren Filialen, die darauf hinwiesen.

Dass es dazu kommen könnte, dass die Offenen Immobilienfonds geschlossen werden, überstieg die Vorstellungskraft der Richter. Die letzte Finanzkrise führte aber genau dazu. Und das hatte dann den Nachteil, dass die Liquidation dieser Fondsanteile nicht möglich war. Die Depotpositionen blieben den Investoren erhalten, Buchgeld gab es zunächst keins. Zum Bezahlen von Rechnungen taugten die Fondsanteile deshalb nicht.

Später dann wurden viele Fonds wieder geöffnet und der ein oder andere Anleger hatte auch Glück, weil die Abschläge bei machen Fonds gering waren.

Vergessen werden allerdings oft die sogenannten Opportunitätskosten fehlender Liquidierbarkeit. In diesem Fall sind das die entgangenen Gewinne, die Haltern unverkäuflicher Immobilienfonds dadurch entstanden, dass der Umstieg in andere Kapitalanlagen für lange Zeit nicht möglich war. Es wird Sie jetzt nicht wundern, dass die Zeit der Schließung dieser Fonds mit den Zeiträumen zusammen fiel, die heute nur als „Kaufzeit“ bezeichnet werden können. Kaufen geht eben nur mit vorhandener Liquidität und besonders tiefe Kurse für Vermögenswerte gibt es immer dann, wenn genau diese Liquidität knapp ist.

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